Hans-Christoph Vogel

Special (September 2002)


zum 60. Geburtstag


Der Mut zur Cordhose

von Brigitte Kemper-Bürger

Diese kleine Geschichte erzählt von einer der ersten Begegnungen, die ich mit Hans-Christoph Vogel bei unserer gemeinsamen Arbeit mit Führungskräften der AOKs hatte und spielt ungefähr vor 10 Jahren.

Ich hatte als Referentin für Weiterbildung neu in der Abteilung Personalentwicklung begonnen und es kam zu internen Absprachen, wer welche Seminare übernimmt und begleitet. Da ich eine systemische Weiterbildung begonnen hatte, hielt man mich für fähig, den Bereich Organisationsentwicklung zu übernehmen. Aber, so meinte meine damalige Chefin, es gäbe da so einen "schwierigen" Referenten, der zwar "irre intelligent" sei, den man aber nie richtig verstehen würde. Aber da ich ja auch so ein bißchen "theoretisch" sei, würden wir sicher gut zusammen passen. Damit begann eine lange und für mich wunderbare und sehr lehrreiche Zusammenarbeit, die uns von den AOKs bis zur Weiterbildung im OE-Kurs am Institut für Beratung und Supervision Aachen geführt hat.

Bei einem der gemeinsamen AOK-Seminare, und davon erzählt diese Geschichte, hatten wir es mit einer Gruppe sehr engagierter und sehr "verwaltungsmäßig" denkender Führungskräfte zu tun. Diese Leiter sollten nun, ganz systemisch, eigene Konstruktionen von ihrem Erfolg und Mißerfolg benennen. Dass es überhaupt Mißerfolg, also die andere Seite von Erfolg geben könne, erzürnte die Gemüter. Man war es gewohnt immer erfolgreich zu arbeiten, und wenn dies mal nicht gelingen sollte, dann war die Politik, das Gesetz oder der Versicherte schuld.

Christoph war eine wandelnde Verstörung für die Teilnehmer. Er war sehr freundlich, hilfsbereit, zugewandt und aufmerksam, aber er ließ nicht davon ab, dass es zu jeder Seite immer auch eine andere gibt: Ein - und Ausblendungen, Erfolg und Misserfolg usw. Der Zorn entlud sich im abendlichen Trinken und am nächsten Tag wurde das Seminar zwar beendet, die Kassen-interne Verarbeitung nahm jedoch erst ihren Lauf.

Zwei Tage später traf ein Brief beim Vorstand des AOK-Bundesverbandes ein, in dem sich die Teilnehmer in hochoffizieller Form über die Cordhose des Referenten beschwerten. Sie sahen darin eine Kleidungsform, die nicht zum "Stil des Unternehmens" passe und die ihrer hohen "Führungsaufgabe nicht würdig" sei. Über das Thema des Seminars schwiegen sie sich natürlich aus. Am nächsten Tag wurde ich zum Vorstand geladen. Ich wurde nicht etwa über den Verlauf und die Ergebnisse des Seminars, sondern dezidiert über die Kleidung des Referenten befragt.

Erst meine Frage, ob dieser Brief nicht gerade zeige, wie wichtig für uns Referenten seien, die sich über die gewohnten Verwaltungsstandards hinwegsetzen können und neue Impulse (in jeder Hinsicht) geben können, hat zu einem Innehalten und dann zur weiteren Auftragsvergabe an Christoph geführt. Der Brief der Teilnehmer wurde in dem Sinn beantwortet, dass externe Referenten anders sein müssen als interne, sonst wären sie keine externen mehr und für das Anderssein bezahle man sie ja schliesslich. Daraufhin habe ich von den Teilnehmern nichts mehr gehört.

In all den Jahren habe ich Christoph als einen Prototyp des externen Trainers kennengelernt: kongruent mit seinem eigenen theoretischen Ansatz, nicht verwickelt in die Spiele der Organisation und mit Herz und Verstand präsent. Solche Trainer sind selten und ich hoffe, dass Christoph noch lange Lust auf diese Tätigkeit hat.

Herzlichen Glückwunsch!

Brigitte Kemper-Bürger


Veröffentlichungsdatum: 22. September 2002


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