Gelingende Lebensführung und Gesundheitsstabilisierung.
Welche psychosoziale Faktoren fördern diese Kompetenzen?

von Franz-Christian Schubert (Juni 2005)

Einleitung

Der folgende Beitrag liefert eine Zusammenstellung empirisch gesicherter Antworten auf die Fragen, welche psychosozialen Lebensbedingungen und welche individuellen Einstellungen und Verhaltensweisen dazu beitragen, ein gesundes und gelingendes Leben zu führen und was dem abträglich ist und zu gesundheitlicher, d.h. psychischer und physischer Destabilisierung führt. Im Vordergrund stehende Fragestellungen sind somit: Was stabilisiert oder destabilisiert die Lebensführung von Menschen? Welche psychischen und sozialen Faktoren sind wesentlich für eine individuell gesunde, beständige und sinnerfüllte Lebensführung?

Herangezogen werden im Weiteren also nicht biologisch-medizinische Bedingungen für eine gesunde Lebensführung, sondern bedeutsam werden psychosoziale Erkenntnisse. Die Darstellungen beziehen sich auf Ergebnisse der Life-event-Forschung, Stress- und Krisenforschung, Forschungen zur Gesundheitspsychologie und Sozialepidemiologie, sowie auf lebensweltorientierte und sozialökologische Konzepte aus der Gemeindepsychologie und der Sozialen Arbeit.

Auf die Fragen wie es zu erklären sei, dass unter den gleichen Lebensbedingungen manche Menschen krank werden und andere wiederum nicht, bzw. dass trotz widriger Lebensumstände Menschen gesund bleiben und sich sogar relativ gut entwickeln, andere aber wiederum nicht und psychische und gesundheitliche Stabilität verlieren, haben wir zunächst relativ rasch eine Antwort zur Hand: Im Wesentlichen würden die positiven Ergebnisse durch günstige genetische Veranlagungen bedingt sein. In gewissem Umfang stimmt das. Andererseits wissen wir heute auch, dass diese biologische Auffassung viel zu kurz greift. Die Entstehung von Krankheit - oder anders ausgerichtet - die Entwicklung von Gesundheit ist viel komplexer. Es sind eine Vielzahl von Faktoren beteiligt, die keineswegs nur biologische Grundlagen haben.

Sozialepidemiologische Forschungen belegen übereinstimmend, dass in den modernen Industrieländern Gesundung und Gesundheit, und konstituierend damit Lebenszufriedenheit und gelingende Lebensführung, nicht nur durch biophysische Bedingungen, sondern wesentlich auch durch psychische und soziale Faktoren und Prozesse beeinflusst werden. Neben den bekannten biophysischen, d.h. genetischen und dispositionell erworbenen Einwirkungen erfolgt das insbesondere durch Bedingungen in der unmittelbaren Lebenswelt des Individuums, wie sozioökonomische Lebenslage, Wohn- und Arbeitsbedingungen, Status und Bildung, aktuelle und chronische psychosoziale Belastungen (Stressoren), individueller Lebensstil (life style) und die individuell Art, mit Belastungen umzugehen (Bewältigungsverhalten bzw. Coping). Dazu gehören individuelle Persönlichkeitsmerkmale, wie auch Ausmaß und Qualität von sozialer Integration und sozialer Unterstützung. Diese Bedingungen beeinflussen sich gegenseitig und können, jede für sich wie auch in spezifischen Bündelungen, die individuelle Lebensbefindlichkeit und Lebensbewältigung beeinflussen und Erkrankungs- und Gesundungsprozesse auslösen oder beschleunigen (vgl. Schubert, 2004, dort auch weitere Literaturangaben).

Was ist Krankheit, was ist Gesundheit?

Die Medizin hat ein nahezu unüberschaubares Wissen darüber angehäuft, was krank macht und wie man diese Faktoren abändern oder beseitigen kann und vieles davon schlägt sich in unserem Alltagsverständnis nieder. Erstaunlicher Weise besteht hingegen nur wenig Klarheit darüber, was Gesundheit ist und wie sie sich entwickelt. Obwohl Gesundheit ein Zustand von zentraler Bedeutung ist, ist sie bis heute wissenschaftlich noch wenig untersucht. In einfachster, aber damit auch keineswegs ausreichender Weise, wird in der Medizin Gesundheit als die Abwesenheit von Krankheit definiert. Die Definition ist aus dem biologischen Grundverständnis der Medizin heraus entwickelt.

Bekannter Weise geht das traditionelle biomedizinische Krankheitsmodell davon aus, dass hauptsächlich physikalische und biochemische Prozesse für eine Erkrankung verantwortlich seien. Krankheit wird hierbei zumeist als ein regelwidriger Körper- oder Geisteszustand definiert. Sie entstehe infolge einer Unfähigkeit des Organismus mit bestimmten Anforderungen, die aus dem Körper oder der Umwelt herrühren, fertig zu werden. In den Mittelpunkt rückt dabei vor allem das Immunsystem, z.B. wenn körpereigene Immunkräfte gegen krankheitsverursachende Faktoren zu schwach sind, also den Regelzustand des Köpers nicht aufrecht erhalten können.

Dieses Verständnis hat in vielen Bereichen zu großen Medizinfortschritten geführt (Stoffwechselstörungen, Infektionskrankheiten u.a.), aber es reicht nicht aus, um Gesundheit angemessen zu erfassen.

In der modernen Gesundheitsforschung werden Gesundheit und Krankheit zunehmend nicht mehr als Gegensätze aufgefasst, sondern als wechselnde unterschiedliche Zustände, die sich quasi überlappen und in einem gegenseitigen Wechselwirkungsverhältnis zu einander stehen. Das besagt, dass ein Mensch nicht hundertprozentig gesund oder hundertprozentig krank ist; er ist immer in einem bestimmten Verhältnis beides davon: sowohl, als auch. (vgl. dazu z.B. das Salutogenesemodell von A. Antonovsky, 1987,1989, 1997).

Es ist durchaus möglich, dass trotz einer bestehenden Krankheit ein Mensch subjektiv dennoch ein hohes Maß an Gesundheit erlebt, z.B. bei Bestehen einer chronischen Erkrankung (z.B. Diabetes), die durch die Entwicklung spezieller Lebensfähigkeiten kompensiert wird, aber nicht beseitigt ist. Trotz Erkrankung kann Zufriedenheit und Wohlbefinden erlebt werden und der Mensch kann genussfähig und leistungsfähig sein.

Gesundheit ist weit mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Bezogen auf Forschungsergebnisse, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits 1948 eine revolutionäre Definition von Gesundheit ausgegeben: "Health is a state of complete physical, mental and social well being and not merely the absence of disease." ("Gesundheit ist ein Zustand des umfassenden körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Behinderung/ Gebrechen.") In gewisser Hinsicht war das eine neue Sichtweise von Gesundheit: Befindlichkeit und Verhaltensweisen von Menschen können nicht losgelöst von ihrer biologisch-physikalischen, sozialen, psychischen und spirituellen Umwelt erfasst werden. Der Mensch ist ein bio-pscho-soziales Wesen, biologische, psychische und soziale Faktoren beeinflussen seine Erkrankung und seine Gesundung.

Die von der klassischen Medizin als utopisch kritisierte WHO-Definition hat den Anstoß zu weiteren umfassenden Forschungen und praktischen Entwicklungen gegeben, die sich in den offiziellen Auffassungen von Alma Ata 1978 und vor allem in dem Richtung weisenden Programm der Ottawa-Charta von 1986 niederschlugen (vgl. Frischenschlager, 1996; Sacher, 1998). Gesundheit wird seit dem "offiziell" in einem sozialökologischen Verständnis erfasst: Gesundheit ist nicht nur das Ziel, sondern wird als Voraussetzung und als Mittel verstanden, wodurch Menschen befähigt werden, individuelles und gesellschaftliches Leben positiv zu gestalten. Gesundheit ermöglicht bzw. eröffnet wichtige Bereiche von Lebensqualität, und Lebensqualität wiederum fördert Gesundheit. In den Mittelpunkt der neuen gesundheitswissenschaftlichen Denk- und Handlungsweise rückt der Mensch als aktiv Gestaltender seines Lebens und seiner Umwelt: die Art und Weise der Gestaltung und Nutzung seines konkreten Lebensalltages, seines Lebensentwurfes, seines sozialen Nahraumes, wie auch seiner ideologisch-gesellschaftlichen und kulturellen Umwelt und seiner biologisch-physikalischen Umwelt. Gesundheitsförderung, Hilfen zur gelingenden Lebensführung und Krisenbewältigung sind auf die Lebenswelt der Betroffenen orientiert. Grundlage dazu bildet ein sozialökologischer Ansatz: Lebensführung wird als Austauschprozess zwischen Individuum und Umwelt erfasst (Person-Umwelt-Transaktionen), als ein gegenseitig abgestimmter Austausch von Ressourcen (vgl. auch Schubert, 1999 a, b; 2004).

Heute besteht in der sozial- und humanwissenschaftlich fundierten Medizin Einigkeit darüber, dass Gesundheit mehrdimensional zu fassen ist. Zum Wesen von Gesundheit gehören:

Darüber hinaus korreliert Gesundheit mit

Was beeinflusst Gesundheit und Krankheit?

Eine Auffassung, die nur auf dem biomedizinischen Modell beruht, greift somit zu kurz, sie vernachlässigt den Einfluss wichtiger Lebensdimensionen auf Entstehung, und Verlauf von Gesundheit und Erkrankung. Schon Hippokrates, der berühmte Arzt der griechischen Antike wusste, was heute erneut wieder klar wird, nämlich dass Gesundheit abhängig ist

Diese Auffassung ist im Laufe der Jahrhunderte mehr oder weniger verloren gegangen, ist aber in neuerer Zeit wieder aktuell geworden, nämlich durch Ergebnisse aus der Stressforschung und der sozialwissenschaftlichen bzw. sozialepidemiologischen Medizinforschung. Zusammen mit einer relativ breit gefächerten Präventionsforschung liefern sie ein Ergebnismuster, wonach krank werden oder gesund werden bzw. gesund bleiben im Wesentlichen abhängig sind 3 Bedingungen, von Lebenswelt- bzw. Umweltfaktoren, von der Art der individuellen und sozialen Handhabung der Bewältigung von Anforderungen und der individuellen, sozialen und umweltlichen Ressourcen. Das erscheint auf den ersten Blick relativ trivial. Werden die Komponenten genauer ausdifferenziert, so erschließt sich jedoch ein komplexes Bedingungsmuster.

Gesundheit und Krankheit als auf einem Entwicklungskontinuum miteinander korrespondierende Zustände sind abhängig

Ein Großteil dieser Faktoren wird wiederum beeinflusst von den Bedingungen, unter denen Menschen aufwachsen (Sozialisationsbedingungen), von Bildung, Einkommen und Status, von den persönlichen Lebenserfahrungen und von den Lebenslagen. Diese Faktoren tragen in komplexer Weise zu körperlicher und psychischer Gesundheit und Erkrankung bei.

Prävention: Vermeidung von Risikofaktoren

Eine logischen Konsequenz aus dem bio-medizinischen Denken war, jene Risiken und Infektionsherde, die zu Krankheit führen, soweit wie möglich zu reduzieren und zu vermeiden. Damit war seiner Zeit die Prävention geboren. Es galt nun Maßnahmen zu entwickeln, die dazu dienen sollen, den Risiken, die zu Krankheit führen können, vorzubeugen bzw. solche Risiken erst gar nicht auftreten zu lassen (= Prävention oder Vermeidung von Risikofaktoren).

Daneben gibt es heute einen zweiten großen Zugangsweg zur Gesundheitsentwicklung, nämlich die Entwicklung und den Aufbau von Schutzfaktoren bzw. von Gesundheits-Ressourcen.

Der Grundgedanke von Prävention als Weg der Gesundherhaltung baut auf dem bio-medizinischen Verständnis von Gesundheit auf. Das lässt sich am einfachsten über die klassische Theorie der Infektionskrankheiten veranschaulichen: Krankmachende Bakterien oder Viren treffen auf einen Organismus mit einer bestimmten ererbten oder erworbenen Disposition (also einer bereits bestehende Schwächung) und verursachen dort eine Infektion. Zunächst also besteht eine sehr schlichte Beziehung: auf der einen Seite besteht das Einwirken von Schadfaktoren und auf der anderen Seite entsteht die Entwicklung von Krankheit; zusätzlich kommt noch ein dritter Faktor hinzu, eine Disposition, d.h. eine individuell bestehende körperliche Schwächung. Dann haben es die schädigenden Faktoren besonders leicht. Die Schadfaktoren wie auch die individuelle Disposition/Schwächung werden als Risikofaktoren bezeichnet.

Es wird also folgende Gleichung angesetzt: Eine Anhäufung und Einwirkung von Risikofaktoren auf der einen Seite führt zu der erhöhten Wahrscheinlichkeit von Erkrankung auf der anderen Seite der Gleichung. Vermeidung oder Beseitigung von Risikofaktoren führt zu einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Erkrankung.

Über folgende Maßnahmen wird eine Reduzierung bzw. Beseitigung von Risikofaktoren erreicht:

1) Hygiene und Schutzimpfung

Eine der ersten präventiven Maßnahme in der moderneren Medizin war die Verbesserung der Hygiene: Einhaltung von Sauberkeitsregeln im Alltagsleben zur Reduzierung von bakteriellen Infektionen, also von Schadstoffen. Etwas später in der Medizinentwicklung kam die Entdeckung und die Verabreichung von Schutzimpfungen hinzu, um die biologischen Abwehrkräfte (die Disposition) zu stärken. Ebenso gehören Vorsorgeuntersuchungen (Schwangerschaft, Krebs) zu solchen Risiko minimierenden Maßnahmen.

2) Verhaltensprävention

Im weiteren Verlauf strebte die Prävention eine Vermeidung oder Reduzierung von Risikofaktoren über Verhaltensänderungen beim einzelnen Menschen an (= verhaltensgebundene Prävention). Gesundheit wird unter diesem Ansatz zumeist auf eine biologisch-medizinisch gesunde Lebensweise, bzw. auf gesunde Verhaltensweisen zurückgeführt. Das zielt in typischer Weise auf

In ihrer Gesamtheit dienen diese Verhaltensweisen zum Beispiel dazu, die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht und Bluthochdruck zu reduzieren.

Vieles davon ist dem Einzelnen bekannt, auch wenn er sich nicht unbedingt in seinem alltäglichen Tun und Lassen danach richtet. Konsequenter Weise beinhaltet dieses Verständnis von Prävention auch typische Schuldzuweisung an den einzelnen, z.B. dann, wenn er durch seine Lebens- und Verhaltensweisen Risiken nicht vermeidet und daher erkrankt.

3) Verhältnisprävention

Unberücksichtigt blieben hierbei bisher die risikohaften Lebens- und Umweltbedingungen, unter denen Menschen leben. Diese wurden etwas später als so genannte "kontext- oder verhältnisbezogenen Risikofaktoren" in unser Verständnis über Krankheitsentstehung einbezogen. Das sind z.B. Umwelteinflüsse wie Lärm, Luft- und Wasserverschmutzung, aber auch psychosoziale Faktoren, wie z.B. belastende Lebenslagen, chronische Arbeitslosigkeit, berufliche Überlastungen, aktuelle oder chronische Partnerschaftsstörungen u.a.m.

In einer Zusammenschau ergibt sich folgendes typisches Bild von Risikofaktoren im Leben eines Menschen:

Jeder Mensch wird aufgrund seiner genetischen Disposition mit Risikofaktoren geboren und wächst mit bestimmten Risiken in seinem sozio-ökonomischen, kulturellen und sozialen Umfeld (Armut, unzureichende Bildung, soziale Isolation und Ausgrenzung, defizitäre Familienstrukturen wie fehlender Elternteil oder chronisch streitige Eltern u.a.) und seinem biologisch-physikalischen Umfeld auf (toxische, infektions- und krebserregende Stoffe in Boden, Luft, Wasser; Wohnraum, Nahrung u.a.). Darüber hinaus produziert er zusätzliche Risiken durch sein Verhalten und seine individuelle Lebensweise wie Rauchen, übermäßiger Alkohol- oder Drogenkonsum, ungesunde Ernährung, wenig Bewegung, stressvolle Tagesgestaltung u.a.

Solche Risikofaktoren (pathogene Faktoren) erhöhen - vor allem in einer Bündelung - nachweislich die Wahrscheinlichkeit, dass somatische oder psychische Störungen oder Erkrankungen auftreten.

Risikofaktoren betrachtet man allerdings nicht als faktisch wirkende Kräfte, die schon für sich und auf jeden Fall zu Krankheit führen, sondern als Anzeichen (Indikatoren) für wirksame Erkrankungsbedingungen. Erst durch Zusammentreffen und gegenseitige Beeinflussung von mehreren Bedingungen gewinnen sie an Wirksamkeit und erhöhen somit die Anfälligkeit für Störungen und Erkrankungen (multifaktorielle Bedingtheit durch Risikofaktoren). Nicht alle Faktoren sind in gleichem Masse wirksam und krankheitserregend. Es ist heute jedoch noch nicht bekannt, welche Faktoren nun die primär wichtigen und auf jeden Fall wirksamen sind und welche eher Begleitfaktoren mit verstärkender oder abschwächender Wirkung sind.

Unser Wissen über Erkrankungsrisiken hat zu einer nahezu unübersehbaren Palette von Anforderungen an eine "gesunde Lebensführung" geführt im Sinne von Vermeidung von Risiken. Zu beobachten ist allerdings auch, dass bei dieser überwältigenden Anhäufung von Bedingungswissen- und Maßnahmen ein anfängliches Engagement für "gesunde" Verhaltensanforderungen derzeit in Überforderung, Resignation bzw. in Passivität oder in ein kalkuliertes Risikoverhalten umschlägt. In Fachkreisen wird heute darüber nachgedacht, dass das Risikomodell auf der Ebene des individuellen Verhaltens sich als zu wenig akzeptiert und evtl. als wirkungslos erweisen könnte.

Sensible Phasen mit erhöhtem Krankheitsrisiko

Als besonders risikoreich werden bestimmte Lebensphasen betrachtet, die vorübergehend oder längerfristig mit hohen psychosozialen Anforderungen und Belastungen gekoppelt sind. Dadurch werden die bereits vorhandenen alltäglichen Risiken zusätzlich erhöht und das Erkrankungspotenzial steigt markant an.

Schon relativ früh wurden drei psychosoziale Belastungsarten als sehr relevant erkannt (vgl. Hurrelmann, 1988):

Solche Belastungsphasen sind im normalen Leben häufiger zu erwarten. Sie verursachen bei Betroffenen ein hohes Stressniveau und erfordern große Anstrengungen zur Bewältigung und sind - insbesondere bei schon vorliegenden anderen Risiken - als hohes Gefährdungspotenzial für das Auftreten von körperlichen, psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen nachgewiesen.

In umfassender Weise haben sich Forschungen mit dem Zusammenhang zwischen psychosozialen Belastungen und Erkrankungshäufigkeit beschäftigt. Signifikante Zusammenhänge bestehen

Untersucht wurden Zusammenhänge mit folgenden Einflussgrößen: sozio-ökonomische und gesellschaftlich-kulturelle Lebensbedingungen, unterschiedlicher Bildungsstand, schicksalhafte unvorhersehbare wie auch vorhersehbare Lebensveränderungen und kritische Lebensereignisse (major life events), alltägliche Ärgernisse (daily hassles, micro stressors), physikalisch-biologische Umweltbelastungen. Je nach der wissenschaftlichen Grundausrichtung betonen die Ergebnisse unterschiedliche Schwerpunktsetzungen. Vertreter psychologischer Theorien stellen die Bedeutung von kognitiv-emotionalen Merkmalen (Bewertungen, Einschätzungen, Einstellungen) und von Persönlichkeitsmerkmalen für Gesundheitsentwicklung und gelingende Lebensführung in den Vordergrund. Hingegen betonen soziologisch und systemtheoretisch orientierte Vertreter den Einfluss von gesellschaftlichen Bedingungen und Kontextfaktoren und von soziodemographischen Daten (Beruf, Einkommen, Bildungsniveau, soziale Integration, Alter u.a.). Für eine Vertiefung sei aus dem umfangreich Schrifttum beispielsweise verwiesen auf Hurrelmann (1988), Hurrelmann & Laaser (1998), Jerusalem (1990), Keupp (1988, 1997), Maddi (1990), Schwenkmezger, & Schmidt (1994), Schwarzer (2000), Ulich (1987), Weitkunat et al. (1997), Waller (2002).

Resilienzforschung

Im Zuge dieser Forschungen wurde festgestellt, dass nicht alle Menschen unter belastenden Lebensbedingungen erkrankten. Einige blieben relativ gesund, andere wiederum nicht. Erste Ergebnisse lagen schon in den späten 60er und frühen 70 er Jahren vor. Diese Gesundheitsunterschiede waren nicht beeinflusst durch unterschiedliche körperliche bzw. bio-medizinische Gegebenheiten der betroffenen Personen, sondern waren vor allem durch psychologische, psychosoziale und sozial-strukturelle Faktoren bedingt. Damit waren erstmals psychische und soziale Faktoren gefunden, die den gesundheitsschädigenden Wirkungen von Stress und anderen risikohaften Lebensbedingungen entgegen wirken, sie neutralisieren oder gar aufheben können - oder andererseits auch verstärken können. In unterschiedlicher Weise werden diese Faktoren als protektive Gesundheitsfaktoren, als Schutzfaktoren oder Gesundheitsressourcen bezeichnet.

Beeindruckend sind vor allem Forschungen über Kinder und Erwachsene, die psychisch und somatisch erstaunlich gesund blieben, obwohl sie extrem belastenden Lebensbedingungen ausgesetzt waren (z. B. massive psychosoziale Stressbelastungen, Vernachlässigung oder Misshandlung bei Kindern, KZ-Aufenthalt bei Erwachsenen u. a.).

Daraus ist die so genannte Resilienzforschung entstanden. Sie richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Erfassung solcher Bedingungen und Faktoren, die den Menschen - trotz vorhandener Risiken und Belastungen - vor der Entwicklung von körperlichen, psychischen und psychosomatischen Erkrankungen schützen oder diese Faktoren abmildern.

Es wird also nicht mehr die typische Frage der Risikoforschung verfolgt "Was macht den Menschen krank? Wie lassen sich Krankheitsrisiken vermeiden?" sondern im Mittelpunkt steht jetzt die Frage "Was macht den Menschen gesund, was hält ihn trotz Risiken und Belastungen stabil?" In der Risiko- und Belastungsforschung werden die gefährdenden Faktoren in den Blick genommen, um daraus Rückschlüsse auf Heilung zu ziehen, in der Resilienzforschung werden aufbauende, schützende, heilende Faktoren aufgesucht und erforscht.

Um es zu betonen, protektive Faktoren bestehen nicht einfach aus der Abwesenheit von Risiken oder Belastungen, sondern sie beinhalten spezifische Faktoren, die den Einfluss von Risikofaktoren abschwächen und positive Entwicklungstendenzen fördern.

Wesentlichen Entwicklungsschub gaben die Forschungen zum transaktionalen Stress-Coping-Modell der Forschungsgruppe um Richard A. Lazarus, zum "hardiness"-Konzept von Suzanne C. Kobasa, zum Konzept der "self-efficacy" von Bandura und vor allem in jüngster Zeit das von Aaron Antonovsky entwickelte Salutogenesemodell (vgl. zusammenfassend Schubert, 2004). Letzteres soll wegen seiner umfassenden Aussagekraft kurz umrissen werden.

Das Salutogenesemodell von Antonovsky

Salutogenese (= lat.-griech. Wortneuschöpfung für "Entstehung von Gesundheit")

Antonovsky erkennt zweierlei Arten von Schutzfaktoren bzw. Ressourcen, die ein Mensch zur Bewältigung von Lebensanforderungen und zur Salutogenese benötigt:

"generalisierte Wiederstandsressourcen" (GSR) und "Kohärenzgefühl" (SOC).

Kohärenzgefühl

Kohärenzgefühl ("sense of coherence" SOC, in deutscher Übersetzung auch als "Kohärenzsinn" bezeichnet) gilt als zentraler persönlicher Schutzfaktor. Es ist eine grundlegende Lebenseinstellung eines Menschen und drückt sich auf drei Ebenen aus (Handlungs-, Verstehens- und Sinnebene). Gesundheitlich stabile (resiliente) Menschen weisen ein hohes Kohärenzgefühl auf:

Gesundheitlich labile Menschen weisen hingegen ein gering ausgeprägtes Kohärenzgefühl auf.

"Generalisierte Widerstandsressourcen" (general resistance ressources, GRR) sind bedeutsam, um Schutz und Widerstand gegen körperliche, psychische und soziale Stressoren aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Diese Ressourcen sind im Individuum zu finden, in seinem sozialen Nahraum, seiner Lebens- und Arbeitswelt, in den zwischenmenschlicher Beziehungen und in den gesellschaftlich-kulturellen Strukturen und Bedingungen; bedeutsam sind ebenfalls die materiellen Ressourcen, die ein Mensch hat.

Widerstandsressourcen sind somit die Potenziale, die aktiviert werden müssen, wenn Lebensbelastungen, Konflikte und Krisen, aber auch handfeste Krankheitserreger, Schadstoffe usw. auftreten und bewältigt werden sollen.

Für das praktische Leben, für die Entwicklung von Gesundheit und für die Bewältigung besonderer Lebensanforderungen ist es bedeutsam, dass es nicht ausreicht, lediglich Widerstandsressourcen zur Verfügung zu haben. Nach dem Salutogenesemodell können Ressourcen erst dann wirksam eingesetzt werden, wenn der Mensch einen hohen Kohärenzsinn besitzt und dementsprechend Ressourcen erkennen und sinnvoll nutzten kann. Menschen mit geringem Kohärenzgefühl sind hingegen kaum in der Lage, zur Verfügung stehende materielle, soziale oder persönliche Ressourcen für ihre Lebensbewältigung und Gesundheit wirksam einzusetzen.

Das Kohärenzgefühl ist demnach das entscheidende Scharnier, das Hilferessourcen nutzbar macht und auf eine positive Lebensbewältigung und allgemein auf Gesundheit hinführt, und umgekehrt, auch für eine unzureichende, labile Gesundheitsentwicklung verantwortlich ist. Erst mit Hilfe des Kohärenzgefühls sind Menschen in der Lage, die Ressourcen, die ihre Lebenswelt bereit hält, angemessen zu nutzen.

Das hat weit reichende Bedeutung für die derzeit übliche Praxis in sozialen Wohlfahrtsstaaten: Für eine gelingende Lebensführung ist es nicht hinreichend, Ressourcen einfach zur Verfügung zu stellen. Diesen weit verbreiteten naiven Glauben müssen wir aufgeben. Der Mensch braucht eine entsprechende Lebenshaltung, ein Kohärenzgefühl, um die in Ressourcen enthaltenen förderlichen Potenziale zur Entfaltung zu bringen und zu nutzen. Hier liegen wichtige Aufgaben und Handlungsfelder für eine moderne Konzeption von Gesundheitsförderung, von Sozialer Arbeit, Psychotherapie und psychosozialer Beratung (vgl. auch Schubert, 2002).

Schutzfaktoren-Profil

Ob belastende Lebensbedingungen zu somatischen, psychischen oder psychosomatischen Beeinträchtigungen oder Erkrankungen führen, hängt entscheidend davon ab, wie solche Belastungen subjektiv erlebt und verarbeitet werden und welche Handlungsmöglichkeiten und soziale Unterstützungsmöglichkeiten ein Individuum hat und nutzt. In den modernen Lebenswelten sind Bedingungen, die Risiken und Belastungen auslösen, aus vielerlei Gründen nicht grundsätzlich zu beseitigen. Daher hat die Frage nach Schutzfaktoren und Ressourcen hohe Relevanz, was in dieser Bedeutsamkeit allerdings immer noch zu wenig beachtet wird.

Welche Faktoren bzw. welches Faktorenmuster fördert nun eine gelingende Lebensführung und eine gesundheitliche (psychische und physische) Stabilisierung? Die oben angeführten Untersuchungen vermitteln folgendes Bild: Entscheidend beeinflusst wird das Verhältnis zwischen Lebensbelastungen/ Stressoren einerseits und Erkrankung/ Gesunderhaltung bzw. Beeinträchtigung/ Förderung von Lebensbewältigungskompetenzen andererseits durch drei grundlegende Muster:

Mit Hilfe dieser drei Grundmuster ist es möglich, den spezifischen Einfluss belastender Lebensbedingungen auf eine Person zu erfassen, zu verstehen und zu verändern. Gelingende Lebensführung ist um so eher zu erwarten, je mehr eine Person personale, soziale und materielle Ressourcen zur Verfügung hat (generalisierte Widerstandsressourcen) und sie auch angemessen erfassen, handhaben und nutzen kann. Unter dem Paradigma der Belastungs-Bewältigungsforschung sind damit die zentralen Ansatzpunkte für die Entwicklung und Gestaltung von individuellem Lebensgeschick, psychischer Stabilität und Gesundheit formuliert (ausführlicher Schubert, 2004).

Daraus lässt sich ein Profil von Schutzfaktoren für gesunde und gelingende Lebensführung zeichnen.

Individuelle Protektivfaktoren

Hoch wirksame Schutzfaktoren sind Lebensauffassungen, Lebensstil und Persönlichkeitseigenschaften, die in einer bestimmten Art und Weise mit belastenden Lebensereignissen umgehen. Menschen mit hoher Resilienz, d.h. mit gut entwickelten protektiven bzw. salutogenetischen Faktoren (Schutzfaktoren), sind engagiert und neugierig in ihren verschiedenen Lebensbereichen. Sie haben eine aktive Lebenseinstellung und sind aufgrund von Erfahrungen überzeugt, durch tatkräftiges eigenes Handeln, bzw. mit Unterstützung Anderer, anstehende Belastungen bewältigen zu können, also Einfluss auf die Anforderungen des Lebens zu haben (Selbstwirksamkeitserwartung). Sie fühlen sich den Lebensanforderungen nicht hilflos gegenüber. Erfolge schreiben sie ihren persönlichen Fähigkeiten zu und nicht dem Zufall (Kontrollüberzeugung anstelle Hilflosigkeit). Sie handeln gewissenhaft und sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Dabei sind sie weniger grüblerisch, sondern haben eine optimistische Lebenseinstellung und Freude am Erfolg. Insgesamt zeichnet sich dieses Eigenschaftsmuster durch ein starkes und fundiertes Selbstwertgefühl aus, das sowohl Voraussetzung wie auch Folge ihrer resilienten Eigenschaften ist.

Als ein weiterer zentraler Schutzfaktor gilt die emotional-kognitive Fähigkeit, belastende Ereignisse nicht als Bedrohung oder als unkontrollierbar zu erleben. Resiliente Menschen haben wenig Ängstlichkeit gegenüber Lebensanforderungen und Veränderungen, sie fühlen sich dadurch eher herausgefordert und verstehen sie in irgendeiner Weise als sinnhaft in ihrem Leben. Veränderungen erleben sie als Möglichkeiten für neue Erfahrungen und persönliches Wachstum (Herausforderung annehmen; den Ereignissen Sinn geben). Das setzt geistige Offenheit und Beweglichkeit wie auch lebenspraktische Intelligenz voraus. Derartige Einstellungen und Erfahrungen bilden gute Voraussetzungen für die Entwicklung von starkem Selbstvertrauen und für Zuversicht in Bezug auf eigene Tüchtigkeit und Wirksamkeit. Das wiederum begünstigt die Entwicklung von persönlichen und sozialen Schutzfaktoren.

Als integrierender Schutzfaktor wird immer wieder Kommunikationsfähigkeit herausgestellt, die Fähigkeit Beziehungen herzustellen, über sich und die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen zu sprechen, sich auszusprechen und die Fähigkeit, Rat und Unterstützung einzuholen bzw. sich nicht zu schämen, Hilfe zu benötigen.

Wissenschaftlich belegt ist damit eine alte philosophische Weisheit, wie sie die Stoiker zum Ausdruck brachten: Es sind nicht die Dinge/Ereignisse, die uns belasten oder krank machen, sondern die Art, wie wir sie empfinden, darüber denken und damit umgehen. Unsere Einstellungen und Überzeugungen, unsere inneren Konstrukte über die Ereignisse, tragen wesentlich dazu bei, krank zu werden oder gesund zu bleiben.

Soziale Schutzfaktoren

Umfangreiche Ergebnisse liegen über die Wirkung von sozialen Schutzfaktoren vor. Sie sind im Wesentliche im Rahmen von sozialer Unterstützung und Eingebundenheit zu finden. Soziale Unterstützung vermittelt dem Einzelnen, dass er umsorgt, geschätzt und geachtet wird und dass er Teil eines sozialen Netzwerkes gegenseitiger Hilfe und Verpflichtung ist. Unterstützung beruht auf den Interaktionen zwischen zwei oder mehreren Menschen und hat primär funktionale Bedeutung im Sinne von erhaltener oder erwarteter Hilfeleistung.

Umfangreiche Untersuchungen liegen über die stabilisierende Wirkung von Familienbeziehungen vor (vgl. Eickhoff & Zinnecker, 2000). Aus Platzgründen soll hier nur eine kurz gehaltene Skizzierung erfolgen. Am häufigsten belegt ist die Wirkungsweise von Unterstützung, Einfühlung und Verständnis der Eltern dem Kind gegenüber, was auch die respektvolle Unterstützung seiner Unabhängigkeit und autonomen Verhaltensweisen beinhaltet. Als weiterer Schutzfaktor ist ein aufmerksames und einfühlsames, zugleich aber auch konsequentes Erziehungsverhalten der Eltern belegt.

Bedeutsam ist zudem das Familienklima für eine körperlich wie psychisch gesunde Entwicklung des Kindes. Resilienzfaktoren sind hierbei ein emotional offenes und harmonisches Familienklima mit emotionaler Verbundenheit (Zusammenhalt) und gemeinsamen Aktivitäten (Mahlzeiten, Freizeitgestaltung). Konflikte werden nicht vermieden, sondern von den Eltern werden konstruktive Konfliktlösungen und Bewältigungsstrategien vorgelebt.

Als allgemein resilient für die psychische und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bestätigen die Untersuchungen das Aufwachsen bei beiden biologischen Eltern. Wo diesbezüglich Defizite vorliegen, ist die Bedeutung einer länger anhaltenden positiven Beziehung zu mindestens einem Erwachsenen umfassend belegt: Sind Kinder extremen sozialen und familiären Risiken und Belastungen ausgesetzt, so weisen sie trotzdem relativ gute psychophysische Entwicklungen auf, wenn sie eine anhaltende positive Beziehung zu mindestens einem Elternteil oder zu einer anderen erwachsenen Bezugsperson haben (Verwandte, Lehrer, Eltern von Freunden u. a.). Eine solche Beziehung erweist sich als hoch wirksamer Schutzfaktor.

Weitere bedeutsame Schutzfaktoren liefern positiv gestaltete Beziehungen und Anerkennung außerhalb der Familie, zu Verwandtschaft, Nachbarschaft und zu Gleichaltrigen, die positive Bewältigungskompetenzen und normen-orientiertes Verhalten aufweisen. Resilient wirken Anerkennung und soziale Integration in Schule, Arbeitsteam und anderen fest strukturierten Lebensbereichen. Soziale Unterstützung durch Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn u. a. und die persönliche Fähigkeit, Unterstützung einzuholen, ist ebenfalls als erstrangiger Schutzfaktor nachgewiesen.

Schließlich seien noch die komplexen sozial-strukturellen Schutzfaktoren angeführt: guter Bildungsstand, Berufsstatus und sozialökonomischer Status des/der Betroffenen und seiner Eltern, Einbettung in ein günstiges soziales Umfeld, soziale Integration und Anerkennung der Familie in Nachbarschaft und Gemeinde und daraus resultierende gegenseitige Unterstützungsmöglichkeiten.

Die einzelnen individuellen und sozialen Schutzfaktoren beeinflussen sich gegenseitig und unterstützen sich in ihrer Wirksamkeit bzw. sind Voraussetzung für den Aufbau weiterer Schutzfaktoren (z. B. Zusammenwirken von familiären und individuellen Schutzfaktoren mit Schutzfaktoren im sozialen Umfeld). Andererseits kann man davon ausgehen, dass das Risiko für körperliche wie psychische Erkrankung und psychosoziale Destabilisierung eines Menschen markant erhöht ist, wo soziale Schutzfaktoren fehlen.

Schlussfolgerungen

In einer Zusammenschau der umfangreichen Untersuchungsergebnisse ist festzustellen:

Gesundheit ist mehr als nur die Abwesenheit von Krankheit. Entwicklung von Gesundheit beinhaltet eine bessere Bewältigung alltäglicher Anforderungen, bessere Widerstandsfähigkeit und besseres Management von Lebensanforderungen und Lebenskrisen, insgesamt mehr Lebenszufriedenheit und Lebensfreude. Auf öffentlicher Ebene kann das zudem einen nicht unerheblichen Beitrag zur Reduzierung der Kostenexplosion im Gesundheitswesen liefern.


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Der Autor:

Prof. Dr. Franz-Christian Schubert

  • Dr.phil.,
  • Diplom-Psychologe,
  • Professor für Psychosoziale Hygiene, Erziehungspsychologie und Psychotherapie am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein Mönchengladbach,
  • nebenamtl. praktizierender Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor (DGSv, BDB, DGSF) und Lehrtherapeut (DGSF),
  • Ausbildungen in Verhaltenstherapie, Familientherapie, Kognitiver Psychotherapie (RET) und Verfahren der Humanistischen Psychotherapie,
  • systemisch fundierte Lehr- und Praxisgebiete sind Ehe- und Familienpsychologie und -therapie, Beratung bei Partnerschafts-, Ehe- und Scheidungskonflikten, weiterhin Selbsterfahrungstrainings im Rahmen von Studien- und Ausbildungsgängen, Theorie-Praxisprojekte zur Arbeit mit Suchterkrankungen.
  • Ein weiteres Forschungs- und Praxisinteresse gilt der sozial-ökologisch und lebensweltorientierten Sozialarbeit und ihrer systemisch fundierte Weiterentwicklung sowie dem Transfer von Ergebnissen aus der psychologischen und psychosozialen Gesundheits- und Belastungsforschung auf Denk- und Handlungsmodelle für eine präventiv und ressourcen-orientierte Sozialarbeit bzw. einer beratenden oder begleitenden Arbeit zur Bewältigung von belastenden Lebensereignissen im Lebenswelt- (System-) Kontext.
  • Zahlreiche Veröffentlichungen, Kongressbeiträge und Workshops zu den genannten Arbeitsgebieten.

eMail: franz-christian.schubert@fh-niederrhein.de


Veröffentlichungsdatum: Juni 2005


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