Hans-Christoph Vogel

Special (September 2002)


zum 60. Geburtstag


A la votre

von Harald Maaßen

Eigentlich habe ich mich damals überreden lassen, Christoph Vogels studentische Hilfskraft zu werden. Sicher, ich begann, mich ein wenig für Sachtexte zu interessieren, aber ganz wohl war mir bei meinem ersten Auftrag "Recherchiere nach Texten zum operativen Controlling" nicht. Nach Büchern und dann auch in Büchern zu stöbern, war meine Sache nicht. Ich fragte mich wohl auch, ob mir dieser Auftrag bei meiner persönlichen Mission, möglichst viele Menschen von Problemen zu befreien, helfen würde. Mein Motiv, Sozialpädagogik zu studieren, bestand nämlich damals darin, Gutes zu tun.

Dieser Auftrag und weitere folgende veränderten meine Haltung zum Studium und mein aufkeimendes Interesse für Konstruktivismus und Systemtheorie beeinflussten meine Ansprüche. Mein Denken begann Purzelbäume zu schlagen. Alle ontologischen Haltegriffe entzog(en) (s)ich mir, die Ungewissheit begann ungewisse Gewissheit zu werden. "Paradoxien aushalten" wurde zu meinem Leitsatz und zur Waffe gegen die, die einen klaren Standpunkt, ein Entweder-Oder, Dies oder Das einforderten.

Denk' an das Dritte (heute spricht man gar vom Tetralemma), an Organisationen, Interaktionen und Funktionssysteme, die sich zwischen die Menschen "schieben". Kommunikation und damit auch Soziale Arbeit ohne Menschen zu beschreiben, war und ist eine kühne Herausforderung.

Einen wunderbaren Abschluss meines Studiums bildete ein Workshop in Heidelberg mit G. Spencer-Brown, dem Erfinder der Differenztheorie. Christoph Vogel und ich hatten uns angemeldet, dem Meister zu lauschen. Leider gelang es mir nicht, viel zu verstehen, da meine Englischkenntnisse schnell an ihre Grenzen stießen. Ich erinnere eher Nebensächlichkeiten, wie z.B. dass Christoph damals einen grünen Peugeot 306 fuhr, mit mir abends in eine Gaststube ging, wo ich Wurstsalat mit Pommes Frites für 8,50 DM aß, ach ja, und an die Gesetze der Form, die mir Christoph an diesem Abend übersetzend erklärte:

law of calling

law of crossing

Über den Formenkalkül von G. Spencer-Brown schrieb ich dann sogar meine Diplomarbeit.

Als ich 1994 mein Studium beendete, wollte ich eigentlich ... Doch dann bin ich ein RICHTIGER Sozialpädagoge geworden.

Im Jahr 2001 kehrte ich an meine alte Studienstätte, der Hochschule Niederrhein, zurück. Gemeinsam mit Christoph Vogel und den Student(inn)en arbeite ich in einem Projekt zum "story dealing". Auch hier geht es um die Faszination des Dritten, des sich zwischen den Menschen webende Netz von Geschichte(n) und der Einredung, intervenieren (wo zwischen eigentlich?) zu können, zu müssen. Das ist mein persönlicher re-entry (Spencer-Brown) und ich danke Christoph Vogel dafür, dass er mir dies ermöglicht hat.

Ohne Christoph Vogel wäre mein Leben völlig anders verlaufen. Dass ich heute glücklich bin, verdanke ich auch Christoph. Lieber Christoph, ich bin froh, dass Du "mein" Professor warst und dass wir heute miteinander arbeiten. Zu Deinem Geburtstag wünsche ich Dir alles Gute und freue mich auf ein neues Semester voller interessanter "gedealter stories".


Harald Maaßen


Veröffentlichungsdatum: 22. September 2002


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