Jesús Hernández Aristu

Special (September 2003)


zum 60. Geburtstag


¡Feliz cumpleanos!
Herzlichen Glückwunsch!
Happy Birthday!

von Christiane Krapohl

Hola Jesús, lieber Jesús,
nicht jeden Tag begeht man seinen 60. Geburtstag, deshalb ist dieses Ereignis ein wirklicher Anlass zum Feiern.

Du hast nicht nur mein Leben, sondern auch das Leben vieler Menschen durch Deine Lebendigkeit, Deine Tiefe und Kompetenz, Deinen Humor, aber besonders durch Deine spürbare Liebe zum Menschen bereichert.

Gerne erinnere ich mich deshalb an dieser Stelle an meine erste Begegnung mit Dir - in Form eines Buches.

Während meines Studiums diskutierten wir uns die Köpfe heiß über Paulo Freires Theorie der emanzipatorischen Erwachsenenbildung. Eine Seite Deines Buches klebte heute noch fest, als ich es wieder in die Hand nahm.

"Wenn ich nicht die Welt liebe,
wenn ich nicht das Leben liebe,
wenn ich nicht die Menschen liebe,
kann ich nicht in den Dialog eintreten."
(Paulo Freire)

Sehr gespannt war ich deshalb auf die erste persönliche Begegnung mit Dir. Es geschah in Eguiarte, mitten in Navarra in einem alten Pfarrhaus mit einer romanischen Kirche, weit weg von jeglicher "Zivilisation", ein Ort der Magie.

Wir, eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe von Menschen, wohnten in spartanisch eingerichteten Zimmern, lebten, arbeiteten und feierten zusammen.

Es ging oft lautstark zu und es wurde viel diskutiert und gelacht.

Eines Abends, ich kam gerade von einem Spaziergang zurück, flüsterten die Leute mir zu: "Die Küche ist Sperrgebiet, Jesús ist eingetroffen und kocht für uns alle. Geh’ auf keinen Fall in die Küche, sonst gibt’s eine Katastrophe."

Das fachte meine Neugier natürlich eher an und ich schlich zur Küche und spähte durch die Tür.

"Du meine Güte!" Durch dichte Dampfschwaden erblickte ich das größte denkbare Chaos, den absoluten SuperKüchenGAU.

Daneben roch ich einfach umwerfend leckere Düfte und erblickte einen umherwirbelnden, lachenden, hektischen Menschen, der zwischendurch wüste Beschimpfungen gegen die zahllosen Töpfe und Pfannen ausstieß.

Aha, das war also Jesús.

Das Essen später war einfach köstlich und bei all den Leckereien ließen wir uns auch den herrlichen Navarra-Wein schmecken.

Eine andere, besinnlichere Seite von Dir entdeckte ich dann gleich am nächsten Abend, als wir schweigend hinunter zum Kloster durch die herrliche Landschaft des Tales wanderten und mich die abendlichen Gesänge der Nonnen dort tief bewegten.

"Und wie von selbst wird alles um dich leicht,
die Härte schwindet und dein Herz wird weich ..."
(Klaus Hoffmann )

In Aachen trafen wir uns wieder und Du überraschtest Lothar und mich mit einer Einladung zur Messe in der Osternacht mit anschließendem Essen bei Dir.

Auf das Essen freute ich mich sehr, durch die Messe musste ich als Protestantin dann eben durch. Vermutlich war ich in der voll besetzten Kirche die einzige evangelische Besucherin.

Ich war beeindruckt, Dich im feierlichen Priestergewand zu sehen und zu erleben, wie Du diese Messe zelebriertest. Vollkommen überrascht war ich allerdings, als Du am Ende das katholische Glaubensbekenntnis durch ein kleines Wort so umformuliertest, dass auch ich mich eingeschlossen fühlen konnte. Dies hat mich sehr berührt.

"Kommt meine Freunde, noch ist es nicht zu spät,
Drum lasst uns neue Welten suchen!
Denn dies habe ich mir vorgenommen,
als Segler überquere ich den Horizont."
(Tennyson; aus Odysseus)

Besonders gerne erinnere ich mich an meine Besuche in Eurem Haus in Larraya, an Deine und Christines Gastfreundschaft, die tiefgehenden Gespräche und Diskussionen und an unser Lachen.

Aber auch arbeiten können wir zusammen und ich freue mich immer, wenn Du mich engagierst, um in der Supervisionsausbildung der Asociación Navarra Mitxelena para la Supervision y Desarollo Personal in Larraya mitzuwirken. Ein Wochenende Einführungskurs im Neurolinguistischen Programmieren für zukünftige spanische Supervisoren und Supervisorinnen ... spannend.

Besonders spannend dabei ist es für mich seit vielen Jahren, Dich einerseits als Leiter der Ausbildungsgruppe und gleichzeitig als meinen Dolmetscher zu erleben. NLP zu vermitteln bedarf einer Feinheit von Sprache und dazu reichte mein Alltags–Spanisch nicht aus.

So flieg ich also seit Jahren, bewaffnet mit unzähligen, ins Spanische übersetzten Unterlagen ins Baskenland. Und immer noch mit einem Grummeln im Bauch. Wie wird es wohl in diesem Jahr klappen? Dieses Grummeln lässt allerdings sofort nach, wenn ich Euer Haus betrete und Tine und Dich begrüße.

"Und wenn uns jemand in den Arm nimmt,
wird der Seelenvogel in uns
größer und größer,
bis er uns fast ganz ausfüllt.
So gut geht es ihm dann."
(Snunit/Golomb: Der Seelenvogel)

Unsere Zusammenarbeit erlebe ich immer wieder als sehr konstruktiv, flüssig und achtungsvoll.

Irgendwann habe ich mich dann eingehört und bin wieder in der spanischen Sprache angekommen. Mehr als ein Mal ist es passiert, dass mir am zweiten Tag ein Satz in Spanisch statt in Deutsch über die Lippen flutschte. Du hast noch nicht mal gestutzt und ohne Zögern meinen Satz ins Deutsche übersetzt. Gemerkt haben wir es erst, als die Gruppe in schallendes Lachen ausbrach. Für uns beide war es dann schwer, mit unserem Kichern wieder aufzuhören ...

Uns so sprudeln im Moment meine Erinnerungen weiter.

Ich möchte Dir aber eigentlich nur einmal Danke sagen, Dir noch mal ganz herzlich gratulieren und Dich ganz feste drücken.

Ich wünsche mir, dass Du so bleibst wie Du bist.


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