Heinz von Foerster

Special (November 2001)


zum 90. Geburtstag


Das Geburtstags"kind" Heinz von Foerster

Heinz J. Kersting

Heinz von Foerster wurde am 13. November 1911 in Wien geboren. Er gilt als der "Sokrates des kybernetischen Denkens". Nach dem Studium der Physik in Wien war er zunächst in verschiedenen Forschungslaboratorien in Deutschland und Österreich tätig, arbeitete nach Kriegsende kurzzeitig als Journalist und Berater einer Telefonfirma und schrieb sein erstes Buch, Das Gedächtnis. Eine quantenmechanische Untersuchung. Er entwarf hier eine Theorie des Gedächtnisses, die die amerikanischen Kybernetiker der ersten Stunde auf ihn aufmerksam werden ließ.

Man lud ihn ein; Heinz von Foerster emigrierte im Jahre 1949 in die USA und arbeitete dort mit dem Erfinder des Computers, John von Neumann, den Anthropologen Gregory Bateson und Margaret Mead und dem Neuropsychiater Warren McCulloch zusammen. 1957 gründete Heinz von Foerster das Biological Computer Laboratorium (BCL), das zu einem Zentrum kognitionswissenschaftlicher Innovation wurde. Philosophen, Elektrotechniker, Biologen (wie Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela), Anthropologen und Mathematiker, Künstler und Logiker diskutierten in der inspirierenden Atmosphäre des BCL erkenntnistheoretische Fragen aus einer natur- und geisteswissenschaftlichen Perspektive. Sie befassten sich mit den Gesetzen des Rechnens in Menschen und Maschinen und analysierten die logischen und methodischen Probleme, die das Erkennen des Erkennens und die Beobachtung des Beobachters notwendig mit sich bringt.

Es ist das Verdienst Heinz von Foersters, immer wieder auf die unvermeidlichen Voreingenommenheiten und die blinden Flecken dieses Beobachters aufmerksam gemacht zu haben, der sich dem vermeintlich von ihm unabhängigen Objekt der Beschreibung nähert. Stets gilt es, so seine ethische Forderung, die eigenen blinden Flecken zu bedenken, die scheinbar endgültigen Aussagen in einem ernsten Sinn als eigenes Produkt zu begreifen und Gewissheiten in jeder Form und Gestalt - immer auf der Suche nach anderen, nach neuen Denkmöglichkeiten - in Zweifel zu ziehen.

Die Stadt Wien hat ihm zu seinem Geburtstag den Viktor-Frankl-Preis des Viktor-Frankl-Fonds der Stadt Wien und den Ehrenring der Stadt Wien verliehen. Der Ehrenring ist die größte sichtbare Auszeichnung, die die Stadt Wien zu vergeben hat.

Die Veranstaltung mit Heinz von Foerster war sehr eindrucksvoll und berührend. Im Festsaal des Wiener Rathauses nahmen an die 1.000 ZuhörerInnen teil, ein Teil der Gäste waren Jugendfreunde und -freundinnen, die Heinz noch als jugendliches Mitglied der Internationalen Artistenunion vor 76 Jahren in Wien erlebt hatten, außerdem waren viele - und zum Teil jüngere - WissenschafterInnen gekommen, die seine Ideen dokumentieren oder weiterentwickeln.

Leider ist der Gesundheitszustand Heinz von Foersters nicht so gut. Er war aber sehr glücklich über die Ehrungen, die ihm in Wien zuteil wurden.

Heinz von Foerster hat sich über diese Zuwendung seiner Heimatstadt sehr gefreut, und viele TeilnehmerInnen der Veranstaltung meinten, dass ihn diese Wien-Reise auch gesundheitlich wieder auf die Beine gebracht hat.

Bei der Veranstaltung wurde ein Film gezeigt, der vor kurzem in Pescadero aufgenommen wurde und in dem er über die aus seiner Sicht wichtigsten Arbeiten spricht.

Monika Broecker und Alex Riegler geben im Internet eine Festschrift für Heinz von Foerster heraus. Sie schreiben: "This is just a beginning and we are still looking for more stories about a personal encounter with Heinz von Foerster. Please pass this on to people who might want to contribute. Please check out http://www.univie.ac.at/constructivism/hvf/festschrift/ for the Heinz von Foerster Festschrift Alex Riegler and Monika Broecker edited."


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