Britta Haye

Special (Januar 2002)


zum 60. Geburtstag


Editoral zum Geburtstags-Special:
Britta zum 60.

von Heiko Kleve

Es ist eine schöne akademische Tradition, dass runde Geburtstage von bedeutenden Professorinnen und Professoren als Anlass dienen, Festschriften zu produzieren. Daher haben auch wir, Heinz J. Kersting und ich, uns entschlossen, Prof. Britta Haye mit dieser Festschrift zu ihrem 60. Geburtstag am 5. Januar 2002 besonders zu ehren. Britta ist für uns eine bedeutende Professorin im Feld der Sozialen Arbeit, im Feld dieser noch relativ jungen, aber aufstrebenden Disziplin und Profession. Darüber hinaus freuen wir uns natürlich besonders, mit Britta auch ein Mitglied des wissenschaftlichen Beirats unseres Internet-Journals Das gepfefferte Ferkel zu ehren.

Brittas Engagement, auch an der Alice-Salomon-Fachhochschule die Soziale Arbeit als Disziplin, als Sozialarbeitswissenschaft zu stärken, möchten wir mit dieser Festschrift besonders hervorheben. Und da Sozialarbeitswissenschaft als eine transdisziplinäre Wissenschaft angesehen werden kann, sind auch viele Beiträge, die in dieser Festschrift vereinigt sind, keineswegs homogen, sondern kommen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, nämlich aus unterschiedlichen Bezugswissenschaften Sozialer Arbeit - aus der Jurisprudenz, der Kulturwissenschaft, der Psychologie/Psychotherapie, der Sozialmedizin und der Sozialphilosophie.

Aber nicht nur Wissenschaftliches, sondern auch Gemischtes, Hybrides, das zwischen sozialarbeiterischer Fachlichkeit und persönlicher Ehrung Brittas liegt, finden die LeserInnen vor. Vor allem aber sind eine Reihe von AutorInnen versammelt, die Britta mit rein persönlichen Texten ehren, ihr für die gemeinsame Arbeit, für bereichernde, konstruktive und produktive Erfahrungen, die sie mit ihr machen durften, danken möchten.

Dementsprechend sind die Texte in drei Kategorien geordnet - in Persönliches, Gemischtes und Fachliches.

Ein Text von Andreas Hampe-Grosser, in dem eine beeindruckende Chronologie von Erlebnissen mit der Jubilarin erzählt wird, bildet den Auftakt jener Beiträge, welche persönliche Erfahrungen mit Britta thematisieren. Heike Kámel wünscht Britta, dass sie so bleiben möchte, wie sie ist: "klar wie die Quelle". Jürgen Linke beschreibt Brittas Engagement in der Supervisions-Ausbildung beim Berliner Institut für Familientherapie e.V. (BIF) und stellt dabei beispielhaft die ihn besonders beeindruckende Kreativität Brittas heraus. Ja, Britta hat ein Leben vor ihrer Dozenten- und wissenschaftlichen Tätigkeit an der Hochschule. Dieses Leben als engagierte Sozialarbeiterin wird von Monika Müller wieder ins Gedächtnis gerufen. Georg Nebel und Heinz J. Kersting widmen der Meisterin einen Strauß taoistischer Weisheiten. Stellvertretend für viele ehemalige StudentInnen Brittas, die sie zugleich mit empathischer Sensibilität einer Sozialarbeiterin und fachlicher Distanz einer Hochschullehrerin förderte, dankt Uta M. Walter dem Geburtstagskind. Wolfgang Wendlandt dichtet - stellvertretend für viele HochschullehrerInnen der Fachhochschule, die Britta als Kollegin schätzen - eine Hymne auf die "Lehrende mit Herzblut".

Unter Gemischtes finden sich drei Beiträge: Ein Interview, das Heike Hercher und Heinz J. Kersting mit Britta und Jürgen Linke durchführten. Brigitte Geißler-Piltz lädt Britta ein, am Aufbau der "Klinischen Sozialarbeit" mit zu wirken, deren Notwendigkeit sie ableitet aus einer von ihr durchgeführten empirischen Studie über den Praxisalltag und die fachlichen Anforderungen im Bereich der Sozialpsychiatrie. Heiko Kleve präsentiert einen Beitrag, in dem besonders das theoretisch heraus gearbeitet wird, was er von Britta lernt(e): "Kontextuelle Sensibilität".

Den fachlichen Teil eröffnet ein Text von Heinz Cornel, in dem die professionelle Zusammenarbeit zwischen dem Recht und der Sozialarbeit bei der "Abwendung der Vollstreckung" heraus gestellt wird. Heinz J. Kersting schlägt ein neues Forschungsprogramm in der Supervision vor, und zwar die eher ausgeblendete Seite der Beziehung und Begegnung stärker zu fokussieren. Heiko Kleve berichtet von seinen Erfahrungen und Ergebnissen bei der Lektüre von Peter Sloterdijk und stellt diese in einen systemtheoretischen, einen sozialwissenschaftlichen Kontext. Wer Sloterdijk verstehen will, der muss mit Verfremdungen der Sprache leben, der findet das, was eigentlich selbstverständlich ist, in einem Kontext wieder, in dem genau dies zum Wunder wird. Gerd Koch zeigt in seinen Ausführungen, dass das Verfremden des Bekannten, um neue Erkenntnisse zu kreieren, eine Methode ist, die vor allem Bert Brecht anwendete. Helmut Möller steuert einen Beitrag bei, der sich mit einem Themenfeld auseinander setzt, das ihm besonders am Herzen liegt, der Gesundheit von Musikern. Musiker müssen üben, müssen ihre Hausaufgaben machen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Warum nicht auch die Klienten in Psychotherapie und Beratung? Dies fragt sich in seinem Text Wolfgang Wendlandt, in dem er die Idee vertritt, dass Hausaufgaben dazu dienen können, dass das, was in der Therapie und Beratung erfolgreich an produktiven Veränderungen eingeführt wurde, zu verfestigen und selbstverständlicher werden zu lassen.

Ich freue mich sehr, dir liebe Britta und allen LeserInnen, die zusammen gestellten Beiträge zu präsentieren und wünsche viel Spaß beim Lesen.

Berlin, am 5. Januar 2002

Heiko Kleve


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