Systemische Supervision und Emotion – ein Widerspruch?

6. Systemische Supervisionstage in Heidelberg
Eröffnungsvortrag am 9. Mai 2002

von Heinz Kersting (Mai 2002)

1. In der Theorie wird der Widerspruch gepflegt

Lange Zeit hindurch wurden systemische Supervision und Emotion für einen Widerspruch gehalten. Das machte ja gerade das Systemische aus, dass es wie in der systemischen Familientherapie vor allem und ganz besonders um die Regeln eines Systems geht. Nicht Personen sollen sich in der Supervision verändern. Die Spielregeln, die zu problematischen Situationen geführt hatten, sollen geändert werden, die Karten des Spiels neu gemischt und die Bedingungen für das gemeinsame Weiterspielen neu ausgehandelt werden. Die Beraterbeziehung war ein unspezifisches Nebenbei, für die man in der Theorie keinen rechten Platz ausmachen konnte und die man darum ruhig vernachlässigen durfte.

1.1 Inhalts- und Beziehungsaspekt (die Palo-Alto-Gruppe)

Hatten wir nicht vom Großmeister Paul Watzlawick dafür die ausdrückliche Erlaubnis erhalten. Er hatte uns aufgefordert, weniger auf die Personen als auf die Regeln eines Systems zu schauen (vgl. Watzlawick 1969; 1974; 1999). Waren wir mit dieser neuen Sichtweise nicht sehr erfolgreich gewesen, hatten wir nicht schnelle und überraschende Ergebnisse bei unseren Klientsystemen damit erzielt (vgl. Kersting 2002a: 20)? Plötzlich verschwanden die Probleme unserer Supervisanden.

Watzlawick und die Palo-Alto-Gruppe (1969: 53ff.) hatten den Personen als den Kommunikationspartnern im System noch so etwas wie Emotionen zugeschrieben, aber sie verrechneten sie unter der spröden Bezeichnung des Beziehungsaspektes, der vom Inhaltsaspekt in jeder Kommunikation unterschieden werden sollte.

1.2 Der Unterschied zwischen System und Umwelt - psychisches und soziales System (Niklas Luhmann)

Spätestens aber seitdem Niklas Luhmann (1987) sein Konzept der Allgemeinen Systemtheorie aufgestellt hatte, wissen wir um den entscheidenden Unterschied, der nun wirklich und wirkend einen Unterschied ausmacht: um den Unterschied zwischen psychischem und sozialem System, wobei dem psychischen System bei Luhmann vor allem die Kognition, das Denken als entscheidende Operation und dem sozialen System das Kommunizieren als die einzige Operation zugeschrieben wurde. Personen als psychische Systeme kommen in den sozialen Systemen gar nicht mehr vor. Sie sind Umwelt des Systems.

"You can never kiss a system!" Nun, küssen sollten Mann und Frau nur lebende Personen, eben Männer, Frauen und Kinder, alles andere lohnt sich ohnehin nicht zu küssen.

Für Luhmann verstand es sich von selbst, dass er sich als Soziologe nicht bevorzugt mit Affekten beschäftigte. Das entspricht der alteuropäischen Arbeitsteilung zwischen der Soziologie und der Psychologie, in der sich die Soziologie als die Beobachterin der Gesellschaft betätigen soll und der Psychologie die Beobachtung psychischer Prozesse zugewiesen wird.

Da das vordringliche Interesse des Soziologen Luhmann der Beobachtung von sozialen Systemen galt, wurden von ihm die Affekte und individuellen Motivationen der Mitglieder von sozialen Systemen unter den Bedingungen der Umwelt von sozialen Systemen abgehandelt.

Wie weit Luhmanns Ansatz als brauchbares Paradigma auf supervisorische Prozesse übertragen werden kann, ist unter den VertreterInnen der systemischen Supervision noch nicht ganz ausdiskutiert. Luhmann selbst macht in bezug auf die Praxis der "Systemtherapie" auf Probleme aufmerksam, die mit der allzu einfachen Adaptierung der Allgemeinen Systemtheorie einhergehen, die ja eben nicht für die Beobachtung von Beratungssystemen wie der Therapie oder der Supervision entwickelt wurde, sondern für die Beobachtung der Gesellschaft (vgl. Luhmann 1992: 127 ff.)

Halten wir fest: Wenn systemische Therapeuten wie z.B. Fritz B. Simon (vgl. Simon/Weber 1993) oder systemische Supervisoren, wie ich, sich allzu einseitig an die Allgemeine Systemtheorie des Niklas Luhmann angeschlossen haben, dann bleibt für die Beobachtung von Emotionen wenig Platz und diese Beobachtung wird sehr schnell vernachlässigt oder abgedunkelt, wie die Differenztheorie von George Spencer-Brown es weniger wertend nennt (vgl. Kersting 2002b: 31ff.).

Gelingt aber diese Abdunkelung, kann man in der Tat einen Widerspruch zwischen Systemischer Supervision und Emotion konstruieren.

Im Brennpunkt steht dann vorzüglich die Beobachtung der Beobachter, die Beschreibungen einer Vielzahl von Perspektiven, die Beobachtung von unterschiedlichen Aussagen, Begründungen, Bewertungen, die Beobachtung der Selbstorganisation des Systems und seiner Zirkularität, dazu die Kommunikationsmuster des Systems und die angestrebte Lösungsorientierung. Das sind alles Termini, die Kognition konnotieren, die Systemrelationen beschreiben und nicht Personen mit ihren Affekten, Emotionen und Gefühlen.

1.3. Die Geschichte der Familientherapie ist die Geschichte dieses Widerspruchs

Auch die Geschichte der Familientherapie ist eine Geschichte dieses Widerspruchs. Sie hat einmal die Familie als ein strukturelles System, ein anderes mal als ein Kommunikationssystem und wieder ein anderes mal als Bedeutungssystem betrachtet, bevor sich einige VertreterInnen der Familientherapie Luhmanns Terminologie bedienten und vom sozialen System Familie sprachen. Lange Zeit hindurch war die vorherrschende Lehrmeinung die, dass Emotionen in der Therapie um jeden Preis zu vermeiden seien. Dabei konnte auch damals keiner ableugnen, dass in den behandelten Familien unvorstellbare affektive Eruptionen auftraten. Diese wurden auch treu in Tonbandabschriften dokumentiert, aber selten im Nachhinein kommentiert. Evan Imber-Black berichtet, dass sich die von Männern dominierte Palo-Alto-Gruppe oft lustig gemacht habe, über die Arbeit mit Emotionen, die Virginia Stark durchgeführt hatte (vgl. Imber-Black 1998: 199). Dass Virginia Satir einmal ein bedeutendes Mitglied der Palo-Alto-Gruppe war, erfuhr ich erst vor wenigen Jahren, als ich mit Helm Stierlin zur Geschichte der Familientherapie ein Gespräch führte. Jedenfalls haben die Ansätze von Virginia Satir wenig Niederschlag in den Schriften gefunden, die den Stempel der Palo-Alto-Gruppe tragen.

Die Mailänder Gruppe ging sogar so weit und behauptete, dass Emotionen schlicht und einfach Botschaften zynischer Beziehungstricks seien. Eine typische Aussage dieser Gruppe könnte gelautet haben: "Die Patientin zeigtTraurigkeit." Mit dieser Aussage kann niemals das tatsächliche Erleben von Traurigkeit der Patientin gemeint sein (Imber-Black 1998: 200).

Als ich in einem Interview Ende der 90er Jahre Fritz B. Simon nach der Bedeutung von Empathie für die systemische Beratung fragte, erntete ich so etwas wie kopfschüttelnde Verwunderung darüber, wie ich systemische Beratung mit einem solch unbrauchbaren, schwammigen, nicht beobachtbaren Begriff in Zusammenhang bringen könnte (Simon im Gespräch mit Kersting 1999: 131ff). Dabei hatte noch der Mentor der Heidelberger Gruppe Helm, Stierlin (vgl. z.B. Stierlin 1971; 1975; Stierlin/Rücker-Embden/Wetzel 1977), es für unabdingbar gehalten, dass TherapeutInnen und BeraterInnen ihre Sensibilität für zwischenmenschliche Prozesse schulen müssen. Genau das sei das entscheidende Arbeitsinstrument zum Aufbau einer Beziehung zu den KlientInnen. Damals benutzte Helm Stierlin noch mehr psychoanalytisches Vokabular als in seinen späteren Schriften.

Wie sehr Systemische Therapie von Personalem in Deutschland getrennt wird, kann folgende Anekdote deutlich machen: Als Rosmarie Welter-Enderlin und Bruno Hildenbrand ihr Buch mit dem Titel: "Systemische Therapie als Begegnung" beim Klett-Verlag zum Druck einreichten, fragte der verstörte Lektor besorgt zurück, ob den AutorInnen da nicht mit dem Titel ein Fehler unterlaufen sei, denn System und Begegnung könnten doch wohl nicht in einem Titel zusammen gebracht werden.

2. Widerstände und Kritik in den USA und im deutschsprachigen Raum

Evan Imber-Black meint, das in den USA die systemische Familientherapie durch die feministische Kritik und durch den kulturübergreifenden Ansatz wachgerüttelt worden sei. Endlich sei es akzeptiert worden, gezeigte Gefühle ernst zu nehmen, ohne den Ruf des Supervisors hinter der Einwegscheibe gewärtigen zu müssen: "Kommen Sie endlich zur Sache, werte Frau KollegIn !" (vgl. Imber-Black 1998: 200).

Sicherlich spielte außerhalb von Labor- und Ausbildungssituationen die affektive Kommunikation in Beratungsprozessen immer eine wichtige Rolle. Allerdings ist diese Dimension häufig als "unspezifisch" an den Rand geschoben worden. Bei Wirksamkeitsstudien spielte sie lange keine wichtige Rolle, vermutlich, weil sie nicht so ohne weiteres "operationalisierbar" ist (Welter-Enderlin/Hildenbrand 1998a: 8). Gerade durch den Radikalen Konstruktivismus mit seiner Hypothese, dass Wirklichkeit durch Sprache konstruiert wird und dass das Ansprechen von Unterschieden die Veränderungen bewirken kann, wird die Bedeutung des Kognitiven in der Therapie und Supervision verstärkt. Vielleicht ist es aber auch der geheime Wunsch des Therapeuten oder des Supervisors, die Beratungssituation unter Kontrolle zu halten. Während sie die Sprache und die Reflexion in den Vordergrund heben, brauchen sie sich nicht einzulassen auf die dunklen und oft wenig berechenbaren Gefühle der KlientInnen und SupervisandInnen.

Im deutschen Sprachraum war es vor allem die Gruppe um Rosmarie Welter-Enderlin und Bruno Hildenbrand in Meilen in der Schweiz, die 1996 mit dem oben genannten Buch ihr Konzept vorlegten (vgl. auch Welter-Enderlin im Gespräch mit Kersting 1999). In diesem Meilener Konzept sind das Verstehen des Systems und die Begegnung als widersprüchliche Einheit miteinander verschränkt (vgl. für die Lehrsupervision Kersting 2001).

Rosmarie Welter-Enderlin gehörte übrigens auch zu den deutschsprachigen Familientherapeutinnen, die 1987 das berühmte Heft der Zeitschrift Familiendynamik zum Thema Frauenperspektive und Familientherapie herausbrachten (vgl. Welter-Enderlin im Gespräch mit Kersting 1999: 184ff.; Rücker-Embden-Jonasch/Ebbecke-Nohlen 2000), in dem unser Thema unter dem Kontext Geschlechterrollen in Deutschland erstmalig aufscheint.

Eine besondere Initialzündung für die Beschäftigung mit der "emotionalen Rahmung beraterischer und therapeutischer Prozesse", so nennt es die Meilener Gruppe, war der von dieser Gruppe 1997 initiierte Kongress an der Universität Zürich (vgl. Welter-Enderlin/Hildenbrand 1998).

Im Bereich der Supervision ist es Tom Levold von der Arbeitsgemeinschaft systemisch-psychoanalytischer Forschung in Köln, der ausdrücklich und dezidiert neue und das affektive Geschehen betreffende Unterscheidungen in die Beratung und Supervision einführt (vgl. Levold 1997; 1998; Kersting 2002a: 58ff.).

Ich selbst hatte auf den 5. Systemischen Supervisionstagen im Jahr 2000 in Freiburg in meinem damaligen Vortrag ausdrücklich moniert, dass systemische SupervisorInnen in ihren Beschäftigungen mit der Theorie der Supervision die affektive Seite in der Regel nicht in den Blick nehmen. Ich wurde von einigen TeilnehmerInnen scharf kritisiert mit dem Hinweis, dass vor allem die SupervisorInnen, die ihre Wurzeln in der Sozialen Arbeit haben, den Beziehungsaspekt der Supervision berücksichtigten und was, so bemerkten sie, hätte mehr mit Affekten zu tun als die Beziehung zwischen SupervisorIn und SupervisandInnen. Ja, sie würden im wesentlichen den Erfolg ihrer Supervisionen auf die gelungene Beziehung zwischen SupervisorIn und SupervisandInnen zurückführen.

Ich hätte mich in meiner Kritik klarer ausdrücken sollen

Ich bestreite nicht, dass den handelnden SupervisorInnen - und das mag vor allem für die, die in der Sozialen Arbeit beruflich sozialisiert wurden - der Aufbau, das Durchtragen der Beziehung und das sich Wiederlösen aus der Beziehung ganz besonders wichtig ist. Ich selbst bin davon überzeugt, dass die Qualität der personalen Begegnung zwischen SupervisorIn und SupervisandInnen wesentliches zum Erfolg der Supervision beiträgt.

Ich habe inzwischen in einem Beitrag zum 60. Geburtstag von Britta Haye, der Begründerin der systemischen Supervisionsausbildung des Berliner Instituts für Familientherapie aufgezeigt, wie sie, die aus der Sozialen Arbeit kommt, in ihren Veröffentlichungen zur systemischen Supervision stets die affektive Seite der Supervisionstätigkeit herausgestellt hat (vgl. z.B. Haye 1999; Haye/Kleve 1997; 1998; Kersting 2002a). Wörtlich sagt sie: "Natürlich ist unsere Arbeit [in der Supervision] nur möglich, wenn ein guter Rapport besteht, ohne diesen funktioniert sie nicht. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht darin, zu schauen, wie baue ich den Kontakt auf, wie halte ich ihn, und wenn er verloren gegangen ist, wie stelle ich ihn wieder her. Diese Arbeitsweise setzt allerdings genaue Beobachtung voraus. Wenn ich nicht einen bestimmten Kontext, eine bestimmte Sensibilität entwickele, dann wird mir keine vernünftige Supervision gelingen. Diese Sensibilität kann ich aber nur entwickeln, wenn ich aus meinen Beobachtungen bestimmte Schlüsse gezogen habe" (Haye/Linke 2002).

Ihre Ausführungen gipfeln an einer Stelle, wo sie von der wechselseitigen Beziehung zwischen SupervisandIn und Supervisorin spricht, in den Worten: "Ich glaube, ohne Liebe geht Supervision gar nicht" (Haye/Linke 2002).

Das ist etwas, was bereits Aristoteles in der Tradition Platons unter dem pädagogischen Eros des Lehrenden verstanden hatte. Er markierte auch deutlich die Grenze, die dem pädagogischen Eros gesetzt ist. So spricht Aristoteles einmal traurig von einem seiner Schüler: "Ich konnte ihm nichts beibringen, denn er liebte mich nicht." Das wechselseitige Gefühl der Liebe, so wissen wir seit der griechischen Aufklärung, ist demnach die Grundbedingung des Lernens. Wir vergessen es leider immer wieder, wie uns die Geschichte der systemischen Therapie und Supervision und auch die Pisa-Studie deutlich vor Augen führen.

3. Neuere wissenschaftliche Konzepte legen eine Beschäftigung mit den Emotionen in der Supervision nahe

3.1 Gehirnforschung der Neurobiologie

Wie wichtig die Emotionalität für das Lernen ist bestätigt uns auch die neuere Hirnforschung derjenigen Neurobiologen, die die Veränderungen im Gehirn nicht allein nur auf physiologische Ursachen zurückführen, wie es derzeit in den USA innerhalb der Genforschung besonders favorisiert wird. Diese Neurobiologen betonen statt dessen vor allem die Plastizität des Gehirns. So stellten sie zum Beispiel fest, dass noch bis ins hohe Alter bei genügend fördernder Lernumgebung neue Synapsen entstehen. Sie schreiben den psycho-sozialen Erfahrungen einen besonderen Stellenwert für die Ausformung, Stabilisierung und Reorganisation der initial im Gehirn angelegten neuronalen Verschaltungsmustern zu. Die Neurobiologen sind heute in der Lage mit Hilfe von bildgebenden Verfahren (positonaler Emissions-Tomografie - PET) neuroendokrine Stresssituationen zu messen. Sie kommen zu drei Faktoren der Stressbewältigung (vgl Hüther 1999; 2001; 2001a):

  1. Wissen/Erfahrung,

  2. Beziehung/Bindung,

  3. Distanzieren können/ Hoffen auf Zukunft (Glaubenssysteme).

Bei den meisten Lernsituationen handelt es sich um nichts anderes als um Stresssituation, die es zu bewältigen gilt.

Das möchte ich an einigen Experimenten aus der Neurobiologie anschaulich machen. Die Neurobiologen haben Mäuse in ein Handtuch gewickelt und erst nach zehn Minuten wieder daraus befreit. Der im Gehirn messbare Stressfaktor war am ersten und am zweiten Tag sehr hoch. Am dritten Tag nahm er merklich ab. Ab dem vierten Tag verschwand er ganz. Die Mäuse hatten gelernt, sie wussten nun, dass nach zehn Minuten die Prozedur vorüber sein würde. Das war die Erfahrung, die sie gemacht hatten. Dieses Experiment betrifft die Dimension des Wissens und der Erfahrung.

Ein anderes Experiment: Die Forscher teilten einen Wurf neugeborener Mäuse in zwei Gruppen. Die jungen Mäuse der einen Gruppe trennten sie einmal am Tag von der Mutter und nahmen sie in die Hand, die der anderen Gruppe nicht. Der Stressfaktor der in die Hand genommenen Mäuse stieg immens. Die Experimentatoren beobachteten, dass jeweils nach einer solchen Prozedur diese jungen Mäuse erhöhte Aufmerksamkeit und Zuwendung durch die Mutter bekamen. Das Ergebnis dieses Experimentes war, das die Mitglieder der Gruppe, die dem täglichen Stress ausgesetzt waren, später die lebenstüchtigeren Mäuse wurden. Sie hatten offensichtlich gelernt mit Stress umzugehen, sie hatten gelernt, eine Balance zwischen Stresserfahrung und emotionaler Zuwendung herzustellen.

Ein drittes Beispiel: Die Experimentatoren setzten in einen Käfig zwei Buschhörnchenmännchen und ein Buschhörnchenweibchen. Es geschah das, was die Natur vorgesehen hat, die beiden männlichen Buschhörnchen kämpften um das Weibchen, das eine gewann. In der freien Natur verzieht sich nun das unterlegene Männchen in den Busch, vielleicht heißen sie deswegen auch Buschhörnchen. Im Falle des Experimentes wurde dem unterlegenen Buschhörnchen das Verschwinden unmöglich gemacht, so hatte es seine Niederlage ständig vor Augen. Der Stressfaktor wuchs so stark, dass er zum Tode führte.

Ein letztes Experiment: Die Experimentatoren setzten einen Affen in einen Käfig und jagten einen Hund um den Käfig herum. Der Stressfaktor beim Affen stieg ungeheuerlich an. Setzte man einen zweiten Affen desselben Rudels hinzu, reagierten die beiden Affen überhaupt nicht auf den um ihren Käfig herumgejagten Hund. Beziehung und Emotion verringern also Stress ungemein.

Den dritten Stressbewältigungsfaktor finden wir vor allem bei Menschen. Es handelt sich einmal um die Möglichkeit, sich von einer vorgegebenen Situation mental distanzieren zu können, was besonders ausgeprägt ist in der Beobachtung 2. Ordnung als dem Einnehmen der Vogelperspektive, als Kybernetik der Kybernetik, die Kernbegriffe des Konstruktivismus sind, oder in der Form der Introspektion, wie sie die Psychoanalyse entwickelt hat. Zum anderen sind es die Glaubenssysteme, die Hoffnung geben und Zukunft verheißen, damit beschäftigt sich eingehender das Neuro-linguistische-Programmieren (NLP).

Der verstorbene Mentor unseres Aachener Instituts Louis Lowy (vgl. Scherzinger 1995; Kersting 1998) erzählte uns oft aus seiner Zeit, als er ein Gefangener in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz war. Er berichtete uns, dass es vor allem die gläubigen Christen und Kommunisten waren, die die höchste Lebenserwartung in den Todeslagern hatten. Er selbst als Agnostiker habe sich da viel schwerer getan. Nun, er sammelte damals junge Leute um sich, denen er in den wenigen freien Stunden zum Lehrer wurde. Bei seinem siebzigsten Geburtstag 1990 lernte ich einige seiner früheren Schüler kennen, die mir sagten, dass sie ihr Überleben zurückführten auf Louis Lowys KZ-Schule, die ihnen Mut und Hoffnung gegeben hatte.

3.2 Die Affektlogik (nach Luic Ciompi)

Der Psychiater Luic Ciompi hatte schon 1982 mit seinem Buch "Affektlogik" darauf hingewiesen, dass die Wirklichkeitskonstruktionen in den Kognitionen nicht aufgehen und dass Gefühle mit jeglichem Denken verbunden sind, ja dass die Gefühle beim Kognitieren wesentliche Aufgaben zur Integration des Gedachten wahrnehmen. Diese Gedanken fanden in den Schriften der systemisch-konstruktivistischen FamilientherapeutInnen zunächst keinen Anschluss. Ciompi ist heut sogar der Auffassung, dass Individuen, Gemeinschaften bis hin zu Gesellschaften und Nationen von ähnlichen Denkstilen geprägt sind, die so wörtlich "aus einer bestimmten Stimmung und der sie realisierenden Ausführung bestehen" (Ciompi 1997).

3.3 Säuglingsforschung - die "Mütterlichkeitskonstellation" (nach Daniel N. Stern)

Wichtige weitere Anstöße zur Neubewertung des Emotionalen in der systemischen Therapie und Beratung oder zur "emotionalen Rahmung beraterischer und therapeutischer Prozesse", wie es die Mitglieder der Meilener Gruppe nennen, hat die neuere Säuglingsforschung beigetragen. Vor allem die Forschungen der Lausanner Gruppe um Elisabeth Firaz-Depeursinge (Fiaz-Depeursinge/ Stern/Corboz-Warney/Bürgin1998; Fiaz-Depeursinge/Corboz-Warney 2001) hatten die KollegInnen in Meilen auf die Idee gebracht, dass die Veränderung von Wirklichkeitskonstruktionen auf einen stabilisierenden Rahmen angewiesen sind. Sie übertrugen in der Form der Analogiebildung diese auf beraterische Prozesse.

Sie kamen zu der Aussage, dass das Erkennen, wie ein System funktioniert, diesen Vorgang nennen sie das "Fallverstehen", nur ein Aspekt des therapeutischen Handelns ist. Mit Hilfe der Ergebnisse der Säuglingsforschung gelang es ihnen, den bisher in der systemischen Beratung und Supervision allzu oft ausgeblendeten Teil wieder einzublenden: Der andere, ebenso wichtige Aspekt, der auf gar keinen Fall "unspezifisch" ist, besteht darin, eine emotionale sichere Basis zu schaffen, auf der blockierende Wirklichkeitskonstruktionen aufgegeben und neue Möglichkeiten erprobt werden können.

Wenn wir, wie die Meilener Gruppe es getan hat, das Konzept der Unterscheidung als Beobachtung zweiter Ordnung auf die systemische Beratung und Supervision selbst anwenden, dann können wir beobachten, dass die Unterscheidung von System und Umwelt nur eine von vielen möglichen Unterscheidungen für die Theorie der Beratung und Supervision ist. Lange Zeit stand sie jedoch bevorzugt auf der "hellen Seite" der theoretischen Beschäftigung.

Das Affektive von Beratung und Supervision befand sich auf der "abgedunkelten Seite", und mit Abgedunkeltem beschäftigt sich die Theorie erst dann, wenn sie sich selbst als Beobachtende beobachtet, d.h. eine Beobachtung zweiter Ordnung vornimmt. Auslöser dafür ist häufig eine Stresssituation. So hatten die neueren Forschungsergebnisse mich (und d.h. in diesem Fall mein eng an Niklas Luhmann angelehntes Konzept von Supervision) in Stress gebracht. Der Stress nahm zu als ich begann, mit Rosmarie Welter-Enderlin ins Gespräch einzutreten (vgl. Welter-Enderlin im Gespräch mit Kersting 1999).

Das aber ist ja gerade der Clou der Differenztheorie: Es gibt in ihr nur Unter-scheidungen, keine Aus-scheidungen. Das Affektive war nicht einfach ausgeschieden und damit ein für allemal weg, es war nur abgedunkelt. Deswegen konnten die PraktikerInnen vor zwei Jahren in Freiburg auch zurecht mir, dem kritisierenden Theoretiker selbstbewusst gegenüber treten und sagen, dass für sie das Affektive in der Supervision immer - auch wenn die Theoretikerlnnen es vorübergehend nicht beobachteten - bedeutsam war und im hellen Licht ihres Handelns gestanden hätte und weiterhin stehen würde.

Für sie, so sagten sie, gäbe es kein "Entweder-Oder", entweder System oder Emotion, sondern konstruktivistisch viabel und praktisch brauchbar nur ein "Sowohl-Als-Auch", sowohl System als auch Emotion, also keinen Widerspruch zwischen systemischer Supervision und Emotion.

Es ist würde den Rahmen dieser Abhandlungen sprengen, hier die Fülle des wegweisenden Materials, das die Säuglingsforschung zusammengetragen hat, nur annähernd auszubreiten. Es gibt dazu inzwischen eine reichhaltige Literatur – auch in deutscher Sprache. Einige Schlaglichter möchte ich allerdings aufzeigen. Ich beschränke mich dabei auf die Forschungsergebnisse des in den USA und in der Schweiz lehrenden Psychologen Daniel N. Stern (1992; 1995; 1998), der den Begriff "Mütterlichkeitskonstellation" entwickelt hat. Dieser Terminus ist durchaus geeignet, das häufig kritisierte Freudsche Konstrukt des "Ödipuskomplexes" zu ersetzen.

Aus Sterns Sicht ist die Mutter eine Frau, die eine psychische Struktur bzw. eine mentale Organisation aufweist, die sich von der anderer Menschen (auch anderer Frauen) unterscheidet und die nach der Geburt ihres Kindes eine andere ist als zuvor. Denn:

  1. trägt die Mutter eine elementare Verantwortungfür das Leben eines anderen Menschen.

  2. ist das Herstellen einer primären Verbundenheit zwischen Mutter und Kind erforderlich.

  3. bedarf es eines unterstützenden Rahmens, der der Mutter ihre Erfahrungen als "Anfängerin" bestätigt, sie ermutigt, ein Rahmen, der lernanregend ist und ihr eine Art "Zulassungsgenehmigung" als Mutter gibt. Dabei ist nicht nur praktische sondern vor allem psychische Unterstützung erforderlich. Diese notwendige Unterstützung ist nicht einfach zu bekommen. Die junge Mutter muss sich gleichzeitig mit zwei neuen Dreiecken beschäftigen: Zum einen mit dem Dreieck, das aus ihr selbst, ihrem Mann und dem Kind besteht, zum andern mit dem Dreieck, das aus ihr selbst, ihrer eigenen Mutter und dem Kind besteht. Ein Großteil der Entwicklung der Mütterlichkeitskonstellation hängt von der Beziehung der jungen Mutter zu ihrer eigenen Mutter oder zumindest der vorgestellten Mutterfigur in ihrem Leben ab.

Die Wichtigkeit der Mütterlichkeitskonstellation belegt die "Bindungs"forschung. Sie meint nachweisen zu können, dass Mutter und Kind ein Bindungsmuster aufbauen, das sich nach 12 Monaten problemlos erkennen lasse. Auch in diesem Zusammenhang ist der entscheidende Faktor die frühere Beziehung der jungen Mutter zu ihrer Mutter und wie sie diese Beziehung aus ihrer gegenwärtigen Sicht versteht (vgl. Stern 1998).

Die Mütterlichkeitskonstellation ist ein wichtiger Einflussfaktor für die Entwicklung des Kindes. Ihre Elemente sind die Verantwortung für einen anderen Menschen, eine unterstützende Rahmung der Situation und die Bindung zwischen Menschen. Diese Mütterlichkeitskonstellation könnte ein Modell abgeben für die emotionale Rahmung beraterischer bzw. supervisorischer Prozesse (vgl. Welter-Enderlin 1998; Dinkel-Sieber/Hildenbrand/Waeber/Wäsche/Welter-Enderlin 1998).

Eines der wichtigsten Anliegen des systemischen und konstruktivistischen Umgehens mit den Wirklichkeitskonstruktionen ist der Abschied von der scheinbaren Objektivität des Entweder-Oder und das Einnehmen einer Haltung des Sowohl-Als-Auch. Systemische SupervisorInnen werden darum sowohl beobachten, wie das zu beratende System funktioniert, und dazu hatten uns die Allgemeine Systemtheorie, der Konstruktivismus, die Differenztheorie und unsere bisherigen systemischen Praxistheorien in den letzten Jahre sehr effektvoll geschult. Im Sinne der Haltung des Sowohl-Als-Auch werden sie darum aber auch beobachten, was viele SupervisorInnen in der Praxis offensichtlich immer schon getan haben, welche Rolle Affekte, Emotionen und Gefühle in den Supervisionsprozessen spielen.

Wenn wir jedoch unsere Beobachtungen der Affekte auf die sprachliche Ebene von Unterscheidungen heben, sollten wir uns allerdings bewusst sein, dass wir den unmittelbaren Bereich der Affekte verlassen. Emotionen sind nicht ohne Kognitionen vorstellbar. Das Versprachlichen von Emotionen bedeutet eine andere logische Ebene als das, was wir gemeinhin mit Affekten bezeichnen. Zur Zeit mangelt es in der Theorie der konstruktivistisch-systemischen Supervision an eben genau dieser Versprachlichung der Affekte. Es sieht fast so aus, als fehle die Erlaubnis, mit der Versprachlichung zu beginnen.

Luic Ciompi meint darüber hinaus, dass sich in der systemischen Beratung (und selbstverständlich auch in der konstruktivistisch-systemischen Supervision) vieles ändern würde, wenn wir damit anfangen, die kulturspezifischen, die gruppenspezifischen und auch die persönlichkeitsspezifischen 'Eigenwelten' unserer KlientInnen, SupervisandInnen und unserer eigenen 'Eigenwelten' wahrzunehmen (vgl. Ciompi 1998: 92; vgl. auch 1997).

4. Wiedergewinnung älterer "konstruktivistischer" Verfahren für die konstruktivistisch-systemische Supervision

Ich vermute, wenn sich systemische SupervisorInnen wieder stärker auch theoretisch mit den affektiven Aspekten der Supervision beschäftigen, werden sie auch leichter einen Anschluss finden an zwei meiner Meinung nach zutiefst konstruktivistische Verfahren, an die Gruppenarbeit nach Michael Balint, die in der ungarischen Psychoanalyse wurzelt (vgl. Balint 1965, 1966; und u.a. Kaspar 1984) und an die provokative Therapie Frank Farrellys, die, was den Umgang mit Emotionen angeht, ihre Herkunft aus der Gesprächstherapie Carl Rogers' nicht verleugnet (Farrelly/Brandsma 1986; Farrelly im Gespräch mit Kersting 1999; Dawes 1999).

4.1 Die Balintgruppenarbeit (nach Michael Balint)

In der Balintarbeit stehen die emotionalen Verwicklungen der TeilnehmerInnen mit ihren KlientInnen, PatientInnen und Supervisandinnen im Zentrum des Geschehens. Die freien Assoziationen vermehren – gut konstruktivistisch gesprochen – im höchsten Maße die Möglichkeiten. Der Fallgeber kann gar nicht anders als die Wirklichkeit seiner Geschichte zu verändern (vgl. Kersting 2002c).

Neue Wirklichkeiten konstruieren sich.

Michael Balint selbst beschäftigte sich in seinen Forschungen zur Psychoanalyse vor allem mit der vorsprachlichen Situation des Kindes, er betrieb Säuglingsforschung und er kam zu ähnlichen Ergebnissen wie die heutigen SäuglingsforscherInnen, was die elementare Verantwortung, den unterstützenden Rahmen und die enge Bindung zwischen Mutter und Kind angehen (Balint 1966). Die Balintgruppe wurde von ihm konzipiert als ein unterstützender Raum, in dem die BalintgruppenleiterIn die Verantwortung dafür übernimmt, dass die Machtspiele, die häufig in Gruppen so beliebt sind, eben nicht stattfinden und eine hohe Form der Offenheit, Annahme, Bindung, ja Liebe walten kann.

4.2 Die Provokative Supervision (nach Frank Farrelly)

Die provokative Therapie und Supervision lebt von der Paradoxie. Die provokative SupervisorIn verbündet sich in provokanter Weise mit den abgedunkelten Seiten der SupervisandInnen. Frank Farrelly nennt sich selbst: "des Teufels Advokat". Die provokative SupervisorIn konfrontiert die SupervisandIn scharf und schneidend mit ihrer Schattenseite, gleichzeitig aber ist sie in der höchsten Empathie mit ihrer Supervisandin verbunden. Mit Humor und Augenzwinkern konterkariert sie ihre eigenen Provokationen. Während der Supervisionssitzung ist die SupervisandIn die allerwichtigste Person im Leben der SupervisorIn. Diese grandiose paradoxe Irritation und Provokation aus Liebe ermöglichen oft erstaunliche Veränderungen in der Eigenwelt der SupervisandIn (vgl. Wippich/Derra-Wippich 1996).

Lassen sie mich schließen mit einem Zitat eines großen Beraters, der in seinem wissenschaftlichen Arbeiten im Umgang mit der Objektivität bereits sehr konstruktivistisch dachte, bevor noch einer auf die Idee gekommen war, das konstruktivistisch zu nennen, der aber in seinen Methoden bisher als das genaue Gegenteil eines systemischen Beraters angesehen wurde (vgl. Rogers 1987). Ich zitiere diesen Text, damit wir vielleicht erahnen können, was wir möglicherweise in der Theorie der systemischen Beratung und Supervision in den letzten Jahrzehnten alles ausgeblendet haben und was wir bereichernd neu hinzu gewinnen können.

Carl Roger sagt 1959: "Wir können also mit einer gewissen Sicherheit sagen, dass eine Beziehung, in der der Therapeut einen hohen Grad an Kongruenz oder Authentizität, eine sensitive und gründliche Empathie, einen hohen Grad an Beachtung, Respekt, Zuneigung für den Klienten, und in dieser Hinsicht Bedingungslosigkeit zeigt, mit hoher Wahrscheinlichkeit eine effektive therapeutische Beziehung ist. Diese Qualitäten sind offensichtlich die primär veränderungsverursachenden Einflüsse auf Persönlichkeit und Verhalten" (Rogers 2000: 261, vgl. auch 1949).


Literatur:

Balint, M. (1965): Der Arzt, sein Patient und die Krankheit. Klett-Cotta, Stuttgart.

Balint, M (1966): Die Urformen der Liebe und die Technik der Psychoanalyse. Klett-Cotta, Stuttgart.

Ciompi, L. (1997): Die emotionalen Grundlagen des Denkens. Entwurf einer fraktalen Affektlogik. Vandenhoeck Ruprecht, Göttingen.

Ciompi, L. (1998): "Die affektiven Grundlagen des Denkens - Kommunikation und Psychotherapie aus der Sicht der fraktalen Affektlogik." In: Welter-Enderlin, R., Hildenbrand, B. (Hg.): Gefühle und Systeme. Die emotionale Rahmung beraterischer und therapeutischer Prozesse. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg: 77-100.

Dawes, G. (1999): "Das Bermuda-Dreieck im Kopf: Die turbulente Welt der provokativen Therapie." In: Kersting, H.J. (Hg.): Der Zirkel des Talos: Gespräche mit systemischen TherapeutInnen. Aachen: 271-293.

Farrelly, F., Brandsma, J. M. (1986): Provokative Therapie. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1986.

Farrelly, F. im Gespräch mit Heinz J. Kersting (1999) "Ich werde zur dunklen und finsteren Seite der Ambivalenz der Klienten." In: Kersting, H. J. (Hg.): Der Zirkel des Talos. Gespräche mit systemischen TherapeutInnen. Kersting-IBS, Aachen: 253-269.

Fiaz-Depeursinge, E., Stern, D.N., Corboz-Warney, A., Bürgin, D. (1998): "Wann und wie das familiale Dreieck entsteht: vier Perspektiven affektiver Kommunikation." In: Welter-Enderlin, R., Hildenbrand, B. (Hg.): Gefühle und Systeme. Die emotionale Rahmung beraterischer und therapeutischer Prozesse. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg: 119-154.

Fiaz-Depeursinge, E., Corboz-Warney, A. (2001): Das primäre Dreieck – Vater, Mutter und Kind aus entwicklungstheoretischer Sicht. Carl-Auer-Systeme, Heidelberg.

Haye, B., Kleve, H. (1997): "Lehrsupervision als Beobachten des Beobachtens. Systemtheoretische Bemerkungen zur Kommunikation und Wirklichkeitskonstruktion in Prozessen der Lehrsupervision." In: Eckhardt, U.-L., Richter, K. F., Schulte, H. G. (Hg.): System Lehrsupervision. Kersting-IBS, Aachen: 61-79.

Haye, B. (1999): Helm Stierlin - Seine Bedeutung für die Soziale Arbeit. In: Kersting, H. J. (Hg.): Der Zirkel des Talos. Gespräche mit systemischen TherapeutInnen. Kersting-IBS, Aachen: 69-82.

Haye, B., Kleve, H. (1998): "Reframing in der systemischen Supervision - Ein Beispiel für praktizierten (De-)Konstruktivismus." In: Supervision in der Postmoderne. Systemische Ideen und Interventionen in der Supervision und Organisationsberatung. Kersting-IBS, Aachen: 79-108.

Haye, B., Linke, J. im Gespräch mit Heike Hercher und Heinz J., Kersting (2002): "Systemische Supervision heißt in der Beobachtung zweiter Ordnung eine Metaperspektive einnehmen". In: Hercher, H., Kersting, H. J. (Hg.): Systemische Supervision im Gespräch. Kersting-IBS, Aachen (im Erscheinen), vorveröffentlicht in: Kleve. H.: Britta Haye, Special zum 60. Geburtstag. Online-Journal zum systemischen Denken und Handeln - "Das gepfefferte Ferkel", Januar 2002, www.ibs-networld.de.

Hüther, G. (1999): Wie aus Stress Gefühle werden. Betrachtungen eines Hirnforschers. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

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Autor

Dr. päd. Heinz J. Kersting

  • geb. 1937,

  • Studiengangsleiter des Masterstudiengangs
    Supervision der Evangelischen Fachhochschule
    Freiburg am Institut für Beratung und
    Supervision Aachen,

  • Prof. Emeritus der Hochschule Niederrhein,

  • Bacc. theol.,

  • Dipl.-Supervisor (FH),

  • Supervisor (DGSv, SG),

  • Lehrender Supervisor SG,

  • Balintgruppenleiter,

  • Groupworker AASWG,

  • Wissenschaftlicher Direktor des Instituts
    für Beratung und Supervision und des Louis-Lowy-Instituts
    in Aachen,

  • Gründungsvorsitzender der DGSv,

  • Ehrenmitglied der Spanischen Gesellschaft für
    Supervision (ISPA) und der Deutschen Gesellschaft
    für Supervision (DGSv),

  • Träger des International Group Work Award 2003
    der Association for the Advancement of Social
    Work with Groups (AASWG),

  • Forschungs- und Publikationsschwerpunkte:
    Systemische Supervision und Organisationsberatung,
    internationale Sozialarbeit.


Veröffentlichungsdatum: 20. Mai 2002


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