Die Kybernetik der Supervision

oder:
Warum der Schäl gerne vier Vögel wäre

von Heinz Kersting (September 2001)

In meiner rheinischen Heimat gibt es zwei Witzfiguren: den Tünnes und den Schäl. Der Schäl schaut die Dinge der Welt mit einem schrägen Blick an, denn er ist "schäl", d.h. er schielt. Der Tünnes sieht alle Dinge dieser Welt ein wenig verrückt an, er ist eben ein Tünnes, was in Köln so viel heißt wie ein "Verrückter". Andererseits ist sein Namenspatron, Sankt Tünn einer der beliebtesten Heiligen der Gegend. Es ist nicht der hl. Wüstenmönch Antonius mit dem Schwein, sondern der Franziskanermönch mit dem Jesuskind. Sankt Tünn ist in der heiligen Stadt Köln einer der wichtigsten Heiligen, ist er doch für die verlorenen Dinge zuständig. Er findet alles wieder, was ein Mensch, der zu ihm betet, verloren hat. Sankt Tünn kennt sich aus in den abgedunkelten Seiten unseres Gehirns und hebt die verdrängten Sachen ins Licht des Bewusstseins.

Lange bevor sich Heinz von Foerster (1973), Humberto Maturana und Francisco Varela (1970) mit dem beschäftigten, was man später mit dem Namen Konstruktivismus belegte, lange bevor Paul Watzlawick (1981) die wichtige Frage stellte: "Wie wissen wir, was wir zu wissen glauben" und die erfundene Wirklichkeit zum Thema machte, ließen die Kölner ihre geliebten Witzfiguren sich folgendermaßen konstruktivistisch unterhalten.

Sagt der Tünnes zum Schäl: "Schäl, ich wünschte, ich wäre ein Vogel."

Der Schäl darauf zum Tünnes: "Warum denn das?"

Der Tünnes: "Dann könnte ich fliegen und von oben beobachten, was wir hier unten tun."

Der Schäl darauf zum Tünnes: "Dann wünschte ich mir, ich wäre zwei Vögel."

Der Tünnes: "Warum zwei Vögel?"

Der Schäl zum Tünnes: "Dann könnte ich mich außerdem beobachten, wie ich fliege."

Der Tünnes daraufhin wieder zum Schäl: "Dann wünschte ich mir, ich wäre drei Vögel."

Der Schäl zum Tünnes: "Warum drei Vögel?"

Der Tünnes antwortet dem Schäl: "Dann könnte ich hinter mir her fliegen und beobachten, wie ich beobachte, wie ich fliege."

Daraufhin der Schäl: "Dann wünschte ich mir, ich wäre vier Vögel."

"Warum denn vier Vögel, du Doof?" fragt der Tünnes.

Der Schäl antwortet: "Dann könnte ich mir entgegen fliegen und beobachten, wie ich hinter mir herfliege und beobachten, wie ich beobachte, wie ich fliege."

Ich möchte in meinem Beitrag die Supervision als ein System der Reflexion, als Selbstreflexion, als zirkulären Prozess, als Beobachtung der Beobachtung betrachten.

Ich will meine Beobachtung der Supervision in mehreren Schritten vornehmen und damit ein wenig die vier Vögel der Kölner Konstruktivisten Tünnes und Schäl nachahmen. Ich tue das, indem ich Sie, die Leserin oder den Leser selbst zur Beobachtung einlade und sie auffordere:

Beobachten Sie bitte die Welt, den Supervisor, die Supervisanden, die Klienten der Supervisanden, das Supervisionssystem, die Affekte und Emotionen in der Supervision, das Supervisionsgespräch, kurz alles: nicht nur so, wie sie es immer schon getan haben, sondern auch einmal anders, vielleicht ein wenig schräg oder verkehrt, wie Tünnes und Schäl es tun!

  1. Beobachten Sie darum einmal sowohl so als auch anders ...!

  2. Beobachten Sie den Beobachter!

  3. Beobachten Sie die Beobachtung!

  4. Beobachten Sie die Affekte im Supervisionssystem!

  5. Und schließlich: Lassen Sie das Supervisionssystem sich selbst beobachten![1]

1. Beobachte sowohl so als auch anders ...!
oder: Die Differenz zwischen der klassischen und der systemischen Sichtweise

In Deutschland hat uns Paul Watzlawick mit den Ideen von Gregory Bateson und der Palo-Alto-Gruppe vertraut gemacht. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir im Bereich der Beratung neu und anders sehen gelernt haben. Durch ihn kamen auch in der Supervision neue Sichten in Sicht. Und dass es sich um neue und neuartige Sichten handelte, die zunächst nur ganz langsam in die deutsche Supervisionsszene Eingang fanden, habe ich am eigenen Leibe erfahren. Als ich 1975 zum ersten Mal die von der Palo-Alto-Gruppe erarbeiteten pragmatischen Axiome der Kommunikation und die Zirkularität von Ereignisfolgen auf die Beschreibung von Supervisionsprozessen anwendete (vgl. Kersting 1975, wiederabgedruckt 1992), Themen also, die heute jeder Student der Sozialen Arbeit in seinen ersten Semestern lernt, da erntete ich bei meinen publizierenden SupervisionskollegInnen Kopfschütteln und Unverständnis. Psychoanalyse und Gruppendynamik beherrschten damals die Szene. Für den Freiburger Verlag wurde mein Büchlein "Kommunikationssystem Gruppensupervision" (1975) damals jedoch ein Bestseller, obschon seinerzeit eine bedeutende deutsche Supervisionswissenschaftlerinnen von der Veröffentlichung meines Buches abgeraten hatte. Ich nahm diesen Erfolg als ein Zeichen dafür, dass die praktizierenden KollegInnen durchaus etwas mit den neuen Sichten anfangen konnten. Bei der schreibenden Zunft der BeraterInnen fanden die Watzlawick’schen Ansichten damals keinen Anschluss. Erst durch die Übernahme von Konzepten und Strategien aus der systemischen Familientherapie gelangten die Sichtweisen der Palo-Alto-Gruppe in der Supervisionsliteratur zu ersten Würdigungen.[2] Der Weg bis dahin dauerte in Deutschland immerhin mehr als 15 Jahre.

Die Ideen, die Watzlawick vermittelte, hatten meinen supervisorischen Blick umgelenkt.

Die Anweisungen für das neue Sehen, die Watzlawick gab

  1. Beobachtet nicht nur die Inhalte der Kommunikation, sondern achtet auf die Beziehungen zwischen den Kommunikationspartnern, die mit den Inhalten transportiert werden.

  2. Beobachtet nicht nur die einzelnen Personen und deren Kommunikationsäußerungen, sondern nehmt das System in den Blick! Macht die Spielregeln aus, nach denen das System kommuniziert.

  3. Wenn Ihr das tut, dann werdet Ihr sehen, dass selbst total verrückt scheinendes Handeln äußerst sinnvoll wird. Der Dialog zwischen Tünnes und Schäl klingt ja auch nur aufs erste Lesen hin verrückt und schräg, beim zweiten Lesen wird er tiefsinnig und philosophisch.

  4. Beobachtet das, was in einem System passiert, nicht nur als lineare Ursache-Wirkungskette! Stellt nicht nur die Frage nach dem "Warum"; stellt statt dessen auch die Frage nach dem "Wie"; fragt also: "Wie funktioniert das System?"

    Es handelt sich in Systemen nämlich stets um Kreisläufe, die aufgrund von Feed-back-Prozessen als zirkuläre Kausalität gesehen werden können. Die von den Beobachtern eingeführten Ursache-Wirkungs-Kausalitäten sind willkürliche Punkte. "Interpunktionen" nennt sie darum Watzlawick, die vom jeweiligen Kommunikationspartner gemäß seinen jeweiligen Interpretationen vom Geschehen im Kommunikationssystem gesetzt werden. Wie willkürlich diese Setzungen sind, die häufig zu Konfusionen und Konflikten führen, macht der begnadete Schriftsteller Watzlawick, der ursprünglich Literatur- und Sprachwissenschaft studiert hatte, an unzähligen Beispielen klar.

    Das bekannteste Beispiel ist das der Ehefrau, die er sagen lässt: "Weil mein Mann immer ins Wirtshaus geht, nörgele ich", den Mann aber daraufhin sagen lässt: "Ich gehe doch nur ins Wirtshaus, weil meine Frau immer nörgelt" (vgl. Watzlawick/Beavin/Jackson 1969: 58f.).

  5. TherapeutInnen, BeraterInnen, SupervisorInnen betrachtet weniger die Vergangenheit, also nicht das, was in der Kommunikation der Kommunikationspartner an Furchtbarem, Leidvollem und Schuldzuschreibendem verhandelt wird, sondern beobachtet das, was in der Gegenwart geschieht und was für die Zukunft an neuen Regeln entwickelbar ist.

  6. Beobachtet nicht nur die Probleme der Menschen, denn die Probleme der Ratsuchenden sind häufig nichts anders als die versuchten, nicht gelingenden Lösungen. Aber auch die Lösungen bieten nicht allein den Schlüssel für die Heilung. Denkt vielmehr daran, dass jede Lösung von heute das Problem von morgen sein kann (vgl. Watzlawick/Weakland/Fisch 1974: 99ff.). Schaut darum, so erinnerte man sich später alter sozialarbeiterischer Prinzipien (vgl. z.B. Lowy 1973), vor allem auf die Ressourcen der Ratsuchenden. Eure Ratsuchenden sind nicht nur die ExpertInnen für die Anamnese ihres Problems sondern auch für die Lösung desselben (vgl. Kim Berg im Gespräch mit Walter 1999).

    > Aus diesem Grund haben wir uns am Aachener Institut für Beratung und Supervision angewöhnt zu sagen: Es ist unnütz, von Problemlösungen zu reden. Sprecht lieber vom Austausch von Problemen. Menschen tauschen ein Problem gegen ein anderes aus, wenn sie annehmen, dass sie das neue Problem besser managen können als das Problem, mit dem sie in die Supervision gekommen sind.

Ein Beispiel: Als ich noch unverheiratet war, hatte ich das Problem der Einsamkeit, und die meisten Versuche, dieses Problem zu lösen, gelangen mir nicht so recht, bis ich dann heiratete. Das Problem der Einsamkeit war gelöst, aber ich hatte es eingetauscht gegen eine Menge anderer Probleme, die es seither zu lösen gilt. Sehr bald hatte ich nämlich eine Gruppe von Menschen fast ständig um mich herum, die Einsamkeit war weg, aber viele Menschen können auch störend sein. Allerdings rede ich mir bis heute ein, dass das Problem, von vielen Menschen umgeben zu sein, leichter zu lösen ist als das der Einsamkeit.

Oder ein anderes Beispiel: Für Menschen meiner Generation ist es manchmal recht ärgerlich, mit anzusehen, welche Lösungen sich die nachfolgende Generation für ihre Probleme sucht. Diese Lösungen unterscheiden sich nämlich sehr oft von den Problemlösungen meiner Generation. Nur selten kommt mir in den Sinn, wenn die heranwachsende Generation ihre für mich ärgerlichen Lösungen präsentiert, dass die Lösungen, die meine Generation bisher gewählt hat, aller Wahrscheinlichkeit nach schon in naher Zukunft die großen Probleme unserer Kinder sein werden. Schauen wir Älteren uns nur für einen Augenblick an, mit welcher ausbeuterischen Leichtfertigkeit wir uns Luxuslösungen im Bereich der Energie gesucht haben, ohne uns zu fragen, wie wir mit diesen Lösungen die Welt unserer Kinder bedrohen.

Die fünf Anweisungen sind eine kurze Zusammenfassung von dem, was ich damals von den recht ungewohnten Gedanken Watzlawicks verstanden hatte. Für jemanden, der wie ich im traditionellen Denken, auch in klassischen Beratungstraditionen erzogen und trainiert worden war, bedeuteten diese Anweisungen eine echte Revolution in seinem Kopf.

Es fällt auf, wenn wir Watzlawick lesen - und das gilt auch noch für seine neuesten, oft genial populärwissenschaftlichen Werke -, dass er die Leitbegriffe und Leitkonzepte der klassischen Beraterschulen jeweils durch Gegenbegriffe und Gegenkonzepte ersetzt. Er stellt der herkömmlichen Sichtweise (der linearen Beobachtung) eine alternative (die zirkuläre Beobachtung), wir würden heute sagen, eine "systemische" Sichtweise gegenüber.

Lineare Beobachtung

>

Zirkuläre Beobachtung

Klassische Sichtweise

>

Systemische Sichtweise

Inhalt

>

Beziehung

Person

>

System

Ursache / Wirkung

>

Zirkularität

Vergangenheit

>

Gegenwart / Zukunft

Lösung / Problem

>

Ressourcen

Es liegt nun nahe, die Unterscheidung zwischen klassischer, linearer Beobachtung und systemischer, zirkulärer Sichtweise in der Art eines Entweder-Oders zu behandeln. Man wechselt einfach die Seiten aus und verabschiedet sich von der klassischen Beobachtung und benutzt in Zukunft in der Supervision nur noch die systemische Beobachtung. Man ersetzt die alte Sichtweise durch eine neue.

Beiden unterschiedlichen Sichtweisen wäre dann allerdings in fataler Weise ihre jeweilige Einseitigkeit gemeinsam. Entweder-Oder: Entweder herkömmliches Denken, oder neues Denken in der Art der Palo-Alto-Gruppe.

Ich will nicht verhehlen, dass auch ich in den ersten Zeiten meiner Begegnung mit den Konzepten der Palo-Alto-Gruppe in diese Entweder-Oder-Haltung verfallen bin und, - wie das oft Frischbekehrte tun, - der linearen Beobachtung abzuschwören versuchte. Die häufig frappanten Erfolge, die ich mit der neuen Sichtweise der zirkulären Beobachtung erzielte, bestärkten mich in meinem neugewonnenen Glauben.[3]

Differenztheoretisch kann keine Unterscheidung die anderen, abgeschiedenen Seiten zum Verschwinden bringen. Eine Unterscheidung kann nur eine Seite vorübergehend abdunkeln. Sie bleibt weiter anwesend, - wenn sie auch vorübergehend nicht sichtbar ist, bzw. nicht im Bewusstsein haftet. Ich komme darauf zurück, wenn ich von der Beobachtung der Beobachtung reden werde, eine Theorie, die uns weit über das von Watzlawick und der Palo-Alto-Gruppe entwickelte neue Beobachten hinausführt.

Ganz zaghaft beginnen zur Zeit, 30 Jahre später, klassische und systemische Beratungsschulen in Deutschland einen Dialog miteinander aufzunehmen. In diesen Begegnungen können sie viel von einander lernen und wechselseitig blinde Flecken erkennen. Im März 1996 fand z.B. in Bremen, veranstaltet von der dortigen systemischen Gesellschaft, ein erster Kongress statt, der den bezeichnenden Titel trug: "Vorwärts und rückwärts geht es voran". Auf diesem Kongress sprachen Psychoanalytiker und Systemiker und verglichen miteinander ihre Konzepte.

2. Beobachte den Beobachter!
oder: Die Beobachtung 1. Ordnung und die Beobachtung 2. Ordnung. Die Kybernetik der Kybernetik.

Für die Supervision ist die Diagnose wichtig. Diagnostizieren ist konstruktivistisch betrachtet ein anderes Wort für Beobachten. Denn ein Durch-und-durch-erkennen, ein Dia-gnostiszieren kann sich nur derjenige einreden, der sich im Besitz der Wahrheit dünkt.

Beobachtung setzt BeobachterInnen voraus. Das ist eine Binsenwahrheit: Wenn die Welt beobachtet wird, und diese Beobachtung zu Beschreibungen kondensiert wird, dann setzt das jemanden voraus, der diese Beschreibungen anfertigt. Alle Beobachtungen werden von einem Beobachter beobachtet. Die klassischen empirischen Methoden der Beobachtung haben darum eine Menge an Regeln für das genaue Beobachten aufgestellt.

Was wir allerdings noch dringender als Regeln für die Beobachtung brauchen, ist die Beschreibung des "Beschreibers", oder mit anderen Worten, eine Theorie des Beobachters.

Wir brauchen eine Theorie dafür, was Schäl tut, wenn er beobachtet, wie er fliegt. Wir brauchen eine Theorie dafür, was Tünnes tut, wenn er hinter sich herfliegt und beobachtet, wie er den fliegenden Tünnes beobachtet.

Meiner Meinung nach ist das für die Supervision als eine Form der Beratung ganz besonders wichtig. Theorien der Beratung werden zuhauf entwickelt, was wir aber ebenso dringend brauchen ist eine Theorie des Beraters, eine Theorie des beobachtenden Beraters.

Zwei Varianten für eine Theorie des Beobachters stehen zur Verfügung:

2.1. Das Außerhalb-der-Welt-Modell bzw. das Gucklochmodell


Abbildung 1, © 2001 Puckel-CompanY Düsseldorf

Der Beobachter steht außerhalb der Welt und guckt gleichsam durch ein Guckloch auf die Welt, die er beobachten will (Abbildung 1). Der Beobachter operiert also außerhalb des von ihm beobachteten Bereichs. Er ist von dem getrennt, was er beobachtet. Er versucht, die Objekte der Welt, die Gegenstände, die ihm gegenüberstehen, daher der Name Gegen-stände, direkt und unmittelbar zu beobachten.

Er versucht dabei, seinen Einfluss auf das Objekt seiner Beobachtung so klein wie möglich zu halten. Diejenigen von Ihnen, die die Methoden empirischer Sozialforschung lernen mussten und betrieben haben, wissen, welche Vielzahl von Vorschriften es gibt, damit sich Beobachter und Gegenstand nur ja nicht berühren und sich der Gegenstand nicht unter der Beobachtungsanordnung verändert. Selbst die teilnehmende Beobachtung verläuft nach diesem Gucklochmodell und braucht darum um so schärfere Regeln der Trennung zwischen Beobachter und Objekt. Der klassisch-empirische Beobachter ist also jemand, der sich um eine möglichst objektive, von subjektiven Einflüssen gereinigte Beobachtungsform bemüht.

2.2. Das In-der-Welt-Modell bzw. das Teilnehmermodell:


Abbildung 2, © 2001 Puckel-CompanY Düsseldorf

Der Beobachter ist Teil dessen, was er beobachtet (Abbildung 2):

Eine Beobachtung ist nicht absolut, sondern relativ zum Standpunkt des Beobachters, sagte schon Albert Einstein. Wir könnten natürlich auch Sozialwissenschaftler wie Alfred Schütz zitieren, aber in unserer Kultur zählen nun einmal Naturwissenschaftler als Gewährsmänner viel mehr.

Die Beobachtungen des Beobachters beeinflussen das Beobachtete, sagte schon Werner Heisenberg. Hier könnten wir uns auch wiederum leicht auf einen Sozialwissenschaftler, nämlich auf Kurt Lewin berufen, der mit seinem Konzept von Handlungsforschung allen SozialarbeiterInnen ein alter Vertrauter ist, da er ein für die Gruppenarbeit so wichtiges Wissen erfunden hat.

Die Beobachtungen des Beobachters kreieren, erschaffen das Beobachtete, sagt der Logiker George Spencer Brown, auf den ich gleich noch zurückkommen möchte. Wir könnten allerdings viele vergleichbare Äußerungen moderner Künstler heranziehen, wie z.B. von George Braque, Pablo Picasso, Paul Klee, René Magritte, Antoni Tàpies, Markus Lüpertz, die davon sprechen, dass nicht der Künstler das Bild erschafft sondern der Betrachter.

Die "objektive" Welt wird vom Beobachter nicht "entdeckt", sondern "erfunden", so der Naturwissenschaftler Heinz von Foerster, der sich selbst inzwischen keiner Fachwissenschaft mehr zurechnet und sich als "ent-facht" bezeichnet (vgl. Kersting 1997a: 56). Heinz von Foerster setzt das Wort "objektiv" ganz bewusst in Anführungszeichen, da es für ihn ein Begriff aus dem Gucklochmodell ist. "Objektivität" ist nach Heinz von Foerster, "der Glaube, dass die Eigenheiten des Beobachters keinen Eingang in die Beschreibungen seiner Beobachtungen finden" (von Foerster 1993: 74). Objektivität gibt es also nur dort, wo man den Beobachter bewusst ausschließt oder vergisst.

Wir könnten allerdings auch wieder unsere beiden Kölner Witzbolde, Tünnes und Schäl zu Rate ziehen, denn sie erfinden sich als beobachtende Beobachter eine neue Welt, die Welt der Vogelperspektive.

Da ein Supervisor keine klassische empirische Sozialforschung betreibt, sondern sich versteht als Beobachter der (Lebens- und besonders der Arbeits-)Welten seiner SupervisandInnen, wird er vor allem an diesem Teilnehmermodell interessiert sein.

Auch die Psychoanalyse hat mit dem Problem der Partizipation des Analytikers gerungen, was wir ganz deutlich in der Auseinandersetzung Sigmund Freuds mit Phänomenen beobachten können, die dann in der Psychoanalyse in Begriffe wie Übertragung, Gegenübertragung und Introspektion gefasst wurden. Konstruierte Begriffe, wie Freud selbst sagt, die solange gebraucht werden sollen, bis die Neurobiologie und die Psychoanalyse wieder wissenschaftlich gemeinsame Wege gehen können.[4] Der Ethnopsychoanalytiker Georges Devereux (1973) zeigte auf, dass sich in dem Freudschen Konstrukt der Gegenübertragung bereits ganz deutlich eine Selbstreferentialität abzeichnet. Der Begriff Selbstreferentialität wird später für die Kybernetiker zum Schlüsselbegriff der Zirkularität, der Selbstbeobachtung und Selbstreflexion von Systemen.

Heinz von Foerster hat das "Gucklochmodell" die Beobachtung 1. Ordnung oder Kybernetik 1. Ordnung und das "Teilnehmermodell" die Beobachtung 2. Ordnung bzw. Kybernetik der Kybernetik genannt.

Er erzählt in diesem Zusammenhang gerne eine wunderschöne Geschichte, wie er auf den Begriff der Kybernetik der Kybernetik gekommen ist, und mit dem er die früheren, etwas umständlichen Bezeichnungen, die da waren: zirkularkausale Systeme und zirkularkausale Feedbackmechanismen abgelöst und semantisch auf den selbstreferentiellen Punkt: eben Kybernetik der Kybernetik gebracht hat:

Vor vielen, vielen Jahren, so um 1962 herum, organisierte er einmal eine Konferenz. Es handelte sich um die erste Konferenz der Kybernetischen Gesellschaft. Unter den vielen ReferentInnen, die eingeladen wurden, befand sich auch die Anthropologin Margaret Mead. Sie hielt auf der Konferenz einen Vortrag über das Verhalten von Kybernetikern in der Kybernetischen Gesellschaft. "Klar," so Heinz von Foerster, "worüber sollte eine anthropologische Soziologin auch sonst reden." Es sei ein wunderbarer Vortrag gewesen. Heinz von Foerster hatte als Veranstalter nach der Konferenz die Aufgabe, alle Vorträge zu sammeln und herauszugeben. Die braven Leute haben ihm ihre Papiere geschickt, einzig und allein Margaret Mead hatte nichts geschickt. Diese war längst vermutlich wieder in Papua, um eine neue Sprache zu lernen. Zum Glück hatten sie eine Tonbandaufnahme von ihrem Vortrag. Heinz von Foerster hat daraus einen Text fabriziert und auch selbst die Korrekturen gelesen. Diesen Aufsatz hat er dann an Margaret Mead geschickt, jedoch nichts mehr von ihr gehört. Schließlich hat er ihr ein Telegramm geschickt und gefragt: "Liebe Margaret, wie willst du deinen Vortrag titulieren?" Doch er hat nie eine Antwort bekommen. "Also, so erzählte er, habe ich mir gedacht, Heinz, jetzt musst du selbst einen Titel erfinden. Nun, sie redet kybernetisch über Kybernetik. O. k. cybernetics of cybernetics, das ist ein lustiger Titel." Später, so erzählte er weiter, hat er dann darüber nachgedacht, was das eigentlich bedeutet. Er ist darauf gekommen, dass in dem Titel eine Selbstreferenz aufgetaucht ist und sich eine interessante logische Selbstrelation ergeben hatte. Er hat sich weiter gefragt, ob es noch andere Begriffe gibt, die sich auf sich selbst anwenden lassen, und er habe festgestellt, dass es eine Menge solcher Begriffe gibt.

2.3 Die entsprechenden Anweisungen, die Heinz von Foerster gibt

Beobachte die Welt! und beobachte den Beobachter!

Aber auch hier gilt: Wer nur die Seiten wechselt, wer nur vom Gucklochmodell zum Teilnehmermodell springt, bleibt der Beobachtung 1. Ordnung verhaftet: Er beobachtet sein Objekt mit alternativen Begriffen und Bezeichnungen. Erst die Beobachtung 2. Ordnung, die Kybernetik der Kybernetik, wendet sich ab vom Objekt und macht die Beobachterin selbst zum Objekt der Beobachtung. Die Supervisorin wird zur Beobachterin zweiter Ordnung, sie beobachtet die ihre Klienten beobachtenden Supervisanden. Die Supervisorin wird aber auch zur sich selbst beobachtenden Beobachterin. Aus der Vogelperspektive beobachtet sie sich, wie sie beobachtet. Sie wird jedoch auch von den Supervisanden beobachtet, die die Beobachterin beobachten, während sie sie beobachtet, wie sie ihre Klienten beobachten und sich selbst beobachten... usw., usw.

Supervision ist das Spiel mit Paradoxien, die sichtbar werden, wenn man die linearen Beobachtungsweisen verlässt.

2.4 Daraus folgenden paradoxe Imperative

Der ästhetische Imperativ: Konstruiere deine Realität, um zu sehen!

Der Imperativ der Selbstreferenz: Mache dich selbst zum Bestandteil deiner Konstruktion!

Der ethische Imperativ: Gewähre anderen, die in deinen Konstruktionen vorkommen, dieselbe Autonomie, die du bei ihren Konstruktionen beanspruchst!

Der empirische Imperativ: Erfinde so viele alternative Konstruktionen wie möglich, aber nicht ohne die Grenzen ihrer Verlässlichkeit zu sondieren!

Der soziale Imperativ: Kommuniziere mit anderen so, dass der Bereich möglicher Entscheidungen nicht eingeschränkt wird! (vgl. Krippendorff 1990: 65)

Der ressourcenorientierte Imperativ: Schaffe die Imperative ab, verstehe sie als Einladungen!

(vgl. Hansen 1996: 57 f.)

3. Beobachte die Beobachtung!
oder: Die Beobachtung als Objekt der Beobachtung

Wie aber ist nun Beobachtung möglich? Welche logischen Operationen können all die Formen möglich machen, mit denen es Beobachter bei ihren Beobachtungen zu tun haben? Wie ist es möglich, all die Formen wahrzunehmen und kommunikativ zu vermitteln, mit denen es Beobachter, als Supervisoren bei ihren Beobachtungen und Beschreibungen zu tun haben?

1969 schrieb der englische Logiker George Spencer Brown zur Beantwortung dieser Frage das Buch "Laws of Form", Gesetze der Form. Er formuliert ein Formenkalkül, das allen Beobachtungen, allen Diagnosen, allen Erzählungen, allen Texten, allen Beschreibungen als methodologische, d. h. als logische Prämisse zugrunde gelegt ist (vgl. besonders Simon 1988). Auf dieses Buch berufen sich unmittelbar nach seinem Erscheinen Paul Watzlawick und Heinz von Foerster.

Dreh- und Angelpunkt der "Gesetze der Form" ist die These, dass allen Formen der Welt als die wichtigste Form eine Unterscheidung zugrunde liegt. Und das gilt für die Formen des Erkennens, die Formen des Wissens, die Formen des Glaubens ebenso wie für die Formen von Gesetzen, ob Gesetzen der Natur, des Denkens oder der sozialen Konvention. Allen Formen liegt eine Unterscheidung zugrunde. Wir können nichts erkennen, ohne zu unterscheiden. Wir können nicht sprechen, ohne zu unterscheiden. Wir können keine Theorien aufstellen, ohne zu unterscheiden. Wir können keine Glaubenssätze aufstellen, ohne sie von anderen Sätzen zu unterscheiden. Wir können nicht denken, ohne zu unterscheiden.

3.1 Die Form der Unterscheidung ist die Form aller Formen und nicht einfach nur die Form, mit der wir Dinge bezeichnen (Worte z.B., mit denen wir Dinge beschreiben.).

Gregory Bateson, der Spiritus Rektor der Palo-Alto-Gruppe war der erste Wissenschaftler, der Information definierte als einen "Unterschied, der einen Unterschied macht" (1983: 582). Spencer Brown lieferte die logische Konstruktion zu dieser genialen Erkenntnis nach (Spencer Brown 1969).

Das Neue an dieser Logik von Spencer Brown ist, dass er im Gegensatz zur abendländischen philosophischen Tradition den Formenbegriff als Unterscheidung begreift. Also, im Unterschied zu den althergebrachten dualen, zweiseitigen Unterscheidungen z.B. Materie/Form, Substanz/Form oder Inhalt/Form (z.B. als Teig in der Backform) konstruiert Spencer Brown einen Formenbegriff, der selbst eine Unterscheidung bezeichnet. Dieser Formenbegriff ist also immer schon eine Zwei-Seiten-Form.

Ich möchte das noch ein wenig verdeutlichen:

Wenn wir beobachten, wenn wir etwas beschreiben, wenn wir sprechen, wenn wir denken, wenn wir uns entscheiden, dann können wir das nur tun, indem wir Unterscheidungen treffen. Immer scheiden wir mögliche Beobachtungen und Beschreibungen aus. Wir wählen bestimmte Worte zur Bezeichnung und wählen aus. Wir machen Unterschiede. Wenn wir denken, tasten wir genau so wie beim Beobachten die Welt nach Unterschieden ab. Im Wort Entscheiden ist das Unterscheiden schon enthalten. Jede Form hat zwei Seiten. Die Form aber ist die Unterscheidung schlechthin. Das Wort Unterscheiden trägt immer schon den Hinweis auf wenigstens zwei Seiten mit sich, die unterschieden werden können. Unterscheiden hat zwei Seiten. Als Form ist Unterscheiden eine Zwei-Seiten-Form.

3.2 Die Aufforderung von George Spencer Brown an den Beobachter ist: Unterscheide!

Die Folge Deines Unterscheidens ist:
Du schaffst, Du kreierst ein Universum.
Du markierst einen Raum im unmarkierten Raum.

Jede Bezeichnung kann nur in Abhängigkeit von einer Unterscheidung vorgenommen werden. Wenn ich etwa ein Gemäuer als Haus bezeichne, dann habe ich das Bezeichnete, eben das Haus von der Straße, vom Wald, vom Schloss, von der Wiese und so weiter und so weiter unterschieden.

Aber:

Eine Form entsteht nur, wenn wir zwei Seiten haben, zwischen denen wir kreuzen können. Der Übergang von der einen Seite zur anderen Seite schließt das Überschreiten einer Grenze ein, die nichts weiter ist als die Unterscheidung selbst. Als Bewohner des deutschen Grenzlandes zwischen den Niederlanden und Deutschland stelle ich mir das immer ganz sinnlich vor. In Aachen sind wir es von Kind an gewöhnt, dass die jeweiligen Nachbarländer von Deutschland unterschieden werden, und dass das Überschreiten der Grenzlinie, die manchmal sogar auf dem Asphalt eingezeichnet oder im Pflaster markiert ist, die Unterscheidung selbst bedeutet. Jedoch befinden sich die unterschiedenen Länder Deutschland, die Niederlande und Belgien innerhalb eines markierten Raums. Wir befinden uns in einem Raum (z.B. in Europa), der durch Unterscheidungen markiert ist.

Die Form ist als Unterscheidung immer eine Zwei-Seiten-Form, so sagten wir eben. Sie wird als solche jedoch nur kenntlich, wenn wir von außen (aus dem unmarkierten Raum) nach innen (in den markierten Raum) kreuzen und so bei irgendeiner Bezeichnung, z.B. bei einem Haus oder einem der Länder landen, also im markierten Raum. Kreuzen wir von innen nach außen, dann streichen wir damit die Unterscheidung und landen im unmarkierten Raum.

Nur im markierten Raum kann angeschlossen und weiter unterschieden werden. Nur im markierten Raum kann geredet werden.

Über das Landen im unmarkierten Raum lässt sich nicht mehr sprechen. Vermutlich war es das, was Ludwig Wittgenstein (1918) am Ende des Tractatus logico-philosophicus andeutete mit den Worten: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" (Satz: 7). Oder, was die Mystiker des Abendlandes, die Taoisten und die Meister des Zen eben nicht bezeichnen wollen und nicht aussprechen können, und was wir, die wir im markierten Raum verbleiben, dann Erleuchtung oder Satori nennen. Ich erinnere z. B. an die berühmte 32. deutsche Predigt des Meister Eckehart (1986: 146-155): "Von den Armen im Geiste, die selig sind, weil ihnen das Himmelreich gehören wird." Dort wird zunächst das Unterscheiden gepredigt, der Prediger landet dann jedoch in der unaussprechlichen und ortlosen Einheit von Gott und Seele.

Der Beobachter verdankt seine Weltsicht seiner Blindheit. Er sieht nur deshalb etwas, weil er nicht sieht, dass er nicht sieht. Im Moment der Beobachtung sieht der Beobachter die andere Seite der Unterscheidung nicht, und er sieht die anderen Unterscheidungen nicht.

Paradox und skandalös wird es jedoch, wenn die Nicht-Unterscheidung selbst wieder ins Unterschiedene eingeführt wird,[5] wenn Unterscheidung und Nicht-Unterscheidung als Unterschiedenes gegenübergestellt werden, als zwei Seiten einer Form. Die Unterscheidung als Unterschiedenes kann ja als Gegenteil nur den unmarkierten Raum haben. Der unmarkierte Raum würde jedoch dann selbst zu einer Unterscheidung. Da er aber der Raum des Nichtunterschiedenen ist, in dem es keine Unterscheidungen gibt, kann er keine Unterscheidung sein: die Folge ist, es entsteht ein Paradox.

Es zeigt sich die Selbstreferentialität. Die Selbstrückbezüglichkeit. Die Beobachtung der Beobachtung. Das ist die Stelle, an der die Sprache über Sprache zu sprechen beginnt, das Denken das Denken zu denken versucht, an der die Frage nach der Frage gestellt wird oder an der der Supervisor in den Beobachtungen wieder auftaucht.

Bei Spencer Brown wird diese Operation des Wiedererscheinens einer Unterscheidung im Nichtunterschiedenen, oder des Beobachters im Beobachteten "Re-entry" (Wiedereintritt) genannt. Dieses Re-entry führt also zu einer Form der Selbstbeobachtung zur Selbstreferentialität. Der Beobachter beobachtet sich selbst und sonst nichts.

Die Beobachtung der Welt gelingt also nur unter Ausblendung des Re-entry, durch Abdunkeln der anderen Seite.

Der Beobachter verdankt seine Sicht auf die Welt nur seiner Blindheit. Er kann nicht beide Seiten zur gleichen Zeit sehen. Er kann nur an einer Seite Anschluss finden. Er kann nur an einer Seite weitermachen. Er muss blinzeln. Er muss sich entscheiden, z.B. beim Anschauen des Bildes von Maurits Cornelis Escher (vgl. Abbildung 3): Weiße Vögel oder schwarze Vögel. Beides zusammen kann er nicht sehen. Er muss blind für die weißen Vögel werden, will er die schwarzen sehen. Erst wenn er sich blind macht, kann er etwas sehen.


Abbildung 3, © 1990 M. C. Escher Heirs/Cordon Art - Baarn - Holland

3.3 Sinn als Möglichkeit, die Paradoxie unsichtbar zu machen

Unterscheidungen machen nur Sinn, werden nur dann sinnvoll, wenn der Unterscheider auf einer Seite der unterschiedenen Seiten weitermacht, wenn er eine Seite abdunkelt, wenn er der "inneren Asymmetrie" folgt, wenn er sich reduziert und die Komplexität wieder eingrenzt.[6] "Weitermachen" heißt aber auch, die Möglichkeit haben, von einer Seite zur anderen Seite zu kreuzen, Grenzen zu überschreiten. Wo allerdings im Zirkel das Re-entry auftaucht (wo eine Unterscheidung im Ununterschiedenen erscheint), wird auch das Weitermachen ununterscheidbar.

"Wir können nur jene Fragen entscheiden, die prinzipiell unentscheidbar sind." sagt Heinz von Foerster (1993: 351). Wo das Paradox auftritt können, ja müssen wir entscheiden im Sinne einer impliziten Ethik (vgl. Kersting 1996). Und genau diesen Ausweg wählen wir Menschen, wenn wir uns eine Sozialdimension (ich/du/andere), eine Sachdimension (dies/das) und eine Zeitdimension (jetzt/früher/später) erfinden.

SupervisorInnen operieren auf beiden Seiten der Unterscheidungen. SupervisorInnen müssen von der einen zur anderen Seite springen. Oder, um im Vögelbild von Escher zu bleiben, sie müssen blinzeln. Sie switchen von der einen Seite der Unterscheidung zu einer anderen, sie erhöhen die Komplexität und helfen den Supervisanden beim Wieder-reduzieren. Vielleicht finden die Supervisanden ja brauchbarere Unterscheidungen als die vorherigen, weswegen sie in Supervision kamen.

Dieses Operieren könnte z.B. dazu führen, dass je nach Brauchbarkeit "systemische Sichtweisen" und/oder "klassische Sichtweisen" für die Beschreibung der Beobachtung der Beratungssysteme verwendet werden. Damit würde eine größere Methoden- und Beobachtungsvielfalt in die systemische Supervision Einzug halten. Heinz von Foerster forderte uns in seinem paradoxen Imperativ dazu auf, Lösungen zu suchen, indem wir die Zahl der Möglichkeiten vermehren (vgl. von Foerster 1993: 49).

Supervision als konstruktivistisch-systemische Beratung ist also die ins System eingebaute Beobachtung zweiter Ordnung (vgl. Haye/Kleve 1997).

Konstruktivistisch-systemische Supervision ist dem Tünnes vergleichbar, der beobachtet wie Schäl beobachtet, wie er fliegt, und dem Schäl, der beobachtet, wie er den Tünnes beobachtet, der ihn beobachtet, wie er als Vogel fliegt und sich beobachtet, wie er.... usw. usw.

3.4 Methodisch könnte der Supervisor als Beobachter 2. Ordnung beobachten, wie die Supervisanden unterscheiden.

Er würde dann im einzelnen beobachten,

4. Beobachte die Affekte im Supervisionssystem!

Systemische Supervision steht in der Gefahr, die Beobachtung der Affekte auszublenden. Besonders dort, wo sie sich allzu eng an Konzepte der Systemischen Therapie oder an die allgemeine Systemtheorie von Niklas Luhmann (1987) angeschlossen hat.[7]

Sicher war zu Beginn der Entwicklung der systemischen Therapie diese Distanz zur Beobachtung der affektiven Kommunikation aus heuristischen Gründen durchaus brauchbar. Sie entwickelte sich jedoch innerhalb der systemischen Therapie zunehmend zu einer Einengung (vgl. Levold 1997; 1998). Allerdings wurde in der Praxis der Supervision die allzu strenge Sicht der allgemeinen Systemtheorie bei der Entwicklung der konstruktivistisch-systemischen Konzepten, welche ursprünglich aus der Gestaltarbeit oder der psychoanalytischen Gruppendynamik kamen, stets abgemildert (vgl. Fallner 1993; Richter 1997; Kersting 1997b: 27ff.; Institut für Beratung und Supervision 2001). Seit einiger Zeit wird dieser ausgeblendete Teil auch in der Systemischen Therapie wieder eingeblendet (vgl. Welter-Enderlin/Hildenbrand 1996; 1998)[8].

Auch in diesem Fall gilt statt des Entweder-Oders das Sowohl-als-Auch und so fordert uns Tom Levold (1998: 22) auf, die Systemmodelle "erster Ordnung", in denen das Affektive noch stärker berücksichtigt worden sei, konstruktivistisch zu rahmen, und sie nicht einfach durch Systemmodelle "zweiter Ordnung" zu ersetzen.

Systemische SupervisorInnen beobachten darum auch,

Wenn wir unsere Beobachtungen der Affekte auf die sprachliche Ebene von Unterscheidungen heben, sollten wir uns allerdings bewusst sein, dass wir den unmittelbaren Bereich der Emotionen verlassen. Emotionen sind nicht ohne Kognitionen vorstellbar. Das Versprachlichen von Emotionen bedeutet aber eine andere logische Ebene als das, was wir gemeinhin mit Affekten bezeichnen.

Es wird sich in der systemischen Beratung (und selbstverständlich auch in der systemischen Supervision) vieles ändern, wenn wir beginnen die "kultur-, gruppen- und auch persönlichkeitsspezifische ‚Eigenwelt’ zu beobachten", meint Luc Ciompi (1998: 92). So werden z.B. erst ganz zögerlich wissenschaftliche Beobachtungen über "männliche" und "weibliche" Eigenwelten, die in hohem Maße emotionsbesetzt sind, in der systemischen Supervisionsliteratur behandelt (vgl. aber Hosemann 1993; Ebbecke-Nohlen 1993; Welter-Enderlin 1996; Pietsch 1998).

Die abgedunkelten Seiten von kognitionszentrierten Supervisionskonzepten, allzu verbalistisch geprägtem Vorgehen in manchen psychoanalytisch-orientierten Supervisionen bis hin zu ebenso einseitig kognitivistischen Spielarten systemischer Supervision könnten erhellt und die SupervisorInnen für die affektive Seite einer jeglichen Kommunikation stärker oder aufs Neue sensibilisiert werden.

Allerdings sind die beobachteten Gefühle hin wiederum nur die eine Seite der Medaille und kein Königsweg zu irgendeiner Art von Gewissheit. Vermeintliche Gewissheit jedoch suggeriert die Möglichkeit, die SupervisandInnen mit Hilfe angenommener "richtiger" Beobachtungen kontrollieren zu können. Sie steht im Gegensatz zur "Unwissenheit des Supervisors", die konstruktivistisch-systemische SupervisorInnen als eine besondere Ressource für ihr Beraten entdeckt haben (vgl. Anderson/Goolishian 1992).

Diese Haltung des "Nichtwissens", die durchdrungen ist von einem großen Respekt vor den Menschen, geht zusammen mit einer ebenso großen Respektlosigkeit gegenüber jeglicher Form von Gewissheit. Diese Respektlosigkeit verbindet aufs herzlichste die biologischen Konstruktivisten Humberto Maturana, Francisco Varela (1987: 19f) und die konstruktivistisch-systemischen TherapeutInnen, BeraterInnen und SupervisorInnen (vgl. Cecchin/Lane/Ray 1992, 1993; Kersting 1993, Ludewig 1998: 75).

5. Lass das Supervisionssystem sich selbst beobachten!

Der Supervisor, der konsequent das Teilnehmermodell der Beobachtung gewählt hat, ist sich der Selbstreferentialität seiner Beobachtung bewusst. Er weiß, dass er stets sich selbst beobachtet, wenn er die Welt beobachtet. Er weiß, dass er beim Beobachten beobachtet wird, indem die Beobachter ebenfalls sich selbst beobachten. Die Supervisorin weiß, dass sie in den Unterscheidungen selbst keine letztgültige Wahrheit finden wird.

Vielleicht erlebt sie Erleuchtung, Satori, das aber ist, wie die Weisen sagen, Gnade, Widerfahrnis oder Geschenk und lässt sich nicht mehr in Unterscheidungen aussprechen. Es ist ein Re-entry in den unmarkierten Raum.

Der Supervisor weiß, dass er seinen Supervisanden keine Wahrheiten geben kann, denn er verdankt seine Weltsicht nur seiner eigenen Blindheit.

Wenn aber zugelassen wird, dass das Supervisionssystem sich selbst beobachtet, findet es seine eigenen Lösungen. Das klingt auf den ersten Blick abstrakt oder mystisch.

In der Praxis gibt es ein gutes, verhältnismäßig einfaches Modell für dieses sich selbstbeobachtende Supervisionssystem: Die Balintgruppenarbeit, wenn man sie konstruktivistisch reformuliert und befreit von einer allzu engen Anbindung an die Terminologie ihres psychoanalytischen Ursprungs (vgl. Kersting 1995a).

In diesen Supervisionssystemen, finden die oben beschriebenen paradoxen Imperative in der Kommunikation Anschluss. Im Mittelpunkt steht die Kommunikation des Falles. Die Geschichte des Fallgebers verändert das Gespräch und verändert sich im Gespräch. Die Menschen verlassen die Supervision mit anderen Ansichten, Gefühlen, Gedanken, Bildern und Melodien von ihrer Arbeit und der Welt. Ihre Welt hat sich im Supervisionsgespräch neu konstruiert, weil das Supervisionsgespräch, dem gestattet wurde, sich selbst zu beobachten, sich neu-konstruiert hat.

Wie endete die Geschichte von Tünnes und Schäl? Zum Schluss sagt der Schäl: "Dann könnte ich mir entgegen fliegen und beobachten, wie ich hinter mir herfliege und beobachte, wie ich beobachte, wie ich fliege." Ja, dann ...


Anmerkungen

[1] Die drei ersten Aufforderungen verdanke ich Prof. Dr. Theodor M. Bardmann von der Hochschule Niederrhein (Niederrhein University of Applied Sciences,) der so seine Ausführungen in einem der IBS-Museumsseminare im Jahr 1997 gegliedert hatte. Auf die vierte Aufforderung brachten mich Rosemarie Welter-Enderlin MSW und Prof. Dr. Bruno Hildenbrand mit ihren Ausführungen auf dem Kongress "Vorwärts und rückwärts geht es voran" im März 1996 in Bremen (vgl. Welter-Enderlin/Hildenbrand 1996;1998; Kersting 1997b). Die letzte Aufforderung schließt sich ein wenig an die Ausführungen von Dipl.-Psych. Holger Leinhos an, der in einem der IBS-Museumsseminare im Jahr 1998 sein Modell von Therapie vorgestellt hatte. Der leider allzu früh im Jahre 2000 verstorbene Kollege Holger Leinhos ging theoretisch aus von der Günther-Logik (vgl. Leinhos 1996; Leinhos im Gespräch mit H. J. Kersting1999). Theo und Holger danke ich für ihre wertvolle Arbeit in der IBS-Denkwerkstatt, Rosemarie Welter-Enderlin für ihr wunderschönes Interview (vgl. Rosemarie Welter-Enderlin im Gespräch mit H. J. Kersting1999). Ich stehe auf den Schultern dieser RiesInnen, die selbst wieder auf den Schultern anderer RiesInnen stehen. Diese Position macht schwindelig. Darum würde ich gerne wie Tünnes oder Schäl wenigstens ein Vogel sein.

[2] Astrid Schreyögg markiert 1994 (also fast 20 Jahre später) das Erscheinen meines Buches von 1975 als den Beginn der kommunikationstheoretischen (ich würde selbstverständlich sagen, der systemischen) Wende in der deutschen Supervision.

[3] Ich habe den Eindruck, dass diese Einseitigkeit in den Schriften Paul Watzlawick nahegelegt wird. An vielen Stellen seiner Werke schimmert eine Abwertung der linearen Beobachtung durch. In einem Gespräch, das ich im Frühjahr 1996 mit Paul Watzlawick im Rahmen eines Forschungsprojektes führte, wurde meine Vermutung bestätigt (vgl. Watzlawick im Gespräch mit Heinz J.Kersting1999). Hierin scheint Paul Watzlawick seinem von ihm und der Palo-Alto-Gruppe aufgestellten metakommunikativen Axiom selbst zu widersprechen. Watzlawick u.a. stellten nämlich folgendes Axiom auf: "Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt" (Watzlawick/Beavin/Jackson 1969: 61). Dieses Axiom sagt nun in der Tat nichts anders, als dass Kommunikationspartner unterschiedlich beobachten und ihre Beobachtungen unterschiedlich beschreiben, und dass es keine Instanz gibt, die die eine der möglichen Interpunktionen zur einzig richtigen erklären könnte. Ein Sowohl-Als-Auch der klassischen Beobachtung und der systemischen Beobachtung wäre demnach die pragmatischste Lösung des Entweder-Oder-Problems. Und "pragmatisch" hatte die Palo-Alto-Gruppe ihre Sichtweise von Kommunikation tituliert. Mit Hilfe dieses Axioms der Palo-Alto-Gruppe ist es also möglich, dem Problem der Einseitigkeit und des sich ausschließenden Entweder-Oders zu entkommen.

[4] Vgl. Sies und Brocher (1986), die der Meinung sind, dass dieser Weg mit Hilfe des radikalen Konstruktivismus, wie er von den chilenischen Biologen Humberto Maturana und Francisco Varela vorgestellt wird, jetzt möglich sei. Sie reformulieren die Theorien der Psychoanalyse in der Form einer Metapsychologie konstruktivistisch.

[5] In der mittelalterlichen Theologie sprach man vom Skandal der Menschwerdung und vom Skandal des Sterbens Gottes. Der heilige Bonaventura formulierte dieses Paradoxon folgendermaßen: "In der Menschwerdung ging der Gottessohn in das Andere seiner selbst."

[6] Auf diese Weise kann Sankt Tünn, die verlorene Geldbörse des zu ihm Betenden wiederbeschaffen. Der Betende befreit seinem Kopf vom angestrengten Nachdenken über die Geldbörse, überlässt die Suche dem heiligen Antonius. Die Komplexität wird erhöht, die andere abgedunkelte Region des Gedächtnisses kann frei werden. So hilft Sankt Tünn, indem der Beter loslässt. Ein wahrlich ressourcenorientierter Ansatz. Sankt Tünn hat seinen Obolus für den Opferstock zu recht verdient.

[7] Da das vordringliche Interesse des Soziologen Luhmann der Beobachtung von sozialen Systemen galt, wurden von ihm die Affekte und individuellen Motivationen der Mitglieder von sozialen Systemen unter den Bedingungen der Umwelt von sozialen Systemen abgehandelt. Wie weit Luhmanns Ansatz als brauchbares Paradigma auf supervisorische Prozesse übertragen werden kann, ist unter den VertreterInnen der systemischen Supervision noch nicht ganz ausdiskutiert. Den am meisten überzeugenden Versuch im Bereich der systemischen Therapie haben Fritz B. Simon und Gunthard Weber 1993 vorgelegt. Nützlich ist für mich Luhmanns Unterscheidung von psychischen und sozialen Systemen vor allem für die Organisationsentwicklung (vgl. Vogel/Bürger/Nebel/Kersting 1997) und für das Beraten von Arbeitssystemen. Letzteres wird im deutschen Sprachraum Teamsupervision genannt (vgl. Kersting/Vogel/Nebel/Bürger 1995b; Kersting 2000). Im niederländischen Kulturraum wird diese Beratungsform nicht unter Supervision, sondern unter dem Stichwort Teamentwicklung abgehandelt und eher mit Organisationsentwicklung als mit Supervision in Verbindung gebracht.

[8] Zum Entwurf einer fraktalen Affektlogik vgl. Ciompi 1997; brauchbare Interventionen finden sich in der Provokativen Therapie und Beratung vgl. Farrelly/Brandsma 1986; Dawes 1999


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Autor

Dr. päd. Heinz J. Kersting

  • geb. 1937,

  • Studiengangsleiter des Masterstudiengangs

    Supervision der Evangelischen Fachhochschule

    Freiburg am Institut für Beratung und

    Supervision Aachen,

  • Prof. Emeritus der Hochschule Niederrhein,

  • Bacc. theol.,

  • Dipl.-Supervisor (FH),

  • Supervisor (DGSv, SG),

  • Lehrender Supervisor SG,

  • Balintgruppenleiter,

  • Groupworker AASWG,

  • Wissenschaftlicher Direktor des Instituts

    für Beratung und Supervision und des Louis-Lowy-Instituts

    in Aachen,

  • Gründungsvorsitzender der DGSv,

  • Ehrenmitglied der Spanischen Gesellschaft für

    Supervision (ISPA) und der Deutschen Gesellschaft

    für Supervision (DGSv),

  • Träger des International Group Work Award 2003

    der Association for the Advancement of Social

    Work with Groups (AASWG),

  • Forschungs- und Publikationsschwerpunkte:

    Systemische Supervision und Organisationsberatung,

    internationale Sozialarbeit.


Veröffentlichungsdatum: 15. September 2001


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