Jesús Hernández Aristu

Special (September 2003)


zum 60. Geburtstag


Multitalent

von Markus Kernberger

Lieber Jesús,
ich glaube im Herbst 1972 oder im Frühjahr 1973 haben wir uns zum ersten Mal gesehen. Es war beim Vorbereitungstreffen für ein Seminar von Frau Prof. Möller.

Ich wusste nicht wer Du warst. Du hattest einen ausländischen Akzent, machtest auf mich als Erstsemester einen klugen Eindruck.

Verbündet mit Kuni Bahnen warst Du Werber, Trainer und Entwickler des Elterntrainings. Du hast viel Herzblut in diese Form der Erwachsenenbildung reingegeben und unzählige Multiplikatoren hervorgebracht. Du warst Kaplan in St. Castor in Alsdorf, Student an der Hochschule, Arbeiter in der Erwachsenenbildung und und und ...

Mit Prof. Leirman haben wir die Gruppendynamik kennen gelernt. Wir hatten viel Spaß miteinander und mehrfach hast Du dann beim gemütlichen Teil Dein Spiel "spanische Eisenbahn" hervorgezaubert. Es wurden ein paar Leute herausgeschickt, einzeln wieder hereingerufen, die hängten sich dann an die Lokomotive und die Wagen ran und fuhren durch die Welt.

Als die Eisenbahn dann im Bahnhof hielt, drehte sich die "Lokomotive" um und küsste den "Wagen" hinter sich. Diese Person drehte sich dann um und küsste, u.s.w. Der vorletzte Teilnehmer/In hatte allerdings die Überraschung für den/die "Neue", er schmierte ihr eine auf die Backe. Ich erinnere mich noch, dass ich entzückt war, Christel Schmitz so zu überraschen, aber ich schlug zu fest zu, so dass es mir total leid tat. Ich konnte Christel gut leiden, aber es hat sich nicht entwickelt.

Beim "Kommunikationsseminar" bei der Akademie für Jugendfragen in Münster kreierten wir auf Deine Anregung hin einen nonverbalen Dialog. Wir hatten eine 1m-breite Papierrolle, an jedem Ende agierte einer und wir falteten und bewegten uns aufeinander zu, reagierend auf den anderen. Das hat mich damals sehr beeindruckt. Wir hatten allerdings auch massive Differenzen mit der Leiterin (Angela) und viel unserer Zeit ging dafür drauf, dass wir eine Lösung finden konnten.

Ja, erlebt habe ich Dich zweimal in Deiner Heimat in Eguiarte. Wir wohnten im Haus der Pfadfinder von Pamplona, renovierten dort ein bisschen und lernten mit Dir spanisch. Damit wir es richtig aussprechen sagtest Du öfter, "TSUNGE RAUS". Als erstes lernte ich "Yo quiero telefonar".

In Erinnerung sind mir auch die tollen Ausflüge nach San Sebastian. Das Getränk Patscheran, die Kontakte mit den spanischen Pfadfindern und das tolle Fest mit den Leuten in den Pyrenäen habe ich nicht vergessen. Ich hatte auch gelernt, "Atomkraft nein Danke" auf baskisch zu sagen. Leider habe ich es vergessen. Ja, das war ein internationaler Austausch, der mir sehr gut getan hat und noch heute in guter Erinnerung ist.

Du hast eine Auseinandersetzung geschrieben über Paulo Freire vermischt mit der Philosophie des christlichen Existenzialismus und den Ideen von Martin Buber. Das hat mich damals sehr beeindruckt und auch beeinflusst.

Nach Deiner Kaplanszeit und den vielfältigen Engagements wurdest Du Seelsorger für die Spanier auf Bundesebene. Wir haben Dich ein paar mal in der Zeit in Meckenheim besucht und mitgekriegt, wie viel Freude Dir diese Arbeit macht, aber auch wie schwer es manchmal war und wie allein Du Dich fühltest. Zum Schluss gab es, glaube ich, noch Streit um die finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Bischofskonferenz.

Wenn wir Dich in Meckenheim besuchten, warst Du ein hervorragender Gastgeber. Besonders ist mir ein leckerer deutscher Wein in Erinnerung, er schmeckte wie eine Rosine an die andere gelegt.

Nachdem der Bischof Dir leider das gewünschte Sabbat-Jahr verweigert hatte, warst Du einige Zeit in Maria Rast, machtest aber einen eher unglücklichen Eindruck. In der Zeit hast Du, glaube ich, Christine kennen gelernt, eine belgische Lehrerin, sehr hübsch und sehr nett. Mir ihr lebst Du, so hoffe ich, heute noch zusammen und ihr habt nette Kinder.

In Erinnerung ist mir auch Dein Buch für spanische, deutsche, alle Kinder. Du warst immer ein sehr rühriger Mensch (ich glaube von Dir habe ich die Anrede "Ihr lieben Menschen" übernommen, ich benutze es heute noch sehr oft).

Ein Wiedersehen gab es vor ein paar Jahren als Du in Aachen warst und wir uns in der Oppenhoff-Allee bei netten Menschen getroffen haben. Es war eine große Freude, Dich zu sehen und mit Dir zu sprechen. Du warst mir sofort wieder vertraut, obwohl wir uns viele Jahre nicht gesehen hatten. Du bist inzwischen Professor, arbeitest mit Lothar, Heinz und anderen an Projekten die von der EU finanziert werden und führst Deine Ideen von Dialog immer weiter.

Jesús ich liebe Dich und wünsche Dir zu Deinem 60.-Geburtstag Glück in der Familie, mit Deinen Freunden, bei der Arbeit und Gottes reichen Segen.


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