Jesús Hernández Aristu

Special (September 2003)


zum 60. Geburtstag


Im Jahreslauf

Heiku für Jesus

von Heinz J. Kersting

"Wer weiter nichts als die Kreaturen erkennte,
der bräuchte an keine Predigt zu denken,
denn jegliche Kreatur ist Gottes voll und ist ein Buch"

(Meister Eckehart)

Dem Meister gewidmet von Heinz Kersting

Hell geht der Mond auf
Überm Haus in Larraya,
Licht fällt auf den Fels.

Am Neujahrstage
Das allergrößte Glück ist –
Hellblauer Himmel!

Am Neujahrstag, ach,
Bendenkt man wohl, wie einsam
Des Herbstes Abend.




Als ich vors Tor trat
Und fünf, sechs Schritte ging,
Der Wind des Frühlings!

Die kleinen Kätzchen
Schon Sichverstecken spielen
In den Kleeblüten.

Der Mohn erblühte
Und ist für heut die Seele
Der Abendröte.

Im Bergesschatten
Am Raps die Blüte aufging.
Der Frühlung geht nun.




Dort steht die Hacke,
Doch niemand ist zugegen
In dieser Hitze.

Der Sonne entgegen
Rote Malven sich wenden
Im Sommerregen.

In wilden Rosen,
Als ich den weiten Weg ging,
Die Abendsonne.

Der Garten dunkel
Und stiller wird die Nacht nun
Durch Heckenrosen.




Geerntet der Wein
Und die Kamille kraftlos
Am schmalen Feldweg.

Ach, wie begrenzt sind
Des Lebens Mußestunden –
Und es wird Spätherbst.

Die Nebel kamen,
Die Berge schwanden langsam,
Nur der Kirchturm blieb.

Die Abendnebel
Erinnern mich von ferne
An alte Zeiten.




Verschlossene Türen
An den Häusern von Muez:
Das Dorf im Winter.

Das ganze Dorf liegt
Nun allem Anschein nach
Im Winterschlafe.

Der erste Schnee, ach,
Wird wieder, wenn er hinschmilzt
Zu Tau auf Gräsern.

Am alten Bergpass,
Dem völlig eingeschneiten,
Kreisen die Adler.




So alt zu werden,
Ist ein Geschenk der Natur.
Die Glocken läuten.

Der Gitarrenklang
Ließ so bezaubernd hören
Die Winterruhe.

Nun geht das Jahr hin
Und alle Dinge mit ihm:
Und was noch, was noch?


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