Paradigmenwechsel und 'ganzheitliches' Denken

Kurzer Abriß über den Wandel von 'reduktionistischen' zu 'ganzheitlichen' Weltbildern in Physik, Wissenschaftstheorie, Psychotherapie und Sozialer Arbeit

von Heiko Kleve (April 2003)


Inhaltsverzeichnis

  1. Einleitung

  2. Das kartesianisch-newtonsche Paradigma

  3. Ein neues Paradigma: Die ganzheitliche Sicht der Realität
    3.1  Die moderne Physik
    3.2  Kybernetik und Systemtheorie
    3.3  Ganzheitliches Denken in Psychologie und Psychotherapie
    3.4  Paradigmawechsel in der Sozialen Arbeit

  4. Epilog - oder: Pluralismus als 'postmoderne' Metaperspektive

  5. Literatur


Der ganzen modernen Weltanschauung liegt die
Täuschung zugrunde, daß die sogenannten Naturgesetze
die Erklärungen der Naturerscheinungen seien.

Ludwig Wittgenstein
(orign. 1921; 1963, S. 110)

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1. Einleitung

Die Begriffe 'Paradigma' und 'Ganzheitlichkeit' sind in Mode gekommen. Angefangen von der 'New-Age'-Welle bis hin zum etablierten Universitätsbetrieb der Erkenntnis- und Wissen-schaftstheorie, Psychologie, Soziologie oder (Sozial-)Pädagogik, überall ist von neuen 'Paradigmen' oder 'ganzheitlichen' Methoden die Rede. Dabei berufen sich sowohl die VertreterInnen des von der Esoterik angehauchten 'New-Age' als auch psychosoziale TheoretikerInnen und PraktikerInnen insbesondere auf fundamentale Konzeptions-veränderungen in der theoretischen Physik. Auf die Umbrüche, welche die Quantenphysik im Verständnis nicht nur physisch-materieller, sondern auch geistig-ideeler und sozialer Prozesse einleitete, bezieht sich beispielsweise nicht nur der systemtheoretische Soziologe Niklas Luhmann (z.B. 1990a, S. 505 f.), um seine Ausführungen zu untermauern. Auch der esoterische Psychologe Thorwald Dethlefsen (1979, S. 71) konstatiert einen durch die moderne Physik initiierten "Wendepunkt in der Wissenschaft", durch den er seine auf alte mythologische und mystische Weisheiten fußende Thesen bestätigt sieht.

Diesen wissenschaftlichen Wendepunkt, der Gegenstand der folgenden Ausführungen ist, möchte ich in Anlehnung an den Physiker und Philosophen Fritjof Capra (1991; 1992) als 'Paradigmenwechsel' bezeichnen.

Dabei wird mit dem Begriff 'Paradigma', den der Wissenschaftstheoretiker Thomas Kuhn (1967) in dieser Form in die Wissenschaftsphilosophie einführte, ein Grunddenkmodell bezeichnet, welches einen allgemeinen Rahmen, ein Weltbild bzw. eine Axiomatik für die Forschung liefert. Hiernach wird ein Paradigma als Konstellation von Überzeugungen, Wertvorstellungen und Techniken definiert, welche alle Mitglieder eines bestimmten Wissenschaftsgebietes akzeptieren müssen, damit ihre Forschungen und Modelle vom wissenschaftlichen 'Establishment' akzeptiert werden. Überdies ermöglicht ein Paradigma den wissenschaftlich Handelnden grundsätzliche und allgemein anerkannte Vorannahmen, um eine notwendige Reduktion der handlungs- und forschungsrelevanten Realitätskomplexität vollziehen zu können. Es ist unmöglich, Wissenschaft zu betreiben, ohne bestimmte und grundsätzliche Überzeugungen über ein zu erforschendes Phänomen schon zu besitzen. Diese grundsätzlichen Annahmen gibt das anerkannte Paradigma vor.

Das in den letzten drei Jahrhunderten vorherrschende Paradigma hat sich mit den naturwissenschaftlichen sowie philosophischen Anschauungen und Forschungen von René Descartes (1596-1650) und Isaak Newton (1643-1727) manifestiert (vgl. Capra 1991). Erst in den letzten einhundert Jahren erwies sich das kartesianisch-newtonsche Weltbild zunehmend als 'theoretische Zwangsjacke' (Grof).

Besonders mit der Entwicklung der Atomphysik in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts wurde augenscheinlich, daß die Erkenntnisse über subatomare Prozesse nicht mit dem von Newton und Descartes begründeten Denken in Einklang zu bringen sind. Um die Phänomene der modernen Physik adäquat zu verstehen, wurde ein 'neues Denken' (vgl. Capra 1992) erforderlich, das nicht nur Innovationen in der theoretischen Physik auslöste, sondern gleichzeitig Entwicklungen in der allgemeinen Wissenschafts- und Erkenntnistheorie anregte und damit als 'wissenschaftliche Revolution' (vgl. Kuhn 1967, S. 104 ff.) ebenfalls die Konzeptionen der Human- und Sozialwissenschaften tangierte.

So werde ich in den folgenden Abschnitten versuchen, diesen von Capra (1991, S. IX) konstatierten "tiefgreifende[n] Wandel unserer Weltbilder und Wertvorstellungen" an unterschiedlichen Modellen und Konzeptionen der Physik, der Wissenschaftstheorie, der Psychotherapie und der Sozialen Arbeit zu veranschaulichen. Dabei bezeichne ich das sich im Gegensatz zum kartesianisch-newtonschen Paradigma herausbildende neue Weltbild in Anlehnung an Capras Arbeiten (1991; 1992) als 'ganzheitliches' Paradigma.

Unter 'ganzheitlich' soll hier nicht viel mehr als ein Oberbegriff verstanden werden, der drei Entwicklungen beschreibt: Zum einen Veränderungen der erkenntnistheoretischen Voraussetzungen von Wissenschaft, die unser gesamtes abendländisches Weltbild von Grund auf in Frage stellen; zum anderen die Möglichkeit, neue Konzeptionen über physikalische, biologische, psychische und soziale Phänomene auf der Basis identischer Begrifflichkeiten zu beschreiben, nämlich mit Hilfe der allgemeinen Systemtheorie; und schließlich die Absage an ein Denken, das versucht, komplexe Prozesse ausschließlich durch eine vom prozessualen Gesamtkontext isolierte Betrachtung einzelner Prozeßbestandteile zu erklären.

Bevor ich verschiedenartige Modelle vorstelle, die einem ganzheitlichen Paradigma zugeordnet werden können, sollen zunächst einige wesentliche Grundaussagen des kartesianisch-newtonschen Pradigmas referiert werden.

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2. Das kartesianisch-newtonsche Weltbild

Charakteristisch für den kartesianisch-newtonschen Denkrahmen ist ein strikter Dualismus, der etwa Körper und Psyche, Geist und Materie (Natur) oder Individuum und Gesellschaft unvermittelt gegenüberstellt. Dieser Dualismus hat das abendländische Denken bis heute tief beeinflußt. Er hat beispielsweise ÄrztInnen davon abgehalten, die psychischen Dimensionen von körperlichen Krankheiten zu betrachten. PsychoanalytikerInnen kamen in der Regel nur selten auf die Idee, die körperliche Konstitution ihrer KlientInnen in Erwägung zu ziehen.

Des weiteren führte die Trennung von Geist und Materie zu der erkenntnistheoretischen Annahme, eine materielle Welt existiere unabhängig von einer geistigen Welt, während die erstere objektiv von der zweiten widergespiegelt wird. So gingen ForscherInnen generell davon aus, 'Dinge' beschreiben zu können wie sie 'an sich' sind, d.h. ohne daß der menschliche Erkenntnisvorgang Einfluß auf die Erscheinungsweise der zu erkennenden Prozesse habe. Aber spätestens seit 1781 hätten die WissenschaftlerInnen es besser wissen können.

Mit der Transzendentalphilosophie von Immanuel Kant (1724-1804), die in dem Werk 'Kritik der reinen Vernuft' (1781/87) ausgearbeitet ist, kann die Annahme der Erkennbarkeit der Welt wie sie 'an sich' - d.h. unabhängig von den BeobachterInnen - existiert, als Illusion gelten. Allerdings setzt sich diese Einsicht wohl erst in diesem Jahrhundert allmählich durch; zumal in den letzten Jahrzehnten die kantische Philosophie mit der modernen Physik oder der konstruktivistischen Systemtheorie starke Verbündete gefunden hat. So lehrt auch die Erkenntnistheorie des Konstruktivismus, daß wir nur Objekte wahrnehmen können, deren Erscheinung durch unsere biologischen, psychischen und sozialen Erkenntnisstrukturen bestimmt ist und für die es in einer objektiven 'Außenwelt' keine Äquivalente gibt (vgl. z.B. Watzlawick 1985; Maturana/Varela 1987; Schmidt 1987; 1992; Luhmann 1990a; 1990b). Gleichwohl scheint unser Alltagsverstand sich kaum einzugestehen, daß die Modelle über das Universum nichts weiter als Konstruktionen darstellen, um die nicht erfaßbare Komplexität der Natur in eine Stabilität und Sicherheit suggerierende Systematik hineinzupressen.

In diesem Sinne sind die Newtonsche Mechanik und die analytische Methode (Reduktion) von Descartes ebenfalls nichts weiter als Konstruktionen, um die Vielfalt der Erscheinungen fein säuberlich zu ordnen. Diese Ordnung hat allerdings nichts mit dem zu tun, wie die Welt 'wirklich' ist. Wie Paradigmenwechsel - etwa die Kopernikanische Wende vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild - zeigen, kann schon morgen nicht mehr wirklich sein, was heute noch als objektive Wahrheit gilt.

Zurück zu Newton und Descartes und ihren Nachfolgern, deren Denkstil auch als mechanistisches oder reduktionistisches Paradigma tituliert wird (vgl. Capra 1991; Grof 1991), weil die analytische Reduktion die immer weitere theoretische und praktische Zerlegung ganzheitlicher Zusammenhänge postuliert und die Funktionsweise des Universums als riesige Maschine erklärt. Dementsprechend gelte, daß der Mensch, die Gesellschaft oder die Natur dermaßen funktionieren, daß sie objektiv und gemäß der linearen Kausalität von Ursache und Wirkung beschrieben werden können. Daher hoffen die reduktionistisch orientierten ForscherInnen, eines Tages alle unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten, die dem Universum innewohnen, erkannt zu haben. Bei der Erforschung derartiger Gesetzmäßigkeiten von Natur und Gesellschaft, so glauben die AnhängerInnen der mechanistischen Wissenschaft, seien subjektive Werte oder normative Postulate unbedeutend (vgl. Capra 1991, S. 9).

Auch ein Hauptstrang der akademischen Sozialwissenschaften war gemäß dem kartesianisch-newtonschen Denken bestrebt, über Entwicklungen und Zustände der Gesellschaft oder des Individuums restlose Beweise zu erbringen und widerspruchsfreie Definitionen zu liefern - bei allseitigem Objektivitätsanspruch und Ausschaltung von Wertaussagen. Diese auch als Positivismus bezeichnete sozialwissenschaftliche Orientierung versuchte, die sozial- bzw. geisteswissenschaftlichen Forschungsmethoden, Analysen, Beweise etc. an die 'exakten' kartesianisch-newtonschen Naturwissenschaften anzugleichen.

Gleichfalls ist das psychoanalytische Modell von Sigmund Freud ein Beispiel für den Versuch, objektive Gesetzmäßigkeiten psychologischer und sozialer Phänomene analytisch mit Hilfe der linearen Kausalität abzuleiten (vgl. Guntern 1980, S. 8 ff.; Capra 1991, S. 191 ff.; Grof 1991, S. 137 ff.). So entsprechen Freuds Grundaxiome - das dynamische Prinzip, das ökonomische Prinzip und das genetische oder historische Prinzip - dem strikten Determinismus des linearen mechanistischen Denkens. Freuds selbst äußerte vor einer Gruppe von TherapeutInnen: "Analytiker [...] können ihre Herkunft aus der exakten Naturwissenschaft und ihre Gemeinschaft mit deren Repräsentanten nicht verleugnen [...] Analytiker sind im Grunde unbelehrbare Mechanisten und Materialisten" (zit. nach Capra 1991, S. 194).

Für reduktionistisches Denken im Bereich der Psychologie wäre weiterhin besonders der klassische Behaviorismus zu nennen, der alles menschliche Verhalten auf Reiz-Reaktions-Mechanismen reduziert. Hiernach werden selbst Menschen ausdrücklich als Maschinen modelliert, die linear auf Reize von außen reagieren. Damit wird die Illusion genährt, daß menschliches Verhalten steuerbar, vorhersehbar und kontrollierbar sei. Nach Capra (ebd., S. 190) ist der Behaviorismus "Newtonsche Psychologie par excellence, eine Psychologie ohne Bewußtsein, die alles Verhalten auf mechanistische Abläufe bedingter Reflexe reduziert und behauptet, das einzig wissenschaftliche Verständnis der menschlichen Natur sei das, das im Rahmen der klassischen Physik und Biologie bleibt."

Dennoch gab es im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften schon seit jeher nicht reduktionistisch arbeitende WissenschaftlerInnen, deren Modelle zwar ebenfalls auf der Sprache des kartesianisch-newtonschen Weltbildes basieren aber trotzdem dieses Denken methodisch sprengen. Beispielsweise nimmt die Dialektik, als eine wissenschaftliche Denkmethode, die vor allem auf den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 - 1831) zurückgeht und von Karl Marx (1818 - 1883) weiterentwickelt wurde, die Komplexität der Realität ernst. Im Gegensatz zum analytischen Reduktionismus ist dialektisches Denken ganzheitlich, weil es beobachtbare Widersprüche in der Natur oder der Gesellschaft aufnimmt und mittels einer Logik, die nicht dualistisch ist, vereint. In diesem Sinne sind es (dialektische) Widersprüche innerhalb komplexer ökologischer, sozialer oder individueller Prozesse, die zu ihrer dynamischen Bewegung und ständigen Veränderung führen. Auch schon der erste Dialektiker, der griechische Philosoph Heraklit (um 500 v.u.Z.); wußte es: "'pathei rhei' = alles ist in stetem Fluß" (zit. nach Müller/Halder 1958, S. 75).

Solange die NaturwissenschaftlerInnen in einem wenig komplexen, 'mittleren' Bereich der Realität forschen, der mit bloßen Augen noch erkennbar ist, war das dynamische Wechselspiel der Natur kaum relevant. Erst in tiefen Schichten subatomarer Prozesse wurde den PhysikerInnen offenbar, das die 'Gesetzte' der Newtonschen Mechanik nicht mehr adäquat sind.

Insbesondere in diesem Jahrhundert stieß das kartesianisch-newtonsche Paradigma nicht nur infolge der Erkenntnisse der Atomphysik an seine Grenzen. Wie wir in den folgenden Abschnitten sehen werden, offenbarte sich für viele WissenschaftlerInnen, was soziale PraktikerInnen eigentlich schon immer wußten: Je komplexer die zu untersuchenden Prozesse werden, desto weniger lassen sich diese durch eine einseitige reduktionistisch-analytische Untersuchung der einzelnen Prozeßelemente ohne Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen verstehen und erklären. Demgemäß soll deutlich werden, was der systemtheoretische Soziologe Helmut Willke (1993, S.) resümiert: "Gänzlich entgegen den Erwartungen positivistischer Soziologen und Erkenntnistheoretiker nähern sich also nicht die Sozialwissenschaften den Naturwissenschaften an, um ihre 'Wissenschaftlichkeit' zu beweisen; vielmehr geht eine sehr ermutigende Entwicklung dahin, die Wissenschaftlichkeit jeglicher Disziplin daran zu messen, inwieweit sie die Komplexität ihres jeweiligen Gegenstandsbereiches nicht künstlich - und allzu oft bis zur Trivialität ihrer Fragestellungen - reduziert, sondern diese Komplexität ernst nimmt" (Willke, H. 1993, S. 4).

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3. Ein neues Paradigma: Die ganzheitliche Sicht der Realität

Besonders die Erkenntnisse der modernen Physik haben zur Revidierung der Newtonschen Grundannahmen über die Materie, die Energie und des Objektivitätspostulats geführt, so daß ich zunächst die wesentlichen Punkte referiere, die gewissermaßen eine neue Physik konstituieren. Anschließend werde ich in das kybernetische und systemtheoretische Konzept einführen, um schließlich unterschiedliche Dimensionen des ganzheitlichen Denkens in der Psychologie und der Sozialen Arbeit zu beschreiben.

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3.1 Die moderne Physik

Albert Einstein warf mit seiner Speziellen Relativitätstheorie und mit den Grundlagen für die Quantentheorie der atomaren Prozesse die Grundelemente der Newtonschen Physik - die Existenz einer absoluten Zeit und eines absoluten Raumes, die materielle Beschaffenheit des Universums, die Definition physikalischer Kräfte, das streng deterministische Erklärungs-system und das Ideal einer objektiven Beobachtung von Phänomenen ohne Berücksichtigung der BeobachterInnen - über den Haufen.

Die Quantentheorie offenbarte, daß selbst die Elementarteilchen nicht fest sind. Die subatomaren Elemente zeigten bei Experimenten eine paradoxe Doppelnatur. Je nach Anordnung der experimentellen Situation erschienen sie manchmal als Teilchen und ein andermal als Wellen. Ähnliche Zweideutigkeiten zeigte die Erforschung des Lichts, das sich in einigen Experimenten als elektromagnetisches Feld, in anderen als Photonenansammlung darstellte. Der Physiker Niels Bohr bezeichnete dieses Phänomen als 'Komplementaritäts-prinzip'. Dieser Auffassung nach ist die Doppelnatur vom Licht und von den Elementar-teilchen eine Folge der unkontrollierbaren Wechselbeziehung zwischen Gegenstand der Betrachtung und der Betrachtungsmethode. Und deshalb ist "eine völlig übereinstimmende Formulierung der Gesetze (der Quantentheorie) ohne Bezugnahme auf das Bewußtsein [...] nicht möglich", so der Physiker Eugene Wigner (zit. nach Capra 1991, S. 187). Mit Einsteins Worten, daß es "vielmehr die Theorie [ist], die entscheidet, was man beobachten kann" (zit. nach Watzlawick 1985, S. 97), ist dieser Sachverhalt noch prägnanter beschrieben.

Wie im zweiten Abschnitt dieser Arbeit bereits angedeutet, wird die Anschauung, daß wir im Prinzip erkenntnismäßig vorwegnehmen müssen, was wir letztlich beobachten können, insbesondere von der konstruktivistischen Erkenntnistheorie aufgenommen und mit Hilfe der modernen Systemtheorie radikaler als je zuvor formuliert. In diesem Sinne veranschaulichen die Resultate der Quantenphysik, daß nicht eine von den wissenschaftlichen BeobachterInnen unabhängig existierende Materie spezifiziert, was erkannt werden kann. Vielmehr präsentiert sich die "Quantentheorie als Theorie des Beobachtens", wie Niklas Luhmann (1990a, S. 505 f.) formuliert. Daher sind ihre physikalischen Gesetze nichts anderes als Beschreibungen von BeobachterInnen: "Sie beschreiben den Beobachter als physikalisches Phänomen" (ebd., S. 506) und nicht eine objektiv existierende Materie, der bewußtseinsbehaftete BeobachterInnen gegenüberstehen. Eher können wir ganz im Sinne des Monismus die Unteilbarkeit unserer erkennbaren Welt annehmen - die notwendige Einheit von Geist und Natur (vgl. Bateson 1982).

Mit den Erkenntnissen aus der Atomphysik ist "nicht nur das klassische Ideal einer objektiven Beschreibung der Natur entwertet, sondern auch der Mythos einer wertfreien Wissenschaft in Frage gestellt" (Capra 1991, S. 91). Wir können also "niemals von der Natur sprechen, ohne gleichzeitig von uns zu sprechen" (ebd.). Alles was wir beobachten oder beschreiben bezieht sich zwangsläufig immer auch auf uns selbst; es ist selbstbezüglich - oder wie es systemtheoretisch heißt: selbstreferentiell. Vielleicht wäre daraus sogar die esoterische These von Dethlefsen (1979, S. 81) ableitbar, daß nämlich die "sogenannte Umwelt [...] in Wirklichkeit ein Spiegel ist [...], in dem jeder Mensch lediglich sich selbst erlebt".

Zumindest offenbart die Selbstbezüglichkeit der Wahrnehmung, warum Quanten-physikerInnen niemals voraussagen können, "wann und wie [sich] ein [...] Phänomen [...] ereignen wird" (Capra 1991, S. 89 f.). Weil die lineare Kausalität von Ursache und Wirkung keine objektive, der materiellen Wirklichkeit innewohnende Eigenschaft ist, sondern eine Beobachtungskategorie, die mit zunehmender Komplexität von Prozessen versagt, können PhysikerInnen, die die Quantenebene beobachten, analog zu psychosozialen PraktikerInnen, welche die Entwicklung ihrer KlientInnen verfolgen, bestenfalls "Wahrscheinlichkeit[en] voraussagen" (ebd., S. 90).

Moderne Theorien, die nach der 'wissenschaftlichen Revolution' (Kuhn) in der Physik ernst genommen werden wollen, können an den erkenntnistheoretischen Umwälzungen durch die Quantenphysik nicht vorbeigehen. Genau diesem Postulat entsprechen Kybernetik und Systemtheorie.

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3.2 Kybernetik und Systemtheorie

Ursprünglich wurde die Kybernetik konzipiert als Wissenschaft von der Übertragung und Steuerung von Informationen. Außerdem galt das kybernetische Interesse Rückkop-plungsvorgängen innerhalb komplexer Prozesse. Erst die Konstatierung, daß eine 'Wirkung' auf ihre eigene 'Ursache' zurückwirkt, konnte verständlich machen, wie technische und natürliche Selbstorganisationsprozesse, bei denen bestimmte Zustände konstant gehalten werden, operieren.

Das klassiche Beispiel aus der Technik für die Erklärung derartiger Prozesse ist der Thermostat. Sobald ein derartiger Heizkörper eingeschaltet wird, erwärmt er die Luft in dem Raum, in welchem er sich befindet. Wenn die zuvor am Thermostat eingestellte Soll-Temperatur mit der Ist-Temperatur des Raumes übereinstimmt, schaltet sich das Gerät aus. Die Temperaturerwärmung des Raumes als Wirkung der Heizkraft vom Thermostat wird zur Ursache für das sich Ausschalten des Gerätes. Solange die tatsächliche Temperatur des Raumes niedriger als die Soll-Temperatur ist, welche an dem Gerät spezifiziert wurde, erhält das Gerät negative Rückkopplungen und es bleibt in Betrieb. Hat sich die Raumtemperatur dem Sollwert angeglichen, so schließt sich eine positive Rückkopplungschliefe und das Gerät schaltet sich aus und bleibt außer Betrieb - solange die Raumtemperatur dem Sollzustand entpricht. Erst wenn der Raum sich wieder abgekühlt hat, schaltet sich das Gerät aufgrund einer positiven Rückkopplung wieder ein.

Wenn wir das Heizgerät betrachten, können wir sagen, negative Rückkopplungen bestätigen seinen gegenwärtigen Zustand (z.B. das Heizen), während positive Rückkopplungen zu Veränderungen seines Zustandes führen, d.h. zu Aus- oder Einschaltungen des Gerätes. Aber erst wenn es in der Umwelt des Thermostates, also im Raum zu (Temperatur-)Unterschieden kommt, d.h. wenn die Raumtemperatur sich dem Sollwert angeglichen hat, empfängt das Heizgerät einen Unterschied, aus dem es die Information selektiert sich auszuschalten.

Und genau dieser Prozeß kennzeichnet das Phänomen der Informationsbildung, bei dem "ein Unterschied, [...] einen Unterschied ausmacht", wie der Anthropologe, Philosoph und Sozialwissenschaftler Gregory Bateson (1981, S. 582) formuliert und damit das grundlegende Prinzip der kybernetischen Beschreibung informationserzeugender und -verarbeitender Systeme veranschaulicht. In einem strengen Sinne werden also keine Informationen über-tragen. Um bei dem technischen Beispiel zu bleiben: Der Thermostat erzeugt durch seine energetischen Transaktionen mit dem Raum, d.h. durch die postiven und negativen Rückkopplungen hinsichtlich der Raumtemperatur, selbst die benötigten Informationen, die das Ein- oder Ausschalten bewirken.

Im folgenden wollen wir eine solche Informationserzeugung, die auf eine Verarbeitung von energetischen, materiellen oder (bezüglich psychischer und sozialer Systeme) sinnhaft-bedeutungsgebenden Unterschieden in der Umwelt eines Systems angestoßen wird, in Anlehnung an Luhmann (1990a) mit 'Beobachten' definieren. Mit unterscheidungsgeleitetem Beobachten können wir das Grundprinzip jeder Systembildung beschreiben, welches sich in weitaus komplexerer Weise als bei unserem technischen Beispiel in allen sich selbst-organisierenden biologischen, psychischen oder sozialen Systemen vollzieht. Ob nun ein lebender Organismus seine Körpertemperatur reguliert, die menschliche Psyche wahrnimmt oder ob in einem sozialen System Mitteilungen verstanden werden, überall geht es um die Verarbeitung von Unterschieden; immer muß etwas in Bezug zu einem Kontext differenziert werden. Alle derartigen Systeme nehmen also entsprechend ihrer internen Strukturen Unterschiede aus ihrer Umwelt auf, die in der inneren Struktur des Systems Zustandsveränderungen, also wiederum Unterschiede auslösen und dadurch Informationen erzeugen.

Durch diese Konzeption wird verständlich, warum wir niemals 'Dinge, wie sie an sich sind' wahrnehmen und weshalb die Erkenntnismethode - wie es besonders in der Quantenphysik offenbar wurde - bestimmt, was wir beobachten können: Es hängt von der Sensibilität und der konkreten Konstitution der Erkenntnisstrukturen, den Präferenzen oder - wie Einstein sagte - von der Theorie ab, was in seiner Umwelt für ein System zu einem Unterschied führt, und zu welcher Informationsbildung es infolgedessen angeregt wird. So arbeitet etwa die psychische "Wahrnehmung [...] nur mit Unterschieden. Jede Informationsaufnahme ist notwendig die Aufnahme einer Nachricht von einem Unterschied, und alle Wahrnehmung von Unterschieden ist durch Schwellen begrenzt. Unterschiede, die zu klein oder zu langsam sind, können nicht wahrgenommen werden. Sie sind keine Nahrung für die Wahrnehmung" (Bateson 1992, S. 39 f.).

Unterscheiden ist das Grundprinzip für die Bildung aller lebenden, psychischen und sozialen Systeme überhaupt. Wir könnten sagen: Am Anfang war die Unterscheidung. Zunächst unterscheidet sich ein System von seiner Umwelt. Erst die System/Umwelt-Differenz ermöglicht einem System, Unterschiede in seiner Umwelt zu beobachten, um Informationen zu gewinnen. Voraussetzung jeder Systembildung ist also die System/Umwelt-Unterscheidung. Eine Familie unterscheidet sich von anderen Familien, ein Baum unterscheidet sich vom Regen und der Sonne oder eine Person nimmt sich als unterschieden von einer anderen war etc.

Wenn wir nun Familien, Bäume oder auch Personen als Systeme definieren wollen, können wir an die Definition von Willke (1993, S. 282) anknüpfen, der ein System als "einen ganzheitlichen Zusammenhang von Teilen [beschreibt], deren Beziehungen untereinander quantitativ intensiver und qualitativ produktiver sind als ihre Beziehungen zu anderen Elementen. Diese Unterschiedlichkeit der Beziehungen konstituiert eine Systemgrenze, die System und Umwelt des Systems trennt".

3.2.1 Das Systembild

Um biologische, psychische und soziale Prozesse einheitlich zu beschreiben, bietet sich der Systembegriff als multidisziplinäre Metaperspektive an, da er die harten Grenzen der wissenschaftlichen Spezialisierungen aufweicht. Insbesondere Bateson (1982, S. 15) konzentrierte seine anthropologischen und im weitesten Sinne psychosozialen Forschungen auf "das Muster, das verbindet". Mit dieser Orientierung konnte sich Bateson eine ganzheitliche Weltschau konstruieren, durch die er einheitliche Organisationsformen in verschiedenartigen biologischen, psychischen und sozialen Zusammenhängen aufzeigte. In diesem Sinne interessierte ihn: "Welches Muster verbindet den Krebs mit dem Hummer und die Orchidee mit der Primel und all diese vier mit mir? Und mich mit Ihnen? Und uns alle sechs mit den Amöben in einer Richtung und mit den eingeschüchterten Schizophrenen in einer anderen? (ebd.).

Abgesehen von der Beschreibung einheitlicher Organisationsformen veranschaulicht die systemische Perspektive, daß die verschiedenartigen physikalischen, ökologischen, biologischen, psychischen und sozialen Phänomene miteinander vernetzt bzw. strukturell gekoppelt sind. In dieser Hinsicht ermöglichen sich biologische Systeme (Oganismen), psychische Systeme (Bewußtsein) und soziale Systeme (Familien, Gesellschaften etc.) wechselseitig, indem die Komplexität des einen Systems die Voraussetzung für die Existenz der anderen Systeme ist und umgekehrt. Luhmann (1984) prägt dafür den Begriff der 'Interpenetration'. So sind also Menschen mit ihrer organismischen und psychischen Komplexität, wie Reimund Böse und Günter Schiepek (1989, S. 59) ausführen, "notwendig, damit soziale Systeme sich konstituieren können, während soziale Systeme die ihnen zur Verfügung gestellte fremde Komplexität dazu benutzen, um die strukturierte Komplexität sozialer bzw. kommunikativer Systeme zu erzeugen".

Strukturelle Kopplung heißt auch, daß Veränderungen in einem der gekoppelten Phänomenbereiche zu Veränderungen in den anderen Phänombereichen führen. Allerdings ist die konkrete Art und Weise der Zustandsveränderungen von der Informationsbildung, also der Unterschiedungsverarbeitung der entsprechenden biologischen, ökologischen, psychischen oder sozialen Prozesse abhängig, so daß etwa Veränderungen der sozialen Wirklichkeit niemals determinieren können, wie sich die psychische Wirklichkeit eines Individuums verändert.

Speziell im alltäglichen Aufgabenbereich der Sozialen Arbeit wird diese wechselseitige Interdependenz (Abhängigkeit) der verschiedenen Sphären der menschlichen Realität besonders deutlich. Daß finanzielle Probleme einer Familie psychosoziale Veränderungen nach sich ziehen, kann als sehr wahrscheinlich gelten. Wie aber diese Veränderungen konkret aussehen, ist von der Konstitution der Familie selbst abhängig. Veränderungen in der Umwelt eines Klienten oder einer Klientin können nicht festschreiben, also nicht kausal determinieren, wie sich die betreffende Person zu verhalten hat; wie etwa ein Familien-mitglied auf den Verlust seines Arbeitsplatzes reagiert, ob es verzweifelt ist und in Depressionen verfällt oder ob es die nun reichhaltig zur Verfügung stehende Zeit für kreative selbstbestimmte Zwecke nutzt, hängt allein vom dem Weltbild, der psychischen Konstitution etc. des konkreten Individuums ab.

Damit erweist sich analog zur Quantenphysik die lineare Kausalität bei der Beschreibung des Verhaltens von unterschiedlichen Systemen als unbrauchbare Beschreibungsmöglichkeit. Insbesondere das Phänomen der Nicht-Trivialität von biologischen, psychischen und sozialen Systemen (vgl. v. Foerster 1988) führt dazu, daß Ereignisse in der Umwelt eines derartigen Systems niemals ursächlich bestimmen können, wie sich das System verhält. So kann ein Beobachter oder eine Beobachterin wahrnehmen, daß eine Person bei den gleichen Umwelteinflüssen heute so und morgen ganz anders reagiert. Demgegenüber ist der oben angeführte Thermostat ein triviales System. Solange das Gerät nicht defekt ist, können wir mit absoluter Wahrscheinlichkeit voraussagen, wann es sich ein- bzw. ausschalten wird. Damit unterscheidet die Nicht-Trivialität natürliche von technischen Systemen.

Erst wenn wir mit der Systemtheorie natürliche, d.h. biologische, psychische oder soziale Systeme als integrierte Ganzheiten betrachten, die aus vielen voneinander abhängigen Elementen bestehen, wird uns die 'nicht-triviale' Komplexität derartiger Einheiten offenbar. Diese Komplexität wird durch eine analytisch-reduktionistische Betrachtung nicht erkennbar. Da die Elemente, aus denen sich natürliche Systeme konstituieren, untereinander in permanenter Wechselwirkung stehen, stößt das Verhalten eines Elements Verhaltens-änderungen aller Elemente an. Erst dieser Prozeß der ständigen Interaktion zwischen den Elementen eines Systems grenzt einen ganzheitlichen Zusammenhang von seiner Umwelt ab. Sobald sich also ein System als unterschieden von seiner Umwelt (selbst-)beobachten kann, finden in ihm ständige Wechselwirkungen zwischen seinen Elementen statt, durch die Unterschiede zu Unterschieden transformiert werden; wobei - wie ausgeführt - der elementare Unterschied die System/Umwelt-Differenz ist.

Überdies konstituieren die Beziehungen zwischen den Elementen einer (systemischen) Einheit jene Eigenschaften von zusammengesetzen Phänomenen (z.B. lebenden Organismen, Familien, Gesellschaften etc.), welche schon den griechischen Philosophen Aristoteles (384 - 322 v.u.Z.) zu der Überzeugung kommen ließen, daß das "Ganze mehr als die Summe seiner Teile [ist]" (Lexikon zur Soziologie 1988, S. 317). Dieses Phänomen konstituiert "jene Eigenschaften eines Systems, die aus den Eigenschaften seiner Elemente nicht erklärbar sind, die mithin neu und charakteristisch nur und erst für die Ebene des jeweiligen Systems sind. Diese Eigenschaften sind nicht den Elementen zuzurechnen sondern der bestimmten selektiven Verknüpfung der Elemente im Kontext des Systems" (Willke 1993, S. 278).

Wenn wir etwa mit dieser Perspektive ein psychosoziales Problem eines Menschen verstehen oder sogar helfen wollen es zu lösen, müssen wir immer den übergeordneten Kontext betrachten, in dem die problembelastete Personen mit anderen Systemen (z.B. Personen, Institutionen etc.) in wechselseitiger Interaktion steht. So werden wir möglicherweise beobachten können, daß ein Symptom eines Familienmitglieds nicht dem Innersten seiner Psyche zu entspringen scheint, sondern im spezifischen Familiensystem eine ganz konkrete interaktive Funktion hat; und sozusagen keine individuelle (psychische), sondern eine familiäre (kommunikative) Eigenschaft repräsentiert.

Eine einseitig angewendete analytische Methode, welche die systemischen Einzelteile isoliert voneinander betrachtet, kann ganzheitliche Systemeigenschaften nicht erkennen. Ein weiteres wesentliches Kriterium von natürlichen Systemen, welches ebenfalls die System-lehre erst gebührend würdigt, ist die schon erwähnte Selbstbezüglichkeit (Selbstreferenz). Im Prinzip ist Selbstreferenz nichts anderes als das Prinzip der Rückkopplung, welches wir bereits am Thermostat betrachteten: Veränderungen des Systems lösen Veränderungen in seiner Umwelt aus, die auf das System zurückwirken. Wie Luhmann (1986, S. 269) konkretisiert, bedeutet Selbstreferenz also "jede Operation, die sich selbst auf anderes und dadurch auf sich selbst bezieht". Diese paradox erscheinende Definition wird verständlicher, wenn wir uns noch einmal den Prozeß der Informationsbildung verdeutlichen.

Damit ein System (z.B. ein Quantenphysiker) beobachten kann, muß es sich auf seine Umwelt beziehen, die allerdings nur über Unterschiede relevant werden kann, welche in der inneren Struktur des Systems Unterschiede auslösen. Bezieht sich ein System also auf seine Umwelt, kann es sich eigentlich nur auf selbsbeobachtete Unterschiede seiner eigenen Strukturen beziehen. Die 'wirkliche' Veränderung in der Umwelt, also der Anlaß für die 'erste' Unterscheidung ist selbst nicht beobachtbar. Sie ist dennoch die Voraussetzung für die Unterscheidung im System ('zweite' Unterscheidung), als Bedingung für die Informations-bildung.

Solange ein System sein Leben aufrechterhält, ist es in der Lage, auf die permanenten Umweltveränderungen mit systeminternen Unterschieden, also mit eigenen Zustands-veränderungen zu reagieren. Bei diesen Veränderungen spielen Fluktuationen eine wesentliche Rolle: Die Systemelemente als voneinander abhängige Variablen können ihr Verhalten innerhalb einer bestimmten Bandbreite zwischen oberen und unteren Grenzen variieren. Daher schwanken alle Variablen permanent zwischen diesen Grenzen hin und her, so daß sich die voneinander abhängigen Einzelteile des System in ständiger Bewegung befinden. Diese Dynamik dient der Aufrechterhaltung der systemischen Stabilität (Homöostase), so daß ein natürliches System in vielfältiger Weise auf Einwirkungen seiner Umwelt reagieren kann. Alle dynamischen Systeme halten sich durch eine solche intensive Wechselwirkung mit ihrer Umwelt am Leben.

Gelingt es den einzelnen abhängigen Variablen, also Systembestandteilen nicht mehr, sich auf verändernde Einflüsse - durch das Hin- und Herbewegen innerhalb ihrer Grenzen - einzustellen, bricht das System zusammen.

Die Fähigkeit der flexiblen Umweltanpassung ist ein wesentliches Charakteristikum lebender Organismen, psychischer und sozialer Systeme. Diese nicht-triviale und flexible Selbsterhaltung im Gegensatz zu technischen Systemen läßt sich mit Bateson (vgl. ders. 1981, S. 619) aus der Organisation der Systemelemente in Form von Kreislaufstrukturen verstehen: Jedes Element eines System reagiert auf Unterschiede im Verhalten der anderen Elemente ebenfalls mit Verhaltensänderungen, so daß es zu vielfältigen geschlossenen Rück-kopplungsschleifen kommt, deren Komplexität sich der Analyse durch die lineare Kausalität entzieht. Für Bateson (ebd.) sind diese Dynamiken "Minimalcharakteristika des Geistes [, der] immer und überall da hervorgebracht [wird], wo die angemessene Kreislaufstruktur von Kausalschleifen existiert". In dieser Hinsicht ist Geist ein Systemphänomen, das sich nicht nur in Form der gehirnabhängigen menschlichen Psyche manifestiert; Geist ist keineswegs allein im Körper immanent. "Er ist auch den Bahnen und Mitteilungen außerhalb des Körpers immant; und es gibt einen größeren Geist, von dem der individuelle Geist nur ein Subsystem ist. Der größere Geist läßt sich mit Gott vergleichen, und ist vielleicht das, was einige Menschen mit 'Gott' meinen, aber er ist doch dem gesamten in Wechselbeziehung stehenden sozialen System und der planetaren Ökologie immanent" (ebd., S. 593).

Dieser Anschauung zufolge sind Leben und Geist Aspekte von Systemen, die in ihrer Selbstorganisation zum Ausdruck kommen. Eine derartige Sichtweise überwindet die kartesianische Trennung von Geist und Materie und läßt die Schlußfolgerung zu, daß diese Einheiten unterschiedliche Aspekte eines universellen Geschehens sind. "Aus der modernen System-Perspektive können wir sagen, daß Geistestätigkeit als Dynamik der Selbstorganisation die Organisation aller Funktionen darstellt und damit eine Meta-Funktion ist" (Capra 1991, S. 323). Für Capra ist die Ausbeutung der Natur ein Zeichen für die paradigmatische Trennung von geistigen Phänomenen von den umfassenderen Ökosystemen. So glaubt Capra (ebd.), daß "unser Verhalten" bezüglich der Natur "völlig anders sein [wird], wenn wir uns bewußt sind, daß die Umwelt nicht nur lebendig, sondern auch wie wir selbst mit Geist begabt ist".

Um ein solches Bewußtsein zu erlangen, brauchen wir nicht weit in den Kosmos ausschweifen. Vielmehr reicht die Betrachtung unserer eigenen somatischen und psychischen Prozesse aus, um zu sehen, welche selbstorganisierende Intelligenz allein schon in dem Wechselspiel zwischen Bewußtsein und Körper wirkt. Um die Manifestation des Geistes bezüglich der strukturell gekoppelten somatischen oder psychischen, emotionalen oder spirituellen Dimensionen unserer Existenz zu erkennen, bieten verschiedene ganzheitliche Ansätze in der Psychologie und Psychotherapie eine brauchbare Möglichkeit.

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3.3 Ganzheitliches Denken in Psychologie und Psychotherapie

Neben der explizit systemisch orientierten (Familien-)Therapie (s. z.B. Simon/Stierlin 1984; v. Schlippe 1987; Ludewig 1993), auf die wir hinsichtlich des Paradigmawechsels in der Sozialen Arbeit noch zurückkommen werden, lassen sich weitere psychotherapeutische Ansätze in einem dem ganzheitlichen Paradigma zugehörigen Metarahmen einordnen. Obwohl die im folgenden vorgestellten Therapieschulen nicht explizit systemtheoretisch konzipiert sind, sprengen ihre Postulate - wie insbesondere Capra (1991, S. 340 ff.) aufzeigt - das karetsianisch-newtonsche Paradigma und stimmen in wesentlichen Aussagen mit den Erkenntnissen der modernen Physik und Systemlehre überein.

Außerdem fällt unter den Begriff ganzheitliche Psychologie, wie der Psychotherapeut Hans-Joachim Maaz (1990) ausführt, insbesondere die gleichrangige Beachtung der psychischen und körperlichen (psycho-somatischen), sozialen und spirituellen Grund-bedürfnisse des Menschen. Unter 'spirituell' versteht Maaz in diesem Zusammenhang das menschliche Bedürfnis nach dem Erfahren von Sinn und die Fähigkeit eines jeden Menschen, sich über sich selbst und die anderen hinaus bezogen zu erfahren (vgl. Maaz 1990, S. 61).

Speziell die Psychotherapieschulen von Wilhelm Reich und Carl Gustav Jung, welche den paradigmatischen Rahmen der klassischen Psychoanalyse sprengen, widmen sich psychosomatischen bzw. spirituellen Fragestellungen.

3.3.1 Der psychosomatische Ansatz von Wilhelm Reich

Wilhelm Reich (1897-1957) gilt als einer der innovativsten und unkonventionellsten Psycho-analytiker, der das Gedankengebäude von Freud nicht als Dogma betrachtete, sondern permanent bestrebt war, die Psychoanalyse weiterzuentwickeln. Am Anfang der dreißiger Jahre konnte Reich seine Methoden nicht mehr unter dem Dach der Psychoanalyse unterbringen. Aus diesem Grund entwickelte er seine eigene Denkschule, die Sexual-ökonomie, Vegetotherapie, Charakteranalyse oder - nach der Weiterentwicklung von Alexander Lowen (1967) - Bioenergetik genannt wird.

Reichs Hauptinteresse galt der Erforschung der Sexualenergie, der Libido. Daraus leiteten sich auch seine vielseitige Interessen ab, sich nicht nur mit Psychologie und Medizin zu beschäftigen, sondern - ganzheitlich orientiert - auch auf den Gebieten der Soziologie, der Physiologie, der Biologie und der Physik zu forschen. Denn "das Thema Sexualität", schreibt Reich (1969, S. 13), "geht seinem Wesen nach quer durch alle wissenschaftlichen Forschungsgebiete. Im Zentralphänomen, dem sexuellen Orgasmus, treffen sich Fragestellungen aus dem Gebiete der Psychologie ebenso wie dem der Physiologie, aus dem der Biologie nicht minder wie dem der Soziologie. Es gibt in der Naturwissenschaft kaum ein zweites Forschungsfeld, das derart geeignet wäre, die Einheitlichkeit des Lebendigen darzubieten und vor engem, trennendem Spezialistentum zu bewahren".

Für Reich erwies sich, daß die Libido nicht nur - wie bei Freud - eine abstrakte psychische Kraft ist, sondern vielmehr eine den ganzen Organismus durchfließende Bioenergie. Bei der Erforschung der Bioenergie stieß Reich auf eine seiner grundlegendsten Entdeckungen, und zwar darauf, daß Verhaltensweisen und gefühlsmässige Erlebnisse gewisse Muskelreaktionen verursachen können, die den Fluß der Bioenergie blockieren. So kommt es dazu, daß die permanente Unterdrückung von Gefühlen (z.B. von Wut, Trauer, Freude) dauerhafte Muskelverspannungen (z.B. im Bauchbereich) bedingen, die einen Menschen ein Leben lang in seinem authentischen Gefühlsausdruck hemmen können und die Bildung neurotischer Symptome herausfordern. "Die Neurose ist nicht etwa nur der Ausdruck einer Störung des psychischen Gleichgewichts, sondern in einem weit berechtigteren und tieferen Sinne noch der Ausdruck einer chronischen Störung des vegetativen Gleichgewichts und der natürlichen Beweglichkeit" (ebd., S. 227). Die Muskelblockierungen stören die freie und tiefe Atmung, sowie damit verbunden, das Fließen der Bioenergie.

Reich nannte die Einheit von emotionalen und körperlichen Blockierungen bei einem Menschen Charakterpanzer. Gleichfalls sei es die charakterliche Panzerung, die in der psychoanalytischen Therapie den Widerstand gegen die Bewußtmachung von traumatischen Erlebnissen bedingt.

In der Psychoanalyse formte sich in den 1920er Jahren die Vorstellung von einem Todes- oder Destruktionstrieb. Diesem Trieb wurde von vielen AnalytikerInnen die Tatsache zugeschoben, daß sehr viele PatientInnenen nach langjähriger Analyse nicht symptomfrei wurden. Der erste Körperpsychotherapeut Reich stellte demgegenüber fest, daß dies lediglich ein Signal für eine unzulängliche Technik der Therapie sei, die etwa jede körperliche Intervention oder jeden Körperkontakt mied.

Um die somatischen und psychischen Panzerungen, die in der Regel als körperlich-emotionaler Widerstand wirken und die Reich bei allen von ihm behandelten Neurotikern feststellte, aufzulösen, entwickelte er spezielle Atem- und Körperübungen, die das Fließen der Energie wieder ermöglichen sollen. Bei diesen Übungen werden vergangene traumatische Geschehnisse, die zu den Blockierungen der Gefühle und der Muskeln führten, wieder bewußt. Der Gefühlsausdruck wird nun sozusagen nachträglich erlebt, und die Muskelblockierungen, die quasi die Gefühle festgehalten haben, können sich lösen.

Infolge dieser psychosomatischen Erkenntnisse, die weit über die Rahmen der klassischen Psychoanalyse hinausgingen, entwickelte Reich eine dialektische und ganzheitliche Sicht vom Organismus und der Psyche. Für ihn war klar, was auch die Systemtheorie lehrt: Psyche und Körper sind strukturell gekoppelt und bilden wechselseitig füreinander vielfältige Bedingungen der gegenseitigen Beeinflussung. Reich ging sogar soweit zu sagen, "daß die biologische Energie sowohl das Psychische als auch das Körperliche beherrscht. Es herrscht funtionelle Einheit" (Reich 1969, S. 199). Mit funktionell einheitlich beschreibt der Körperpsychotherapeut, "daß muskuläre und charakterliche Haltungen im seelischen Getriebe dieselbe Funktion haben, einander ersetzen und gegenseitig beeinflußt werden können [...] Sie sind nicht zu trennen [...und] in der Funktion identisch" (ebd., S. 203).

Mit diesen Aussagen überwand Reich die paradigmatische Trennung von Körper und Bewußtsein. Daher mußte er "mit allen alten Vorstellungen über die Leib-Seele-Beziehung brechen" (ebd., S. 204). Die körperlichen Empfindungen beim Auflockern der muskuläremotionalen Blockierungen "waren nicht 'Folgen', 'Ursachen', 'Begleiterscheinungen' seelischer Vorgänge, sondern einfach diese selbst im Bereiche des Körpers" (ebd.). Sowohl Körper als auch Psyche unterliegen einheitlich beschreibbaren Funktionsprozessen.

Reichs Vorstellungen von der Bioenergie kommen der alten chinesischen Idee vom Chi sehr nahe. Auch das Chi gilt als eine Art Energie, die im menschlichen Organismus und im ganzen Universum fließt. Erst die Blockierung des Fließvorgangs durch die Störung der natürlichen Selbstregulation erzeugt Krankheiten im Menschen bzw. in den ökologischen Systemen. Reich (1969, S. 288 ff.) nannte die biologische Energie auch 'Orgon', die überall in der Atmosphäre vorhanden ist und sich durch das ganze Universum erstreckt.

Ob wir nun eher Reichs Modell der Orgon-Energie annehmen oder Batesons Konzept der Informationserzeugung von miteinander gekoppelten Kreislaufstrukturen vorziehen, in beiden Denkstilen kommt der komplexen Interaktion geistiger, energetischer und materieller Phänomene ein zentraler Stellenwert zu. Deshalb entwickelte auch Reich, wie Capra (1991, S. 386) formuliert, "eine kosmische Perspektive sowie eine ganzheitliche und dynamische Weltanschauung, die seiner Zeit weit voraus war. Gesehen aus der [...heutigen...] Perspektive war Wilhelm Reich [...] ein Vorkämpfer des Paradigmenwechsels".

3.3.2 Der transpersonale Ansatz von Carl Gustav Jung

Auch C.G. Jung (1875-1961) gehörte zu den Schülern Freuds, die ihre eigene Denkschule nicht mehr in den paradigmatischen Rahmen der Psychoanalyse einbetten konnten. Vielmehr ergeben sich auch zwischen den Konzepten der Jungschen Psychologie und der modernen Physik bzw. der Systemlehre nicht unwesentliche Überschneidungen.

Jung glaubte, wie das folgende Zitat aus seinem Werk 'Aion' von 1951 verdeutlicht, an eine zukünftige Konvergenz von Geistes- und Naturwissenschaften: "Früher oder später werden sich Atomphysik und Psychologie des Unbewußten in bedeutender Weise annähern, da beide unabhängig voneinander und von entgegengesetzter Seite, in transzendentales Gebiet vorstoßen [...] Psyche kann kein 'ganz anderes' sein als Materie, denn wie könnte sie dann Stoff bewegen? Und Stoff kann der Psyche nicht fremd sein, denn wie könnte er sie dann erzeugen? Psyche und Materie sind ein und derselben Welt, und eines hat am anderen Teil, sonst wäre Wechselwirkung unmöglich. Man müßte daher, wenn die Forschung nur weit genug vorstoßen kann, zu einer letzthinnigen Übereinstimmung physischer und psychologischer Begriffe gelangen" (zit. nach Capra 1991, S. 403 f.).

Die Atomphysik wie auch die Psychologie vom Unbewußten dringen in einen - 'transzendenten' - Bereich ein, der sich der augenscheinlichen Wahrnehmung entzieht. So wie sich im subatomaren ('unsichtbaren') Bereich der materiellen Realität die Newtonschen Gesetze der Materie nicht mehr nachweisen lassen, so gelten offensichtlich auch in unbewußten Schichten der menschlichen Psyche, die aus der Newtonschen Mechanik abgeleiteten klassischen psychoanalytischen Anschauungen kaum noch. Zumindest haben in den letzten Jahren verschiedene PsychologInnen und PsychiaterInnen durch ihre klinischen und therapeutischen Erfahrungen neue Dimensionen des Bewußtseins erschlossen.

Für Grof (1991) wird das menschliche Verhalten nicht nur vom nachgeburtlich (postnatal) sich herausbildenden Bewußten bzw. Unbewußten geleitet. Vielmehr hat Grof mit Hilfe von Selbsterfahrungs- und LSD-Psychotherapien festgestellt, daß unbewußte Schichten der menschlichen Psyche auch von pränatalen (vorgeburtlichen), perinatalen (mit der Erfahrung der Geburt sich manifestierenden) und transpersonalen (überpersönlichen) Bereichen beeinflußt werden.

Insbesondere Grofs Anschauung bezüglich der transpersonalen Dimension des menschlichen Unbewußten geht zu einem Großteil auf die Arbeiten von Jung zurück, der den Begriff des kollektiven Unbewußten prägte. Für Jung war das Unbewußte weit mehr als bei Freud. Es war für Jung der eigentliche Ursprung des Bewußten. So meinte er, das Leben beginne mit unserem Unbewußten, und nicht mit einer tabula rasa, wie Freud glaubte. Nach Jung entwickelt sich der bewußte Geist aus einer unbewußten Psyche, die älter ist als er und die mit ihm oder sogar trotz seiner weiterfunktioniere (vgl. Capra 1991, S. 405). Das kollektive Unbewußte stellt somit die tiefste Schicht der Psyche dar, an dem die gesamte Menschheit mitteilhat. Capra (1991, S. 406) interpretiert Jungs kollektives Unbewußte als "ein Bindeglied zwischen Individuum und der Menschheit - in gewissem Sinne zwischen Individuum und Kosmos -, was sich nicht innerhalb eines mechanistischen Rahmens verstehen läßt, was aber sehr mit der System-Anschauung des Geistes übereinstimmt".

Für Jung offenbart sich das kollektive Unbewußte in den Weltreligionen und in den Träumen der Menschen, die auch von sogenannten Archetypen bestimmt werden. Alle Weltreligionen lassen sich nach ähnlichen Formen interpretieren, die nur nach der jeweiligen kulturellen Ausrichtung unterschiedliche Inhalte offenbaren. Die Archetypen werden in Träumen reflektiert, aber auch in den universalen Motiven, die in Sagen und Märchen der ganzen Welt zum Ausdruck kommen. Jung sah die Existenz der Religionen und der Mythen als das Bedürfnis der Menschen für echte Spiritualität an. Spiritualität war für ihn ein integraler Bestandteil der menschlichen Psyche. Jungs spirituelle Orientierung führte auch dazu, daß er die rationale Methode der Erkenntnis nicht verabsolutierte. Die menschliche Psyche hat aus der ganzheitlichen Perspektive Jungscher Psychologie vier charakteristische und gleichberechtigte Funktionen, die als psychologische Typen bezeichnet werden: Sinneswahrnehmung, Denken, Fühlen und Intuition.

Durch das Überschreiten des vom kartesianisch-newtonschen Paradigma vorgegebenen rationalen Rahmens der Erkenntnis überwand Jung die einseitig kausal-deterministische Auffassung psychischer Phänomene. Laut Jungscher Psychologie können psychische Strukturen nicht nur kausal, sondern auch akausal verknüpft sein. Der Begriff 'Synchronizität' gilt als Bezeichnung für akausale Zusammenhänge zwischen symbolischen Bildern der Psyche und Ereignissen der äußeren Wirklichkeit.

Auch Grof (1991, S. 57) beobachtete "dynamische Wechselbeziehungen zwischen inneren Erfahrungen und der Welt der Erscheinungen", die ihn vermuten lassen, daß beim tiefen Vordringen in die transpersonalen Bereiche des Unbewußten (z.B. durch LSD-Therapie) "die physischen Grenzen des betreffenden Menschen" (ebd.) überschritten werden; "[...] so geht dies häufig damit einher, daß bestimmte äußere, an und für sich höchst seltene Ereignisse, die zu [...einem gerade bearbeiteten, H.K.] inneren Thema in einem direkten und spezifischen Zusammenhang stehen, gerade dann auftreten [,...] wenn während des psychedelischen Prozesses bestimmte transpersonale Themen aus dem Unbewußten der betreffenden Person auftauchen" (ebd.). Jung sah in solchen synchronistischen Zusammenhängen spezifische Beispiele einer allgemeineren 'akausalen Geordnetheit' von Geist und Materie. "Heute, dreißig Jahre später", führt Capra (1991, S. 407) aus, "scheint diese Anschauung durch mehrere Entwicklungen in der Physik bestätigt zu werden". Daher interpretiert Capra das Prinzip der Synchronizität ähnlich wie das oben angesprochene Komplementaritätsprinzip in der Quantenphysik, wonach eine unkontrollierbare Wechselbeziehung von BeobachterIn und Beobachtungsobjekt besteht. Danach können in zunehmenden Maße Materiestrukturen und Geistesstrukturen als gegenseitige Spiegelbilder gedeutet werden.

Eine unmittelbare Verwandschaft zum Systemdenken offenbart die Jungsche Psychologie in ihrer Anschauung der Psyche als sich selbst organisierendes System. Demnach sind als psychische 'Störungen' diagnostizierte Erscheinungen (Neurosen oder Psychosen) Vorgänge, mittels dessen das psychische System versucht, sein dynamisches Gleichgewicht aufrecht-zuerhalten. Die Dynamik der psychischen Selbstregulation, die Jung mit dem Freudschen Begriff der Libido beschreibt, ist für ihn gekennzeichnet durch Fluktuationen zwischen entgegengesetzten Polen der menschlichen Psyche, die als integriertes Ganzes funktioniert.

Die Rolle der Psychotherapie ist gemäß der Jungschen Anschauung als ein Vorgang zu verstehen, um Menschen die Möglichkeit zu bieten, in der Individuation voranzuschreiten. Therapie gilt überdies als eine persönliche Begegnung zwischen TherapeutIn und KlientIn. Daher ist Therapie nach Jung "eine wechselseitige Beeinflussung, bei der das ganze Sein des Arztes ebenso eine Rolle spielt wie das des Patienten" (zit. nach Capra 1991, S. 408).

Mit solchen Beziehungsaspekten, die augenscheinlich werden lassen, daß 'das Tun des Einen das Tun des Anderen ist' (Helm Stierlin 1971), befassen sich vor allem die systemischen Ansätze der Familientherapie, die gleichfalls in der Sozialen Arbeit einem ganzheitlichen Denken zum Durchbruch verhalfen und zunehmend traditionellen psycho-analytischen Konzepte des Casework (Soziale Einzelfallhilfe) durch sozial-ökologisches Denken ersetzen.

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3.4 Paradigmawechsel in der Sozialen Arbeit

Allgemein im psychosozialen Bereich kann im Sinne des Psychiaters Gottlieb Guntern (1980, S. 8 ff.) die Psychoanalyse als im linearen (kartesianisch-newtonschen) Paradigma eingebettete Praxisorientierung gelten. Daher wurde auch die Soziale Arbeit im großen Maßstab vom psychoanalytischen Denken geprägt. Somit ist - folglich den Ausführungen des Sozialarbeiters und -wissenschaftlers Peter Lüssi (1992, S. 59) - das Konzept des Casework ('Soziale Einzelfallhilfe') als eine der traditionellen sozialarbeiterischen Formen "in seiner sozusagen klassischen, psychoanalytisch fundierten, therapeutischen Ausprägung (...) eine prinzipiell lineare Methode".

Diese Linearität beruht darauf, wie Lüssi (vgl. ebd.) weiter ausführt, daß im Mittelpunkt des Denkens und Handelns der Klient bzw. die Klientin und die lineare Beziehung SozialarbeiterIn-KlientIn steht. Auch wenn die Casework-Theorie rudimentär die 'Umwelt' beachtet, in der die KlientInnen Probleme bei der Bewältigung ihres Lebens erfahren, gelten als die Ur-sachen ihrer Probleme fast ausschließlich innere, psychische Prozesse. Auch die soziologisch orientierte und an einem simplifizierten (nicht-dialektischen) Marxismus ausgerichtete Sozialarbeit, in deren Theorie allein gesellschaftliche Ursachen für die Probleme der KlientInnen verantwortlich gemacht werden, ist linear orientiert.

Der Pädagoge und Familientherapeut Jürgen Linke (1985, S. 514) bringt die Problematik der beiden linearen Tendenzen auf den Punkt, wenn er schreibt: "Sozialarbeiterische Theorien, die entweder davon ausgehen, daß die Klienten selber schuld sind, oder daß die Gesellschaft schuld ist, verleugnen das komplizierte Wechselwirkungsverhältnis und führen zu falschen Interventionen". Demgegenüber gelten in systemorientierten Handlungs-konzepten, "die Austauschbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt [, sowie] die vielfältigen Verbindungen, Abhängigkeiten und Wirkdimensionen, die ein Problem konstituieren" als Ausgangspunkt eines Problemverständnisses, wie der Sozialarbeitswissenschaftler Heino Hollstein-Brinkmann (1993, S. 195 f.) feststellt.

Obwohl Soziale Arbeit häufig von einem "therapeutischen Missverständnis" (Lüssi 1992, S. 32) beherrscht sei, welches sich durch medizinisch-psychiatrische, psychoanalytische und psychotherapeutische Begriffe im sozialarbeiterischen Vokabular offenbare, lösten Konzepte aus der Familientherapie einen Innovationsschub Sozialer Arbeit aus (vgl. ebd.). AutorInnen wie etwa der Psychologe Gerhard Oswald (1988) haben "das familientherapeutische Behandlungsmodell [...] für die spezifische Problemlösungsarbeit des Sozialarbeiters fruchtbar und praktikabel gemacht [...]; und andererseits erfährt das Handlungsrepertoire des Familientherapeuten eine erhebliche Erweiterung hinein ins sozialarbeiterische Wirkungsfeld" (Lüssi 1992, S. 63).

Der Ausgangspunkt des systemisch orientierten Beratungskonzeptes für die Soziale Arbeit ist das Verständnis der menschlichen Interaktion als ein System (vgl. etwa Watzlawick u.a. 1969, S. 115 ff.), das sich von einer Umwelt abgrenzt und aus "Mit-anderen-Personen-kommunizirende[n]-Personen" (ebd., S. 116). besteht. Neuere systemische Konzepte betonen allerdings, daß ausschließlich Kommunikationen (vgl. Luhmann 1984, S. 191 ff.) bzw. Verhalten (vgl. Simon 1993, S. 104) als Elemente in die Bildung eines sozialen Systems eingehen.

Um in der Sozialen Arbeit die helfende Beziehung angemessen zu gestalten, erfordert die SozialarbeiterIn-KlientIn-Interaktion system- und kommunikationstheoretische Kenntnisse der SozialarbeiterInnen, denn "das Wesen jeder Beziehung ist trotz seiner Unmittelbarkeit und Alltäglichkeit schwer erfaßbar", wie Paul Watzlawick (1992, S. 233) ausführt.

Auch für die ein soziales System konstituierenden Kommunikationsprozesse gilt wie für alle Beziehungen innerhalb einer jeden systemischen Ganzheit, daß sie "immer schon mehr und andersgeartet [...sind...], als die bloße Summe der Elemente, die [etwa...] Kommunikanten in [eine...] Beziehung hereinbringen" (ebd.). Watzlawick (ebd.) beschreibt die Kommunikationsprozesse ausdrücklich entsprechend der Systemtheorie, wenn er formuliert, daß "nicht nur [...] eine Ursache eine Wirkung [erzeugt], sondern jede Wirkung wirkt ihrerseits ursächlich auf ihre eigene Ursache zurück. Daraus entstehen Komplexitäten, die sich jeder Reduktion auf ihre Einzelbestandteile entziehen" (ebd).

Schon die ersten von Bateson (s. 1981) durchgeführten kommunikationstheoretischen Studien in den 1950er Jahren offenbarten, daß der Sinn menschlichen Verhaltens, das im interaktiven Kontext immer kommunizierend wirkt (vgl. Watzlawick u.a. 1969, S. 72 ff.) nur verstanden werden kann, wenn es in seinem (kommunikativen) sozialen Kontext gesehen wird. Am Beispiel des Verhaltens von als schizophren diagnostizierten Familienmitgliedern wurde deutlich, daß Schizophrenie nicht nur das Symptom eines Patienten ist. Vielmehr entdeckten Bateson und seine MitarbeiterInnen, daß schizophrenes Verhalten Resultat einer (paradoxen) Kommunikation in einem bestimmten sozialen Kontext ist (s. dazu auch Watzlawick u.a. 1969, S. 171 ff.). Schizophrene Verhaltensmuster erscheinen demnach als die einzig mögliche Reaktion auf einen absurden zwischenmenschlichen Kontext.

Da Verhalten, wie das Systemdenken lehrt, nicht verstehbar scheint, wenn der soziale Kontext, in dem es auftritt, vernachlässigt wird, ist der Erfolg sozialarbeiterischer Interventionen davon abhängig, inwieweit die SozialarbeiterInnen in der Lage sind, die konkreten psychischen, gesellschaftlichen und familiären Bedingungen ihres Klientels in ihren wechselseitigen Abhängigkeiten einzuschätzen. Hierfür erlaubt das systemische Denken die Konstruktion einer Metastrategie (s. z.B. Lüssi 1992, Hollstein-Brinkmann 1993), welche es ermöglicht, die miteinander gekoppelten (vernetzen) Problemlagen der KlientInnen nach ähnlichen Mustern und aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.

Allerdings ist SozialarbeiterInnen keine objektive Erkenntnis der psychosozialen Praxis möglich. Demnach geht es in der Sozialen Arbeit hauptsächlich darum, daß die HelferInnen die kommunikative Kompetenz besitzen, mit den KlientInnen gemeinsame Handlungsebenen zu konstruieren, um dadurch bezüglich konkret definierter Probleme Lösungen zu initiieren. Da die psychosomatischen Prozesse der Selbstorganisation unterliegen und selbstreferentiell 'beobachten' und sozusagen nach eigenen, nicht von außen determinerbaren 'Gesetzen' ablaufen, können SozialarbeiterInnen nicht viel mehr leisten, als Selbstveränderungen der KlientInnen anzuregen.

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4. Epilog - oder: Pluralismus als 'postmoderne' Metaperspektive

Ich habe die revolutionären Veränderungen unserer wissenschaftlichen Weltbilder in einen Metarahmen eingeordnet, den ich mit Capra (1991; 1992) ganzheitliches Paradigma nenne. Dieses Vorgehen lag auf der Hand, da in vielen Konzeptionen nicht nur das reduktionistisch orientierte kartesianisch-newtonsche Denken gesprengt wird, sondern auch sich gleichende Erklärungsmuster entfaltet werden - z.B. Monismus statt Dualismus, Orientierung auf dynamische Wechselbeziehungen, Entlarvung des Objektivitätspostulats als Illusion etc. Insbesondere der Wechsel von einem Paradigma, das Objektivität postuliert, zu einem Weltbild, welches anhand von physikalischen bzw. kybernetisch oder systemtheoretisch modellierten Beispielen zeigt, daß keine Beschreibung von komplexen Prozessen unserer Wirklichkeit unabhängig von den (wissenschaftlichen) BeobachterInnen zu verstehen ist, hat weitreichende Konsequenzen.

Zunächst einmal wird uns abverlangt, kontextuell zu denken, d.h. unter anderem, daß wir die Perspektive, aus der wir Prozesse beobachten, bei ihrer Beschreibung zu beachten haben. So dürfte es wohl klar sein, daß trotz der Erkenntnisse aus der modernen Physik die Gesetze der Newtonschen Mechanik bei der Betrachtung bestimmter Ausschnitte unserer Wirklichkeit weiterhin gelten: Der Apfel fällt nach wie vor von oben nach unten; was jeder ausprobieren und trotz konstruktivistischer Erkenntnistheorie auch als objektive Tatsache ansehen kann. Auch PsychoanalytikerInnen werden mit Hilfe ihrer psychodynamisch orientierten Therapie-methoden weiterhin PatientInnen dabei helfen können, ihre als neurotisch etikettierten Verhaltensweisen abzulegen.

Aber sobald etwa die Symptome einer als schizophren diagnostizierten Person nicht auf der Basis einer psychoanalytischen Sichtweise erklärt werden können, wäre ein Perspektivenwechsel angesagt. Der Wechsel von der psychodynamischen zur systemisch-familientherapeutischen Perspektive würde möglicherweise die Sinnhaftigkeit des schizophrenen Verhaltens unter den ganz spezifischen lebensweltlichen Bedingungen, in denen die zu behandelnde Person lebt, offenbaren. Die psychotherapeutischen Interventionen wären demzufolge nicht auf die individuelle Psychodynamik gerichtet, sondern auf die Familien- bzw. Lebensweltdynamik.

Da die Erscheinungsweise unserer Wirklichkeit dermaßen komplex ist und gleichzeitig untrennbar mit uns selbst verbunden, um nicht zu sagen: mit uns identisch zu sein scheint, bringen Perspektivenwechsel unterschiedliche Beobachtungsinhalte ans Tageslicht. Solange diese Wirklichkeiten einen lebenspraktischen, psychotherapeutischen oder sozialarbeiterischen Erfolg gewährleisten, werden ihre Konstrukteure keine Innovationen fordern. Aber sobald einige PraktikerInnen zwischen theoretischen Erklärungen und erfahrener Wirklichkeit eine tiefe Kluft konstatieren, scheint die Zeit für einen Paradigmawechsel reif.

Daher sind wir eigentlich ständig mit der Notwendigkeit konfrontiert, unsere Weltanschauungen zu modifizieren. In diesem Sinne pendeln wir jeden Tag zwischen verschiedenen Paradigmen hin und her. Dazu sind wir in der 'postmodernen' Gegenwart mehr denn je aufgefordert, da unsere gesellschaftliche Realität immer differenziertere kulturelle Moden, Weltanschauungen, Lebenswelten, Normen, Werte usw. offenbart. Was sich aus der Sichtweise der einen als sinn- und wertvolle Anschauung, politische Orientierung oder Lebensmöglichkeit darstellt, erscheint für die anderen als sinnlos und unverständlich, während es sich im Prinzip um zwei genauso legitime und adäquate Weltsichten oder Paradigmen handelt, die lediglich andere Perspektiven aufzeigen.

Daher offenbaren uns die Wechsel von Weltbildern im Prinzip nichts anderes als die Relativität unserer jeweiligen Weltinhalte: Alles, was wir beobachten, ist abhängig von dem Bezugssystem, dem Kontext, in welchem wir uns eine Realität konstruieren. Da nun unendlich viele Kontexte denkbar sind, kann dem daraus abgeleiteten Relativismus eigentlich nur ein Pluralismus gegenüberstehen, der die Komplexität, die Vielheit unserer Weltinhalte aufnimmt. Mit einem derartigen Pluralismus ist Dogmatik und Autorität unvereinbar. Dementsprechend kann etwa Niklas Luhmann (1987, S. 29) ausgehend vom system-theoretischen Konstruktivismus postulieren : "Zu wissen, wo es lang geht, zu wissen, was der Fall ist, und damit die Ansicht verbinden, man habe einen Zugang zur Realität und andere müßten dann folgen oder zuhören oder Autorität akzeptieren, das ist eine veraltete Mentalität, die in unserer Gesellschaft einfach nicht mehr adäquat ist. Wir haben verschiedene Weisen, die Gesellschaft oder die Weltverhältnisse im allgemeinen zu beobachten, die nicht auf einen Nenner reduzierbar sind."

Daraus könnten wir ein 'postmodernes' Welt-, Gesellschafts oder Wissenschafts-verständnis ableiten, das die Verschiedenheit von Weltbildern, Werten, Normen oder Lebenswelten ernst nimmt und die 'Möglichkeit des Andersseins' (Watzlawick) gewährleistet (vgl. etwa Welsch 1992). Daß dazu vor allem soziale Toleranz vonnöten ist, bedarf wohl kaum einer Erläuterung. Erst wenn aus den 'anderen' Wirklichkeitsperspektiven intolerante Anschauungen entspringen, würde ein radikal 'postmodern' oder konstruktivistisch denkender Mensch "das Recht für sich in Anspruch nehmen, die Intoleranz nicht zu tolerieren" (Watzlawick 1985, S. 312).

In der psychosozialen Praxis könnte eine derartige Anschauung damit einher gehen, daß methodische Präferenzen vom sozialen, zeitlichen oder sachlichen Kontext abhängig gemacht werden, so daß etwa psychoanalytische Konzepte für spezielle (psychodynamische) Fragestellungen und systemische für andere (z.B. kommunikationstheoretische) Beschrei-bungsebenen Anwendung finden. In dieser Hinsicht ginge es darum, kein Konzept dogmatisch zu verklären und für die Abbildung einer objektiven Realität zu halten, sondern es entsprechend seiner Brauchbarkeit einzusetzen, die nur nach praktischen Erfolgskriterien beurteilt werden kann.

Die Schwierigkeit einer 'postmodernen' Denk- und Arbeitsweise besteht wohl darin, daß sie uns die Gewißheit einer stabilen und sicheren Wirklichkeit nimmt, die nur 'so und nicht anders' aussieht. Allerdings denke ich, daß wir letztlich der Unsicherheit unserer Existenz niemals entfliehen können, denn - wie schon viele alte Weisen und PhilosophInnen lehrten - gibt es paradoxerweise nur eine endgültige Wahrheit, nämlich daß keine Wahrheit ewig gilt: "Der Sinn, den man ersinnen kann, ist nicht der ewige Sinn; der Name den man nennen kann, ist nicht der ewige Name" (Laotse: 'Tao Te King', zit. nach Watzlawick 1985, S. 313).


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5. Literatur:

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Böse, Reimund / Schiepek Günter, 1989: Systemische Theorie undTherapie: Ein Handwörterbuch. Heidelberg: Asanger.

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Dethlefsen, Thorwald, 1979: Schicksal als Chance: Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen. München: Goldmann.

Fachlexikon der sozialen Arbeit, 1993. Frankfurt/M.: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge.

Foerster, Heinz von, 1988: Abbau und Aufbau. in: Simon, Fritz B. (Hrsg.): 'Lebende Systeme: Wirklichkeitskonstruktionen in der systemischen Therapie'. Heidelberg: Springer: S. 19 - 33.

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Luhmann, Niklas, 1990a: Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M: Suhrkamp.

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Autor

Dr. Heiko Kleve

  • Geboren 1969 (in Warin), Dr. phil.
  • Studium der Sozialen Arbeit (Dipl.-Sozialarbeiter/Sozialpädagoge) und der Sozialwissenschaften (Soziologie, Politologie und Philosophie)
  • Promotion in Soziologie (1998)
  • Weiterbildung zum Konflikt-Mediator
  • derzeit Gastprofessor für Sozialwissenschaften an der Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin, Lehrbeauftragter an der Katholischen Fachhochschule Berlin und an der Fachhochschule Lausitz
  • freiberuflich tätig in der Sozialpsychiatrie und der Jugendhilfe
  • zahlreiche Veröffentlichungen zur Sozialarbeitswissenschaft und zur systemisch-konstruktivistischen Sozialarbeit

eMail: kleve@asfh-berlin.de

HomePage: http://www.asfh-berlin.de/hsl/kleve


Veröffentlichungsdatum: April 2003


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