Verantwortungsethik und Sozialarbeit

Implikationen von Theorie und Praxis

von Heinz Kersting (Juni 2005)

Ich bin kein Kardinal,
ich bin kein General,
ich bin kein Stimmenfänger,
ich bin ein Clown,
ein Harlekin,
ein kahler Sänger.

Ich hab' keine Kanone,
ich hab' keine Pistole,
ich hab' nur 'ne Viole.

Ich bin, was ich glaube.
Bist du was du glaubst?
Hallo!
Bist du, was du glaubst?

(Herman van Veen)

Es gibt heute keinen Kongress mehr, auf dem nicht wenigstens ein Vortrag dem Thema Ethik gewidmet ist. Fast jede Berufsgruppe beschäftigt sich mit diesem Thema, und viele Berufsverbände richten Ethikkommissionen ein. Die deutsche Bundesregierung hat eine hochkarätig besetzte Ethikkommission eingerichtet im Zusammenhang mit den Problemen der Stammzellenforschnung.

Wenn man sich ein wenig in der Literatur umschaut, so sehen wir eine blühende, semantisch innovative, ökonomisch benutzte, politisch diskutierbare Ethiklandschaft. Sprachlich präsentiert und manchmal schon etabliert als Technikmoral, Wirtschaftsethik, Bioethik und bisher nur als Neologismen auftauchend: Theorethik, KybernEthik (von Foerster 1993 b), Ästhethik und Genethik. Ökonomisch sich auszahlend, findet man Moral als Investitionsgut für Berater. Politisch wird Moral in vielen Fällen, zuletzt in der Diskussion für und wider den Irakkrieg, eifrig strapaziert.

Sehr aktuell sind ethische Imperative für die Wirtschaft und zunehmend werden ethische Fragen, Bedenken und Beschränkungen auch für die wissenschaftliche Forschung, insbesondere auf den Gebieten der Gentechnik und Hirnforschung diskutiert.

Ich spitze hier das Thema der Ethik auf die Verantwortung, d. h. das ethische Handeln des Sozialarbeiters zu. Die Berufsgruppe der Sozialarbeiter in Deutschland scheint mir dem Thema der eigenen Berufsethik gegenüber allerdings weitgehend immun zu sein, zumindest wenn man sich die Fachliteratur anschaut, in den einschlägigen Zeitschriften blättert und aufmerksam Gespräche unter Kollegen verfolgt. Die deutsche Sozialarbeit scheint mir noch, von Ausnahmen abgesehen, wenig von Diskussionen um Fragen zur Ethik berührt zu werden. Amerikanische und niederländische Sozialarbeiter haben es dagegen geschafft, einen in der Berufgruppe anerkannten "code of ethics" zu erstellen.

Vielleicht sind Sozialarbeiter in Deutschland geistig zu unbeweglich, um die wichtigen Strömungen der Zeit aufzugreifen. Vielleicht sind ihnen in ihrem Handeln ethische Fragen zu selbstverständlich, als dass sie sie großartig bereden müssten. Vielleicht aber scheint in ihrer Art des impliziten Umgehens mit der Ethik bereits etwas von dem auf, was den Stellenwert der Ethik in den letzten Jahren des zweiten und in den ersten Jahren des dritten Jahrtausends ausmacht, und verweist damit schon auf einen neuen und recht brauchbaren Umgang mit Ethik.

Nun, ich bin nicht der Meinung, dass deutsche Sozialarbeiter geistig unbeweglicher sind als die anderer Länder und die Mitglieder der übrigen Berufsgruppen. Möglicherweise nehmen sie die Welt pragmatischer wahr, müssen mehr improvisieren, packen sich auch häufig mit so viel Arbeit zu, dass ihnen während des Handelns nicht allzu viel Zeit bleibt fürs explizite ethische Reflektieren. Anderseits haben die deutschen Sozialarbeiter in vielen Bereichen, vor allem, was die Randzonen und vitalen Fragen der Gesellschaft angeht, den Finger am Puls der Zeit und nehmen gleichsam seismographisch die Probleme der Menschen deutlicher wahr als viele andere Berufsgruppen. Die Sozialarbeit ist dazu die erste Berufsgruppe, die für die eigene Reflexion die Supervision erfunden hat, die heute in Europa von vielen anderen Berufsgruppen als brauchbare Beratung ihrer eigenen Praxis übernommen wird. In der Supervision lassen sich die Sozialarbeiter von Supervisoren beobachten. Sie lassen sich von einem Fremden in die Karten gucken, was einen sehr wirkungsvollen Reflexionsprozess in Gang setzt. Die Sozialarbeit hat mit der Supervision in ihre eigene Praxis die "Beobachtung zweiter Ordnung" eingeführt und den Supervisor als den Beobachter der Beobachter institutionalisiert, lange bevor die "Kybernetik der Kybernetik" oder die "Kybernetik zweiter Ordnung" (vgl. von Foerster 1993b: 94-91; Bardmann 1996; Kersting 1997; 2002: 25-31) theoretisch angedacht worden war. Die Kybernetik zweiter Ordnung lieferte im Nachhinein die theoretische Begründung für die bis dahin "nur" praktisch erfahrene Wirksamkeit des Reflexionsinstrumentes Supervision.

Eher leuchtet mir die Vermutung ein, dass Ethik Sozialarbeitern zu selbstverständlich ist, als dass sie darüber ausdrücklich sprechen müssten. Sozialarbeit ist eine "mütterliche Veranstaltung" in einer "väterlichen Gesellschaft" und die Frauen der bürgerlichen Frauenbewegung, die im letzen Drittel des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Soziale Arbeit erfanden und in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg dafür sorgten, dass Helfen zum Beruf wurde, definierten ihr ethisches Ideal als "Mütterlichkeit". Mit Hilfe der Prinzipien der Mütterlichkeit wollten sie ihre gesellschaftliche Arbeit, eben die soziale Arbeit gestalten. Dieses Prinzip wurde auch auf die männlichen Berufsgenossen übertragen, ganz im Sinne von Bert Brecht, der uns in seinem "Kaukasischen Kreidekreis" darauf aufmerksam macht, dass für die Erziehung der "mütterliche Mensch" ganz besonders wichtig ist und diese mütterliche Haltung als ethisches Prinzip nicht an das weibliche Geschlecht allein anzubinden ist. Wer diese etwas altertümlich klingenden Gedanken heute positiv reformulieren möchte, wird feststellen, dass diese Anfangsgedanken der Sozialen Arbeit heute immer noch unter nüchterneren Stichworten weiterleben, die Sozialarbeiter in ihren Reflexionen über ihr praktisches Handeln wie selbstverständlich im Munde führen: z.B. die helfende-professionelle Beziehung, die Empathie, der Rapport. Vielleicht geht es den Sozialarbeitern tatsächlich ja wie den Müttern, die in der Regel fraglos helfen, ohne nach ausführlichen Begründungszusammenhängen für die Ethik ihres Tuns zu fahnden. Kinder und Klienten sind einfach da, fordern heraus, schreien, brauchen Hilfe. Frau (bzw. Mann) hat sich nun einmal auf diese Aufgabe eingelassen, nun muss sie eben auch ausgefüllt werden. Da sie (er) gerade da ist, springt sie (er) in die Bresche.

Vielleicht kann dieser so naive Umgang, naiv im Sinne von ursprünglich, mit dem Thema Ethik, wie er z.Zt. noch unter Sozialarbeitern üblich ist, überleiten zu einer dritten Möglichkeit des Umgehens mit Ethik, die nach meiner Meinung zukunftsweisend ist und die ich im Anschluss an Heinz von Foerster (1993 a: 347 ff.) "implizite Ethik" nennen möchte.

Wenn daher am Ende meiner Ausführungen vielleicht so etwas wie ein Programm entstehen würde, wie wir zusammen das Nachdenken über Ethik in der Sozialarbeit möglich machen können, so bin ich sehr zufrieden. Wenn wir dann auch noch feststellen könnten, dass dieses Nachdenken über Ethik für das praktische Handeln in der Sozialarbeit brauchbar und bedeutsam werden kann, dann bin ich in höchstem Maße zufrieden. Sollten meine Ausführungen nur für mich einen Wert besitzen, so werde ich mich mit mir selbst zufrieden geben. Ich weiß ja, dass meine Beobachtungen auch nur die Beobachtungen eines Beobachters unter vielen anderen Beobachtern sind. Ich bin ein Beobachter, der von seinem eigenen Beobachterstandpunkt aus getrübten Blickes durch seine eigenen "blinden Flecken" hindurch seine ethische Welt und die der Sozialarbeiter beobachtet. Sollten meine Beobachtungen für Sie als Leser nicht brauchbar sein, so übergehen Sie sie. Sie werden Ihre eigenen Beobachtungen machen, die für Sie nützlicher sind. Es bleibt mir dann nur noch übrig, mich bei Ihnen im Voraus für Ihre Geduld und für die Zeit zu bedanken, die Sie mir mit dem Lesen meiner Ausführungen schenken werden.

"Mores" als Sitten und Ethos bezeichnen seit dem klassischen Altertum das gelingende Leben. Im 18. Jahrhundert begann man ethisches Verhalten als Moral intensiver, und das heißt immer auch wissenschaftlicher zu beobachten. Man mühte sich beim Zusammenbruch des christlichen Fundamentalismus um neue Legitimationen für Moral, was damals mit der Theorie vom Naturrecht versucht wurde. Die akademische Disziplin, in der diese Wissensproduktion stattfand, nannte man Ethik. Vorausgegangen war eine mehr als zweitausendjährige Tradition, die unter Ethik die Lehre vom Ethos als der Perfektionsform des natürlichen Lebens verstand.

Ethik ist heute zum Problem geworden, heißt es. Doch stimmt das? Auf Sozialarbeiter, so sahen wir, scheint es nicht zuzutreffen. Wenn ein Sozialarbeiter - andere und sich beobachtend - tätig wird, stellt er möglicherweise fest, dass die Menschen immer noch unhinterfragt ethisches Verhalten einklagen, dass Klienten und Klientinnen jammern: "Wie konnte er, sie, es so böse handeln?" Was fragwürdig geworden ist, ist die ethische Begründung des Verhaltens. Denn fragt der Sozialarbeiter weiter, stellt er fest, dass die meisten seiner Klienten, seiner Kollegen und vielleicht sogar auch er selbst nicht mehr daran glauben, dass Ethik in Religion mitbegründet ist, und er stellt weiter fest, dass die Idee des Naturrechts zu abstrakt ist, um die Alltagsmoral zu begründen, wenn sie denn erst einmal fragwürdig geworden ist. Andererseits wollen die meisten Menschen aber auch nicht, dass ein in Parlamenten konstruiertes Rechtssystem allzu sehr in ihr privates und persönliches Leben eingreift. Moderne Befreiungsbewegungen leiden heute an der Tatsache, dass sie keine Grundlagen finden können, auf denen sie eine neue Ethik gründen können. Ethische Imperative, die ein Sollen für alle Menschen vorschreiben, sind in einer Zeit der "Neuen Unübersichtlichkeit", von der Jürgen Habermas schon 1985 sprach, nicht mehr einzulösen.

Mein Lehrer Professor Dr. Dr. h.c. Louis Lowy aus Boston berichtete mir, dass er während seiner Sklavenzeit im Konzentrationslager Auschwitz beobachten konnte, wie die gläubigen Christen und die gläubigen Kommunisten damals eine zusätzliche Überlebensquelle besaßen, die den Agnostikern, wie er selbst einer war, fehlte. Sinngebung, moralische Begründung und zwar von außen, dem Menschen geoffenbart oder als wissenschaftlich z.B. mit einer Theorie von stabilen Naturgesetzen, dem Naturrecht oder einer Geschichtsphilosophie erwiesen, gaben offensichtlich Halt und Hoffnung, Sie stärkten den Überlebenswillen. Wer aber, wie der Agnostiker, "weiß, dass wir nichts wissen können" (wie Goethe Faust sagen lässt), war arm dran.

Nach all diesen Vorbemerkungen komme ich zum Hauptteil meiner Ausführungen. Als ich mich auf diesen Beitrag vorbereitete, merkte ich, dass ich mir ein unmögliches, im Sinne von nicht-mögliches Thema gewählt hatte. Ich stieß nämlich bei Heinz von Foerster auf den sechsten Satz des tractatus logico-philosophicus, (zu deutsch Logisch-philosophische Abhandlung), den Ludwig Wittgenstein bereits 1918 geschrieben hatte und dem ich zum ersten Male während meines Studiums begegnet war. Damals hatte mich dieser Satz sehr bewegt, denn er war brauchbar für mein damaliges Leben. Später war er mir entfallen.

Wittgenstein kommt auf die Werte zu sprechen und sagt: "Es ist klar, dass sich die Ethik nicht aussprechen lässt" (6.421). Eigentlich könnte ich hier meinen Beitrag beenden, und ich könnte es tun mit einem anderen Wittgenstein-Zitat, dem letzten Satz des gleichen Tractatus: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen" (7).

Sie sehen, ich habe mich in ein Dilemma gebracht. Einerseits finde ich den Wittgenstein-Satz über die Ethik einleuchtend, und er hat sich in meinem Leben als brauchbar bewährt. Andererseits habe ich mich herausfordern lassen, zu Ihnen über Ethik zu sprechen, die Ethik also "auszusprechen". Ich befinde mich in einer typisch paradoxen Situation: Spreche ich über Ethik, so tue ich nach Wittgenstein, dessen Aussage ich teile, etwas ganz Unmögliches. Schweige ich von jetzt an, so verhalte ich mich Ihnen gegenüber total unmöglich. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mitten in dieses Paradox hineinzuspringen und zu versuchen, zu Ihnen über Ethik zu sprechen, ohne die Ethik auszusprechen. Gleichsam wie ein Schüler im Zen, der auf die Frage nach der Buddhaschaft vom selbstgewählten Meister als Koam bekommt: "Sprich das Unaussprechliche aus!"

Also los, kauen wir das Koam!

Schauen wir uns zunächst einmal den Kontext an, in den hinein Wittgenstein den Satz stellt. Da finden wir: "Der erste Gedanke bei der Aufstellung eines ethischen Gesetzes von der Form "du sollst ..." ist: Und was dann, wenn ich es nicht tue?" (6.422). Nun, ich bin überzeugt davon, dass nicht jedem dieser von Ludwig Wittgenstein postulierte Gedanke einfällt. Heinz von Foerster, der wie sein Nennonkel Ludwig Wittgenstein aus Wien stammt, meint, dass dieser Gedanke mit Wittgensteins kulturellem Hintergrund zusammenhängen könnte (1993 b, 68).

Fahren wir mit Wittgenstein fort: "Es ist aber klar, dass Ethik nichts mit Strafe und Lohn im gewöhnlichen Sinne zu tun hat ...Es muss zwar eine Art von ethischem Lohn und ethischer Strafe geben, aber diese müssen in der Handlung selbst liegen" (6.422).

Mit diesem Satz und vor allem mit den Worten Wittgensteins "in der Handlung selbst" bin ich an einer Stelle angekommen, die es mir vielleicht möglich macht, über Ethik nachzudenken und die Produkte meines Nachdenkens auszusprechen und dabei gleichzeitig an dem Wittgensteinschen Satz festzuhalten: "Es ist klar, dass sich die Ethik nicht aussprechen lässt".

Bei der Gelegenheit kann ich dann in meinem Beitrag noch etwas nachliefern zur Kybernetik zweiter Ordnung, über den Beobachter von Beobachtern, dem wir eben schon kurz begegnet sind. Denn meiner Meinung nach hilft mir die Kybernetik zweiter Ordnung, das Problem zu managen, in das ich Sie und mich soeben gebracht habe, denn sie bietet ganz unerwartet neue Lösungen des ethischen Problems an.

Nach Gregory Bateson ist Kybernetik "... ein Zweig der Mathematik, der sich mit den Problemen der Kontrolle, der Rekursivität und der Information beschäftigt" (zitiert von von Foerster 1993 b: 62). Das meisterwähnte Beispiel ist die Zentralheizung mit ihrem selbststeuernden Regelsystem. Das wichtigste Kennzeichen der Kybernetik ist die Zirkularität.

Für Sozialarbeiter war dies nichts Neues, da sie seit altersher in sozialen Interdependenzen dachten, die sich bereits in frühen Schaubildern zu Kreisen formten. (Es wäre interessant, daraufhin die Klassiker der Sozialarbeit, z.B. Jane Addams, Alice Salomon, Bertha Reynolds, Felix Biesteck, Louis Lowy, Jim Garland, Alex Gitterman wieder einmal zu lesen). Für die Wissenschaft bedeutete die Kybernetik eine echte Revolution. Das kybernetische Denken verstößt nämlich eindeutig gegen die "grundsätzlichen Prinzipien des wissenschaftlichen Diskurses..., der die Trennung von Beobachter und Beobachtetem gebietet. Das ist das Prinzip der Objektivität: Die Eigenschaften des Beobachters dürfen nicht in die Beschreibung des Beobachteten eingehen..." (von Foerster 1993 b: 64). Objektive Beschreibung tut so, als gebe es den Beobachter gar nicht, der beobachtet. Wenn ich den Beobachter aber beobachte, und wenn ich mich als Beobachter beobachte, wie ich scheinbar außer mir Liegendes beobachte, dann ist der Beobachter Teil der Beobachtung selbst, dann bin ich als Beobachter immer auch das Beobachtete. Diesen merkwürdigen, aber meiner Meinung nach bei jeder sich noch so "objektiv" gebenden wissenschaftlichen Erforschung sich vollziehenden Vorgang nennt man Kybernetik der Kybernetik, oder Kybernetik zweiter Ordnung. "Wenn die Eigenschaften des Beobachters, nämlich die Eigenschaften des Beobachtens und Beschreibens, ausgeschlossen werden, bleibt nichts mehr übrig, weder die Beobachtung noch die Beschreibung" (von Foerster 1993 b: 64).

Ich verstehe, dass die Wissenschaft an diesem Prinzip, den Beobachter mit seinen Eigenschaften auszuschließen, festhalten will, da sie Angst hat vor Paradoxien, z. B. solchen Paradoxien, in die wir uns eben verfangen haben. Und hier sind wir nun wieder unversehens in das Land der Moral gekommen. Aus Angst vor der Selbstreferenz, aus Angst davor, dass der Beobachter sich selbst in die Beobachtung mit einschließt, dass er zur Implikation der Forschung wird, aus Angst über sich selbst sprechen zu müssen, wurde dieses Paradox für die Wissenschaft verboten. Spätestens seit der Beschäftigung mit der Kybernetik wissen wir, dass alle unsere wissenschaftlichen Theorien auf einem Glaubenssatz beruhen und nur möglich sind, weil ein Engel mit dem Flammenschwert die Paradoxien fernhält, die durch zirkuläres, selbstreferenzielles Denken auftreten.

Wissenschaftliche Theorien erheben für gewöhnlich den Anspruch auf Wahrheit. Sie arbeiten nach der aristotelischen Logik mit den Unterscheidungen "wahr/unwahr" und "richtig/falsch". Mit den Paradoxien werden sie nicht fertig. "Alle Kreter sind Lügner", vom Kreter Epimedes gesagt, ist ein Problem, das mit der aristotelischen Logik nicht zu lösen ist. Im Mittelalter erzählte man den Anfängern in der Philosophie folgende kleine Geschichte, in der Epimedes nun in der Verkleidung eines Barbiers auftrat: Ein Barbier kann allen Bewohnern in seinem Dorf den Bart scheren, die sich den Bart nicht selber scheren können. Was aber tut der Barbier mit sich selbst. Will er sich selbst rasieren, so kann er sich nicht den Bart scheren. Denn schlägt er sich auf die Seite der Aussage, die sagt, dass er nur denen den Bart scheren kann, die sich nicht selbst rasieren können, so kann er sich nicht rasieren, obwohl er andererseits sich den Bart doch scheren kann, da er ein Barbier ist.

Die abendländische Wissenschaft ist tatsächlich mit den Paradoxien logisch nicht fertig geworden. Und was tut man, wenn man irgendeiner Sache oder einem Menschen logisch nicht beikommen kann? Man versucht sie oder ihn lächerlich zu machen oder spricht ein Verbot aus. Und beides ist geschehen. Das ganze Mittelalter hindurch hat man sich über den lügenden Kreter und den ständig wachsenden Bart des Barbiers lustig gemacht. Oder man hat ein Verbot ausgesprochen, so wie in manchen Gegenden Europas das Jonglieren aus religiös-moralischen Gründen verboten war, weil es als ein paradoxes Geschäft angesehen wurde und damit gegen die Gesetze Gottes und der Natur verstieß. Als Vater der Paradoxie galt der Teufel, der als gefallener Engel ein Widerspruch in sich selbst darstellte, was dann Goethe den Mephisto auf Fausts Frage hin, wer er denn sei, antworten lässt: "Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft."

Das moderne wissenschaftliche Verdikt über die Paradoxien auszusprechen, blieb Bertrand Russell und Alfred North Whitehead in den Principia Mathematica vorbehalten, und damit rettete sich in der Neuzeit Wissenschaft endgültig auf den scheinbar sicheren Boden der Moral. Getreu dem Motto von Christian Morgenstern, der sein Gedicht "Die unmögliche Tatsache" enden lässt mit der logischen Schlussfolgerung von Palmström: "Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf."[1]

Seit Russels und Whitheads Werk ist es für jeden redlichen Logiker offensichtlich, und Kurt Gödel hat es 1931 bereits für dieses Ehrfurcht einflößende logische Gebäude der Principia Mathematica nachgewiesen, dass strenge Wissenschaft und Dogmatik mehr miteinander verbindet, als gemeinhin angenommen wird, und dass sie in ihrer Wurzel identisch sind. Vielleicht besteht der Unterschied zwischen den Gottgläubigen und Wissenschaftsgläubigen, die beide beanspruchen, wahre Aussagen zu machen, ja nur darin, dass die religiösen Menschen wissen, dass sie glauben, während die Wissenschaftler glauben, dass sie wissen.

Zurück zu unseren Fragen nach dem Nichtaussprechen der Ethik. Ich nähere mich dem Problem mit einem Theorem, das Heinz von Foerster 1989 so formuliert: "Wir können nur jene Fragen entscheiden, die prinzipiell unentscheidbar sind" (von Foerster, 1993 a: 351). Nun, alle Fragen, die wir grundsätzlich entscheiden können, sind bereits entschieden. Dass zwei und zwei vier ist, ist bereits entschieden, dass es jetzt 16 Uhr so und so viel ist, ist bereits entschieden. Dass ich an meinem Schreibtisch vor meinem Computer sitze, ist bereits entschieden, dass Sie das Buch in Händen halten, ist bereits entscheiden, denn Sie halten es in Ihren Händen.

Wie aber etwa das Universum entstanden ist, ist grundsätzlich unentscheidbar. Die einen meinen durch einen Urknall vor ca. 30 Millionen Jahren. Andere sagen durch einen einmaligen Schöpfungsakt. Die Eskimos, die Inkas, die Maoris haben wieder andere Ansichten von der Entstehung des Universums. "Wir unterliegen keinem Zwang, auch nicht dem der Logik, wenn wir über prinzipiell unentscheidbare Fragen Entscheidungen treffen. Wir sind darin zwar frei, müssen allerdings die Verantwortung für unsere Entscheidungen übernehmen" (von Foerster 1993 a.: 552).

Das ist eine ganz wichtige ethische Implikation: Wir sind frei, aber wir sind verantwortlich für unsere Entscheidungen.

Das gilt auch für unsere Entscheidung für oder gegen eine Theorie. Ich kann die Theorien danach einteilen, wie sie den Beobachter verstehen: einmal als einen, der von außen durch ein Guckloch in die Welt hineinschaut, ein objektiver Beobachter also; zum andern als einen, der Teil der Welt ist (vgl. von Foerster/Bröcker 2002). Wenn ich etwas tue, z. B. Beobachten, verändere ich mich und die Welt. Oder ich kann Theorien danach einteilen, wie sie die Ursachen sehen. Die erste Art von Theorien: Die Welt ist die primäre Ursache, d. h. was ich erfahre, wird durch die Welt bewirkt. Die zweite Art von Theorien: Meine Erfahrung ist die primäre Ursache, d. h. die Welt ist das Produkt meiner Erfahrung. Die Welt ist meine Konstruktion, warum manche Leute, die so denken, sich Konstruktivisten nennen. Beide Stränge von Theorien kann ich zu Fragen kondensieren:

Diese Fragen gehören zu den Fragen, die prinzipiell unentscheidbar sind. Ich kann mich also entscheiden. Ich habe die jeweils zweite Position gewählt. Andere mögen anders entscheiden. Ich entschied mich so, weil diese Position meine Handlungen unwiderruflich meiner Verantwortung unterwirft (vgl. von Foerster 1993 a: 352ff.). An dieser Stelle sehen Sie, dass die erkenntnistheoretischen Problem der Kybernetik, der Paradoxien, mit denen der Ethik in weiten Bereichen zusammenfallen, und damit fällt den Menschen, die die Welt mit kybernetischen Augen betrachten, die Verantwortung zu, sich an der Lösung der ethischen Probleme dieser Welt zu beteiligen.

Fangen wir damit an! Darum zunächst einmal zurück zu Wittgenstein. Wenn ich versuche, Ethik auszusprechen, dann formuliert sie sich in einen "Du sollst!". Oder mit den Worten Heinz von Foersters in einem Gespräch am Ende des Jahres 1993 mit Theo Bardmann: "Sobald wir über Ethik reden, rutschen wir ab in die Position des Moralisateurs... Aus Ethik wird dann Moral" (vgl. Bardmann 1997).

Ich mache aus der impliziten Ethik, die die eigene Verantwortlichkeit meint, eine explizite Ethik. Ich fange an, statt mich jeweils selbst zu meinen, andere zu meinen, "ihnen Vorschriften zu machen, sie mit präskriptiven, prospektiven oder deskriptiven Ratschlägen (und auch das sind Schläge!) einzudecken. Aus der ethischen Form des "Ich soll" wird die moralische Form des "Du sollst" (Bardmann 1994). Ich verlasse, indem ich "Du sollst!" sage, die selbstreferenzielle Struktur meiner Theorie, die mich immer schon mit einschließt als Teil des Universums.

Es ist jetzt an der Zeit, über den Titel, den ich meinem Beitrag gegeben habe, zu sprechen. Als Konsequenz aus der Arbeit an diesem Thema muss ich ihn nun korrigieren. Einem Vertreter einer impliziten Ethik, einer Ethik, die nur für sich Vorschriften aufstellen kann, ist es nicht möglich, von der Verantwortung der Sozialarbeit zu sprechen. Der Titel suggeriert eine explizite Ethik. So als wäre ich in der Lage, Imperative für meine Kollegen in der Sozialarbeit aufzustellen. Etwa in der Art, wie der Finger Gottes die Gesetzestafeln des Moses auf dem Berg Sinai beschrieben hat. Zu meiner Entschuldigung möchte ich anbringen, dass ich ursprünglich meine Ausführungen beginnen wollte mit dem ethischen Imperativ des Heinz von Foerster: "Handle stets so, dass die Anzahl der Möglichkeiten wächst" (1993a: 49). Während des oben erwähnten Gespräches sagte Heinz von Foerster, dass er in dem vor mehr als zwanzig Jahren aufgestellten ethischen Imperativ selbst in die Rolle des Moralisateurs abgerutscht sei. Jede Ethik, die anderen Moralvorschriften macht, ist fremdreferenziell und bezieht den Vorschreiber der Vorschriften nicht mit ein.

Der Titel zu meinem Beitrag müsste jetzt lauten: "Meine Verantwortung als Sozialarbeiter". Den ethischen Imperativ des Heinz von Foerster will ich heute für mich so umformulieren: "In all meinem sozialarbeiterischen Handeln, in all meinem wissenschaftlichen Arbeiten und Reden will ich Verantwortung dafür tragen, dass ich stets die Anzahl der Möglichkeiten für mich und andere vermehre." Ein solcher Imperativ, mir selbst ins Stammbuch geschrieben, bedeutet, neben der Verantwortung für mich und die Welt, Arbeit an meiner Freiheit und an der Freiheit der anderen. Nicht Unterdrückung, sondern Befreiung, nicht Einschränkung, sondern Entwicklung schreibe ich mir vor.

Darum möchte ich zum Schluss noch einige Anmerkungen zu meinem sozialarbeiterischen und wissenschaftlichen Programm machen:

Ich klopfe alle Theorien, die mir für die Sozialarbeit angeboten werden, darauf hin ab, wieweit sie mir Möglichkeiten für Freiräume geben. Eine Wissenschaft, die für sich den Anspruch auf Wahrheit erhebt, wird für mich immer unbrauchbarer. Sie ist zu starr, zu unflexibel. Mich interessieren nur noch solche Wissenschaften für meine Soziale Arbeit, die ihre eigene Reversibilität mitthematisieren. Denn ich brauche als Sozialarbeiter flexible, reversible Entscheidungsmöglichkeiten. Menschen, die ihre Flexibilität verloren haben, werden häufig zu Moralisten. Moral ist in ihren Händen nicht selten der Schwunghammer, der immer wieder dasselbe schmiedet.

Es gibt Theorien, deren Ansprüche mir als zu hoch gegriffen erscheinen, sie betrachten die gegenwärtige Welt kritisch, aber kritisch bedeutet dann häufig negativ. Sie messen meine Gegenwart, auch wenn ich keine andere habe als diese meine Gegenwart, all zu oft am Idealbild einer zukünftigen Welt, die dann endlich ganz befreit, emanzipiert oder gar klassenlos ist, einer Welt, in der ein vollendeter rationaler Diskurs abläuft, wo alles heil und gut ist. Solche Theorien sind für mich unbrauchbar. Sie idealisieren das Abwesende und werten häufig die Möglichkeiten meiner gegenwärtigen Welt ab. Solche Theorien konstruieren mit Hilfe dieser Ideale häufig furchtbare Welten. Und wo die überzogenen Ansprüche im Ablauf der Geschichte bisher immer landeten, hat Europa in den Jahrhunderten seit Beginn der so genannten Neuzeit traurig erfahren und oft genug erleiden müssen: in der Unmenschlichkeit. Die Unmenschlichkeit des christlichen Fundamentalismus fand ihren Höhepunkt in den Hexen- und Ketzerverbrennungen durch die katholischen und protestantischen Inquisitoren. Die Unmenschlichkeit des Rationalismus erfüllte sich in Joseph Stalin, die Unmenschlichkeit des Irrationalismus und Rassismus in Adolf Hitler.

Die von mir gewählte Theorie mit ihrer impliziten Ethik fordert kein Bekenntnis zu irgendeiner Wahrheit und verlangt keine Gefolgschaftstreue zu irgendeinem Meister, Guru, Generalsekretär oder Heilsbringer. Auch was so bedeutende konstruktivistische Lehrmeister wie Heinz von Foerster, Humberto R. Maturana, Ernst von Glasersfeld, Paul Watzlawick und Niklas Luhmann sagen oder gesagt haben, interessiert mich nur in soweit, wie es brauchbar ist für die Flexibilisierung festgezurrter Bestände. Und weiter nicht!

Meine Verantwortung als Sozialarbeiter bedeutet für mich gerade erhöhte Aufmerksamkeit und eben diese intelligente Flexibilität. Verantwortung heißt für mich Wach-sein, heißt Gegenwärtig-sein, bei mir und den Klienten, heißt das Beständige auflösen in der Lauge vermehrter Möglichkeiten, heißt Von-Gewißheit-Erlösen, um damit und nur damit Lösungen anzubieten, als Angebot und nicht als Gebot.

Als weitere Form des ethischen Imperativs kann ich mir sagen:

"Heinz (Kersting), sorge dafür, dass ein Ereignis ein Ereignis bleibt und nicht zum end-gültigen Bestand wird. Oder paradoxer ausgedrückt: Heinz, sorge dafür, dass ein Ereignis zum beständigen Ereignis wird!"

In diesem Sinne gehört es zu meiner Ansicht von Sozialarbeit, dass sie einschränkende "Weltbilder", die unbrauchbar geworden sind, nach Strich und Faden irritiert, oder methodischer, vornehmer ausgedrückt, dass sie planvoll irritiert (vgl. Bardmann u.a. 1991; Kersting 1992). "Einstürzende Neubauten" und "Erste allgemeine Verunsicherung" heißen zwei Musikgruppen in Deutschland, deren Namen zu dieser Tätigkeit passen.

In meinem Verständnis hat Sozialarbeit jedoch nicht nur die Aufgabe zu irritieren, sondern auch anzuregen und zu entwickeln. Aber Vorsicht bei diesem Begriff "entwickeln". Er ist uns aus der Pädagogik her verdächtig. Entwickeln ist hier nicht als Fortschritt zu denken. Entwicklung ist nicht linear gedacht, sondern zirkulär. Ich will hier Ent-wickeln in der ältesten Form seiner Wortbedeutung verstehen, dann konnotiert das Wort: die Wickel, das Wickeln, Ein-wickeln, Ver-wickeln, die Wickelkinder. So verstanden gehört das Wort Ent-wickeln ins Befreiungsvokabular. Entwickeln befreit vom Fortschrittsdenken.

Pädagogik hat sich in der Geschichte leider oft als die Produktion von Wickelkindern verstanden.

Meine neue Ver-antwortung lautet, meine neue Antwort ist: Ich will Wickelkinder ent-wickeln, aus ihren Wickeln aus-wickeln, sie von ihren Windeln befreien. Ich möchte gleichsam die wundgescheuerten Ärsche offen legen und die Scheiße ans Tageslicht bringen. Sicher, das stinkt einen Augenblick lang, aber das Waschen hat eine kathartische Funktion. Vielleicht kann der dann Ent-wickelte seine Scheiße auch noch zu anderem Zweck gebrauchen, als sie vor sich selbst und anderen zu verstecken. Wir wissen ja, dass in manchen Kulturen Scheiße als Brennmaterial oder Dünger verwendet wird. Umgedeutet wird Scheiße oft nützlich.

Zu dieser sozialarbeiterischen Tätigkeit passen dann die Namen anderer Musikbands recht gut: "The Cure", "The sisters of mercy" oder "The mamas & the papas", womit sich der Kreis zum Ausgangspunkt meiner Ausführungen schließt, wo ich von der möglicherweise längst implizit praktizierten Ethik der Sozialarbeiter als "mütterliche Menschen" sprach. Wichtig ist, dass ich als Sozialarbeiter dem Ent-wickelten nicht neue Windeln anlege. Auch hierzu fallen mir Sätze aus der Zeit ein, als die Sozialarbeit noch ganz jung war. Sprachen damals doch die Kolleginnen und Kollegen vom "Selbstbestimmungsrecht des Klienten" und von der "Hilfe zur Selbsthilfe". Vielleicht sucht ja der Ent-wickelte in seinem Schrank nach anderen Kleidern, oder er geht eine zeitlang "in des Kaisers neuen Kleidern" nackt wie der heilige Franz von Assisi, der seinem Vater die Kleider seiner Kindheit vor die Füße legte, als dieser ihn vor dem Tribunal des Bischofs wegen Ungehorsam anklagte.


Literatur

Bardmann, Th. M., Kersting, H. J., Vogel, H.-Chr., Woltmann, B. (1991): Irritation als Plan. Konstruktivistische Einredungen. Aachen: Wissenschaftlicher Verlag des Instituts für Beratung und Supervision.

Bardmann, Th. M. (1994): Zirkularität als Standpunkt. Ein Essay zu Heinz von Foerster: Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke. In: Soziologische Revue Heft 1: 298-306.

Bardmann, Th. M. (1997): "Wir sind verdammt frei zu sein!" - Ein Gespräch mit Heinz von Foerster. In: Ders. (Hg.): Zirkuläre Positionen. Konstruktivismus als praktische Theorie. Opladen: Westdeutscher Verlag: 49-56.

von Foerster, H. (1993 a): Wissen und Gewissen. Versuch einer Brücke. Frankfurt/Main: Suhrkamp.

von Foerster, H. (1993 b): KybernEthik. Berlin: Merve.

von Foerster, H., Bröcker, M. (2002): Teil der Welt. Fraktale einer Ethik - Ein Drama in drei Akten. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme.

Gödel, K . (1931): Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter Systeme. In: Monatshefte für mathematische Physik 38: 172-198.

Kersting, H. J. (1992): Supervision als Irritation. Oder: Supervisoren stören ein Arbeitssystem. In: Ders.: Kommunikationssystem Supervision. Unterwegs zu einer konstruktivistischen Beratung. Aachen: Wissenschaftlicher Verlag des Instituts für Bratung und Supervision: 73-98.

Kersting, H. J. (1997): Heinz von Foerster - Der ent-fachte Beobachter. In: Zirkuläre Positionen. Konstruktivismus als praktische Theorie. Bardmann, Th. M. (Hg.): Opladen: Westdeutscher Verlag: 57-65.

Kersting, H. J. (2002): Die Kybernetik der Supervision. Oder warum der Schäl gerne vier Vögel wäre. Aachen: Wissenschaftlicher Verlag des Instituts für Bratung und Supervision: 17-48.

Morgenstern, Chr. (1998): Gedichte - Verse - Sprüche. Limasol: Lechner Publishing Ltd.

Wittgenstein, L (1971): Tractatus logico-philosophicus. Logisch-philosophische Abhandlung. 8. Auflage. Frankfurt: Suhrkamp.


Fußnoten

[1] Das vollständige Gedicht "Die unmögliche Tatsache" von Christian Morgenstern (1998: 105):

Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

"Wie war" (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
"möglich, wie dies Unglück, ja -:
dass es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, - kurz und schlicht:
Durfte hier der Fahrer nicht - ?"

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:<
Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil, so schließt er messerscharf,
"nicht sein kann, was nicht sein darf."


Autor

Dr. päd. Heinz J. Kersting

  • geb. 1937,

  • Studiengangsleiter des Masterstudiengangs
    Supervision der Evangelischen Fachhochschule
    Freiburg am Institut für Beratung und
    Supervision Aachen,

  • Prof. Emeritus der Hochschule Niederrhein,

  • Bacc. theol.,

  • Dipl.-Supervisor (FH),

  • Supervisor (DGSv, SG),

  • Lehrender Supervisor SG,

  • Balintgruppenleiter,

  • Groupworker AASWG,

  • Wissenschaftlicher Direktor des Instituts
    für Beratung und Supervision und des Louis-Lowy-Instituts
    in Aachen,

  • Gründungsvorsitzender der DGSv,

  • Ehrenmitglied der Spanischen Gesellschaft für
    Supervision (ISPA) und der Deutschen Gesellschaft
    für Supervision (DGSv),

  • Träger des International Group Work Award 2003
    der Association for the Advancement of Social
    Work with Groups (AASWG),

  • Forschungs- und Publikationsschwerpunkte:
    Systemische Supervision und Organisationsberatung,
    internationale Sozialarbeit.


Veröffentlichungsdatum: Juni 2005


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