Netz: Das Thema "Netz"

von Hans-Christoph Vogel (Februar 2002)

Vernetzende Zusammenhänge: Vorbemerkungen

  1. Das Denken in Netzen hat Konjunktur: Wir lesen täglich von Inter-Net, von neuen Netzen der Telekommunikation, von wirtschaftlichen Netzen (Allianzen). Aber auch Biologie oder Informatik benutzen die Metapher des Netzes. Es entspricht der Mode, und wir kämen vermutlich ohne diesen Begriff gar nicht mehr aus ... auch nicht die Soziale Arbeit.

  2. Der Netzgedanke ist jedoch nicht neu (er hatte schon einmal Konjunktur): s. die "alte Gemeinwesenarbeit" der 70'er Jahre oder die Netze der Subkulturen, der Protestbewegungen in den USA.

  3. Die Globalisierung führt uns vor Augen, daß andere Formen des Verbundes als die festgefügter Gebilde mit standardisierten Formen der Zusammenarbeit angebracht sind, daß wir es zunehmend eher mit "losen", netzartigen, vielfach verschachtelten Verbindungen zu tun haben.

  4. Der Sozialstaat trägt immer schwerer an seinen Ansprüchen, und zugleich entzieht er sich einer effizienten Steuerung: s. beispielsweise der Ruf nach dem schlanken Staat, nach Wettbewerb und stärkerer Selbst-Organisation, nach einem Sozialmanagement, einem Kontraktmanagement, s. auch die Qualitätsdiskussion, die Steuerungsmodelle, die Forderung nach Wettbewerbs-Vergleichen zwischen Trägern oder die Forderung nach einer Orientierung am "Klassenbesten" (Benchmarking).

    Von einer Ver-Netzung der Angebote versprechen sich die Steuerer nicht nur eine Transparenz des Marktes von Angebot und Nachfrage, sondern auch eine Reduktion der Kosten durch Abstimmung der Angebote, effizientere Kopplungen, Vermeiden von Doppelangeboten, aber auch eine stärkere Orientierung an Nachfrage bzw. Bedarf.

  5. Es sei daran erinnert, daß Soziale Arbeit seit langem Bereits gesetzlich verankerte Vernetzungen mit z.T. wichtigen Funktionen kennt, wie den Jugendhilfeausschuß, den Sozialausschuß oder die seit der Novellierung des KJHG vorgeschriebenen "Hilfekonferenzen".

    Die Sozialgesetze der BRD setzen diese Entwicklung unter den Vorzeichen eines freien, mit Kosteneinsparungen verbundenen Wettbewerbs unter den Trägern fort. Sie verlangen neuerdings "Leistungsvereinbarungen": s. §§ 77 - 78 a - g KJHG und § 93 BSHG, d.h. daß Vereinbarungen, Kontrakte zwischen Staat und Wohlfahrtsverbänden oder generell: Anbietern Sozialer (Dienst-)Leistungen geschlossen werden müssen. Das erlaubt nicht länger eine Vergabe nach Tradition, nach Ansehen der Träger, i. S. eines Korporatismus, sondern bedeutet fachliche Gespräche, Vergleiche mit anderen Trägern, Abstimmungen etc. Diese Vereinbarungen bedeuten: "Vernetzungen" i. S. der zuvor erwähnten Abgleichungen, Absprachen, Angebotsvergleichen.

  6. Die Grenzen der Therapeutisierung, der Einzelfallhilfe, die Abkehr vom Fall rufen nach einer Ergänzung individueller Hilfen durch Soziale Hilfen, rufen nach dem Aufbau eines Netzes Sozialer Hilfeleistungen, in denen das Einbeziehen des Sozialen Kontextes ("Ökologischer Ansatz") eine zentrale Rolle spielt.

  7. Die "Normalisierung" Sozialer Arbeit, das Aufgehen in "Bürgerarbeit", einer Arbeit in und mit Stadtteilen, bedeutet Vernetzung mit allen Formen gesellschaftlicher bzw. kommunaler Arbeit. Gegenstand der Arbeit werden stärker als in den Jahren zuvor, als Probleme einer Gesellschaft (Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Hilflosigkeit im Alter usw.) angesehen bzw. als Probleme eines Gemeinwesens.

  8. Die Kritik am Korporatismus als einer "unsauberen", undurchschaubaren Form der Zusammenarbeit läßt nach transparenteren, offen-abgestimmten Formen suchen, d.h. nach sozialen Netzwerken.

  9. Von Netzarbeit können wir nur reden, wenn wir uns vorstellen können, wie wir in oder mit Netzen arbeiten, wenn wir über Methoden verfügen, die sich dann im entstehenden Netz weiterentwickeln. Eine solche "Netzarbeit" als Methode Sozialer Arbeit beginnt sich zu entwickeln (s. z.B. Kähler 1983, Kähler 1997; Grosser 1998). Sie bedarf aber einer weiteren theoretischen Fundierung - will sie anderes leisten als eine Mode oder eine "Bewegung", will sie zur Veränderung der Nicht-Netz-Strukturen anregen. Dazu werden wir unten das Konzept einer Beschreibung ("Kybernetik") 2. Ordnung heranziehen, um Netzarbeit zu beschreiben und gleichzeitig Orientierung zu geben für eine Soziale Arbeit, die vernetzt oder - in der Sprache dieses Konzepts - die Inklusionschancen Exkludierter vergrößert.

Vernetzung/Netzarbeit: Wer vernetzt was und wen?

  1. Träger Sozialer Arbeit kooperieren, tauschen sich aus über fachliche, organisatorische Probleme, helfen sich bei Notlagen, leiten Klienten weiter, stimmen sich in ihren Angeboten ab. Nennen sie dies ein Netzwerk, verpflichten sie sich zu einer verstetigten, nicht-zufälligen Vernetzung.

  2. Kommunale Stellen (insbes. Jugendamt/Sozialamt/Stadtteilbüros) stimmen sich mit Trägern Sozialer Arbeit ab und sind gesetzlich auch dazu angehalten (s. § 93 BSHG "Leistungsvereinbarungen").

  3. In Kooperationen von kommunalen Organisationen und freien Trägern werden andere Gruppen / Organisationen einbezogen (Ehrenamtliche, Vereine, Kirchengemeinden, Schulen usw.). Dies hat sicher auch ökonomische Hintergründe, aber diese Arbeit ist ja nicht neu, hat lange Tradition, und andere als ökonomische Gründe. Es wird vielerorts bedauert, daß die Ehrenamtlichen zunehmend schwerer zu gewinnen sind.

  4. Das Klientel wird in seinen Fähigkeiten unterstützt, indem es sich an seiner wie an fremdbezüglicher Hilfe beteiligt: So werden etwa Familien in der Vernetzung ihrer Familienbande unterstützt und erhalten gleichzeitig Hilfe von einer hilfebedürftigen Umwelt (z.B. Arbeitslose organisieren Umzüge für Familien, die dazu alleine nicht fähig wären).

  5. "Spezialisten", bestimmte Berufsgruppen oder Mitarbeiter in ähnlichen Projekten bilden auf regionaler Basis Arbeitsgruppen bzw. -gemeinschaften.

  6. Kooperation auf kommunaler Basis in gemeinsamen Projekten wie einer "Arbeitsmarktkonferenz" zwischen Sozialen Trägern, kommunalen Organisationen, Arbeitgebervertretern, Kirchen (Kirche mit Kirche, Amtskirche mir kirchlichem Träger), Selbsthilfegruppen, Gewerkschaften etc. Soziale Arbeit bezeichnet sich dabei gelegentlich eher als Bürgerarbeit denn als herkömmliche "Sozialarbeit".

  7. Überregionale Diskussionsnetze Sozialer Arbeit treffen sich im Medium Internet.

  8. Wir können geregelte, dauerhafte Verbindungen (Vernetzungen) der Hochschule mit spezifischen Trägern oder Arbeitsfeldern beobachten. Unser Kreis der europäischer Hochschulen hat sich gebildet, ein Kreis, der ja auch Verbindungen zu Trägern Sozialer Arbeit bedeutet, dessen Ergebnisse in Soziale Arbeit einfließen (in sein Empowerment der Praxis).

Das Konzept einer "Kybernetik 2. Ordnung"

Unser Netz ist nicht das Netz Sozialer Arbeit. Als Hochschullehrer beobachten wir Soziale Arbeit, z.B. unsere hier diskutierten Netze, und fragen uns, wie wir diese Arbeit in und mit Netzen fördern können, so sie uns zweckmäßig erscheinen.

Solche Beobachtung profitiert zum einen von der empirische Erhebung, vom Austausch, von der Organisation von Diskussionen über Netze, sie profitiert aber auch davon, wie diese Beobachtung gestaltet ist. Sie kann davon nutznießen, wenn man, wie nachgehend, die Beobachtung dessen, was geschieht, zeitweise verläßt und beobachtet, wie die Netzdiskussionen selbst aussehen, wie sie ihre Netzwirklichkeit aufbauen und gestalten. Ein Beispiel: Ein Netz von Hochschullehrern sucht einen Anlaß oder eine Legitimation, sich wieder einmal zu treffen, und zwar sinnvoll, fruchtbringend zu treffen. Die Koordinatoren suchen ein Thema, das en vogue ist, hier und heute: das "Netz"-Thema. Fortan wird "Network" zu einem wesentlichen Thema der Sozialarbeit an mehreren Hochschulen in Europa, und es wandert sogar ins Internet, erscheint als Publikation, wird als Thema der Ausbildung eingeführt. Vermutlich ändert die Netz-Semantik auch das Netz der Hochschulen. Das heißt, daß das Produkt sich an seine Entstehung "erinnert". Es greift auf sich selbst zurück und entwickelt sich weiter. Wir haben es mit selbstbezüglichen (rekursiven) Schleifen, mit "seltsamen Schleifen" (strange loops) zu tun, die sich aus irgendeinem Anlaß, einer Zufälligkeit entwickeln, also nicht aus Notwendigkeiten, Gesetzmäßigkeiten, aus Geboten der Zeit. Soziale Systeme entwickeln sich aus sich [1].

Solche Beobachtung von Beobachtungen wird auch als "Kybernetik (die Kunst des Steuerns) 2. Ordnung" bezeichnet (s. H. v. Foerster 1992). Eine Beschreibung bzw. Kybernetik 1. Ordnung fragt dagegen nach der angemessenen Beschreibung, nach der richtigen Steuerung. Eine Kybernetik 2. Ordnung streitet nicht um das Richtige, sondern beobachtet das Wie der Beschreibungen.

Die Kybernetik 1. Ordnung hat sich seit geraumer Zeit schon als ein Denken in Systemen durchgesetzt: Wirkungen, Zusammenhänge werden nicht länger i. S. reduzierter Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge gesehen, sondern in Ketten, Kreisläufen, in reziproken Beziehungen, auch nicht länger in stetigen Fortschreibungen, sondern in exponentiellen Verläufen, in verzögerten Wirkungen, Beschleunigungen, Überdehnungen von Variablen (s. dazu : Senge, Die fünfte Disziplin, Stuttgart 1996; s. Vester, Leitmotiv vernetztes Denken, München 1989; s. auch Dörner, D., Die Logik des Mißlingens, Hamburg 1989).

Die Kybernetik 2. Ordnung (s. u. a. Foerster, H. v., Sicht und Einsicht, Braunschweig-Wiesbaden 1985; Luhmann, N., Soziale Systeme, Frankfurt 1985) beobachtet darüber hinaus, wie sich Soziale Systeme erstellen, wie sie sich in ihrer laufenden Kommunikation erreden. Dabei fällt ihr beispielsweise auf, daß die Steuerleute 1. Ordnung ihre sozialen Konstrukte, haben sie sie denn erredet, nicht länger als ein Pro-Dukt, sondern als ein von ihnen losgelöstes Phänomen, als ein reales Objekt, als eine von ihnen unabhängige Realität behandeln. Sie nennen, bezogen auf unseren Fall, ein solches Produkt ein "Netz", und sie sehen dann ihre Umgebung und sich selbst als ein solches Netzwerk (und z.B. nicht mehr als ein korporatistisches Geklüngel - "clique", "coterie").

Die Kybernetik 2. Ordnung oder Beschreibung 2. Ordnung schaut also nicht länger darauf, ob sie richtig oder falsch beobachtet, ob sie die Zeichen der Zeit richtig erkannt hat, sondern sie sieht das Reden und Beobachtungen als ein (reales) Er-Reden an und beobachtet es daraufhin, wie es redet. Sie beobachtet, also, wie die Beteiligten "sprachen", welche Unterscheidungen/Begrifflichkeiten sie verwenden [2].

Dazu zählt im besonderen die Verwendung der Unterscheidung "Netz" - "Nicht-Netz". Eine "Soziale Arbeit 2. Ordnung" beobachtet, wie sich die Kommunikation dadurch verändert, daß sie die Metapher der Netzes verwendet, welche Unterscheidungen (Begrifflichkeiten) damit angesprochen sind, d.h. wie Soziale Arbeit über sich und ihre Umwelt spricht, z.B. darüber, wer eingeschlossen und wer aus der Kommunikation ausgeschlossen wird.

Netze bedeuten eine bestimmte Form der Organisiertheit, und man kann diese Form daraufhin beobachten, welche Komplexität sie sich einhandelt und welche Folgen dies für ihren Umgang mit Kontingenz, d.h. mit Veränderungen, Überraschungen oder Ungewißheiten hat (s.unten). Sie beobachtet, wie die Netz-Kommunikation mit Zeit umgeht (mit Zukunft, Vergangenheit, in welchen Zeitkategorien), mit Raum bzw. Räumen (die Weite oder Enge, die Materialität oder die Substanzlosigkeit des Raums im Netzkonzept).

Alle Systeme, vor allem Hilfesysteme, heben zu ihrer Legitimation ihren sog. Auftrag hervor, blenden aber den Bezug zu sich selbst gerne aus. Sie erscheinen als selbstlose Systeme. Anders das Denken der 2. Ordnung, weil es beobachtet, daß alle Systeme immer auf sich zurückgreifen müssen, um ihren Bestand zu sichern und gleichzeitig ihre Umwelt, also ihren Auftrag im Auge haben müssen, also den Selbst- wie den Fremdbezug.

Soziale Arbeit, so die gegenwärtig viel verwendete Terminologie (s. Luhmann 1995), sucht in ihrer Arbeit aus den Funktionsbereichen der Gesellschaft Exkludierte zu inkludieren, also etwa Arbeitlose wieder zur Beschäftigung zu verhelfen oder Haftentlassene wieder in den Sozialen Kontext einzugliedern. Netze lassen sich daraufhin beobachten lassen, inwieweit sie eher als einzelne Organisationen in der Lage sind, Exkludierte zu inkludieren. Es scheint, daß ihre Exklusionskosten geringer ausfallen, weil der Einschluß, analog der Rolle der einzelnen Netzpartner zu ihrem Netz, eher partieller, eher freibleibender Natur ist.

Die Rolle der Sprache

Eine nicht unwesentliche Rolle der Netzarbeit spielt die Sprache: Sie unterscheidet nicht nur "Klienten" und "Helfer", sondern auch verschiedene Hilfeorganisationen z.B. "Ämter" und "freie", "gemeinnützige" und "gewerbliche" Träger.

Das Netz verknüpft solche Partner des Netzwerks, aber es trennt sie mit solcherlei Unterscheidungen auch wieder. Das Netz will seinem Klientel helfen und doch schließt es in der Sprache, d.h. in der Kommunikation, dieses Klientel als die "Objekte" der Hilfe aus.

Es begrenzt und temporalisiert diesen Ausschluß allerdings in den Fällen, in denen es das Klientel an der Hilfe für anderes Klientel einbezieht.

Die Netzpartner sprechen zum einen die Sprache des Netzes, reden also vom Vernetzen, sie sprechen aber auch die je eigene Sprache der Netzpartner. Und die mag differieren zwischen einem kirchlichen und einem frei-gewerblichen Träger, einer "Arbeiter-Wohlfahrt" und einer "Seel-Sorge".

Die Kooperation erscheint insbesondere dann beschwerlich zu werden, wenn hoheitliches Einschließen auf partnerschaftliches Begleiten trifft, Straßensozialarbeit auf beschütztes Wohnen.

Zur Sprache zählt ihr Merkmal der Abstraktion. Wer gelernt hat oder lernen mußte, im Hier und Jetzt sich zu behaupten, wer mit dem Überleben zu tun hat, wer nicht gelernt hat, zu abstrahieren, spricht "indexikal", bleibt in den situativen Bezügen des Hier und Jetzt stecken, vermag nicht zu abstrahieren, wie es ein Sozialarbeiter gelernt hat, weil man ihm in der Ausbildung immer wieder vorhielt, zwar den Fall zu schildern, aber zugleich von ihm zu abstrahieren, zu generalisieren, auf die Ebene eines Prinzips oder einer Theorie zu holen.

Das Gutachten der KGST zum Kontraktmanagement führt aus, daß die Beteiligung Betroffener (Bürger oder Klienten) in Planungsprozessen oder in Hilfeplanverfahren nach dem KJHG häufig "... durch eine mittelschichtorientierte Form der Gesprächsführung dominiert ... wird (d. Verf.). Dadurch werden jedoch in aller Regel genau die Bevölkerungsgruppen erneut ausgegrenzt, die ohnehin von den gesellschaftlichen Ressourcen "abgeschnitten" sind und nicht zuletzt deshalb zum Klientel sozialer Arbeit geworden sind." (KGST-Gutachten 12/1998, S. 33)

Wenn man sich, wie in unserem Denkansatz, vergegenwärtigt, daß wir bzw. die Klienten bzw. das Netz in der Sprache lebt, wird deutlich, daß Kooperation im Netz von einer gemeinsamen Sprache lebt. Eingeschlossen darin sind die Bewertungen von Begriffen bzw. Unterscheidungen sowie implizite Attributionen und Erklärungen (wenn z.B. jemand sagt, daß er "etwas dort gelernt habe", so erklärt er etwas; denn er stellt einen Zusammenhang her zwischen Ereignissen des Jetzt und denen zuvor und unterstellt, daß letztere die Ursache für das heutige Ereignis/Ergebnis darstellen).

Solche Erklärungen sind impliziert, sind nicht bewußt, ebensowenig die an Schicht, unterschiedliche Kulturen, Geschlecht oder Erziehung gebundenen Bewertungen, die mit Begriffen verbunden sind.

Was der heutigen exkludierten Person zugemutet wird, ist zudem eine semantische Herkulesarbeit oder eine hochentwickelte Sprachkunst, nämlich die verschiedenen Semantiken der einzelnen Funktionssysteme (Wirtschaft, Kirche, Hochschule, Arbeitsorganisation etc.) zu "beherrschen", und über seine eigene Selbstreferenz (über sich als eigene Person) zu übersetzen und zu verbinden (Nassehi 1993, 348). Der Inkludierte hat seine liebe Mühe damit zu lernen und laufend zu üben, wo man wie spricht, der Exkludierte ist nicht lediglich aus den Funktionsbereichen exkludiert, er ist zudem aus dieser Übung des Koppelns, Vereinbarens, Übersetzens exkludiert.

Das Netz kann den Turmbau zu Babel nicht ungeschehen machen, aber es kann vielleicht eher als kolossale Bauvorhaben unperfekte Kommunikation aufbauen, weil es die Perfektion, angesichts der internen Sprachverwirrungen, gar nicht erst zu seinem erklärten Ziel macht.

Das Netz als Metapher

Eine Metapher überträgt ein komplexes, oft nicht ganz oder noch nicht ganz beschreibbaren Phänomen eine vertraute Gestalt, eine Kurzform, die vertraut erscheint: Das "Netz" ist wohlbekannt für seine Verstrickungen. Es wird nun, - wie ein Netz - auf neuartige Vorgänge wie die elektronisch - vermittelten Verknüpfungen des "Internets" gelegt, oder, in unserem Fall, auf neue Formen der Kooperation zwischen Trägern und Trägern und Klineten. Die Metapher, hier unser Netz, gibt " ... einem unvertrauten oder unzureichend strukturierten Erfahrungsbereich eine neue Klarheit" (Krippendorff 1990, 17). Im Grunde handelt es sich um einen Austausch, um einen Etikettenschwindel, der jedoch wichtige Funktionen leistet: Er schafft Anschlüsse, wo sonst Sprachlosigkeit herrschte, er ermöglicht Kommunikation, er grenzt den Inhalt der Kommunikation auf etwas ab und grenzt etwas aus, das Nicht-Netz, er eignet sich als Thema einer Konferenz wie dieser.

Worauf weist diese Metapher des "Netzes" nun hin?

Die Wahl einer Metapher steht frei, aber die Folgen sind nicht beliebig. Die "Netz-Matapher" legt sich auf die Kommunikation und verändert ihren Blick, z.B. in Form der Verbindungen (in Kontrast zu den Unterschieden), die nun ins Zentrum rücken. Der Beobachter sieht mehr Verbindungen, er sieht sie nach allen Seiten ausgehen, er sieht eher die Kontrakte unter Gleichen, denn die Dominanz weniger. Er sieht eher die Angewiesenheit aufeinander als Abgeschottetheit, eher die Möglichkeiten weiterer Verbindungen als die Isolation, Abgeschiedenheit, Begrenztheit.

In der Arbeit mit Klienten wird dann z.B. deutlich, wer zu einem Klienten Verbindungen hat, auch wenn sie nur loser Art sind. Die Frage lautet nicht länger: "Wie kann das Hilfesystem dem Ausgegrenzten helfen?", sondern: "Wie können bestehende Verbindungen verstärkt oder erweitert werden?" . Die Beobachtung ist auf Potentialität, weniger auf defizitäre Festschreibungen angelegt [3].

Die Metapher des Netzes wird häufig in der Biologie verwendet, vor allem der Hirnbiologie. Sie läßt erkennen, daß eine Topolgie der Hirnbereiche zwar Anhaltspunkte für bestimmte Typen der Verarbeitung von Signalen gibt, z.B. derart, daß die linke und die rechte Gehirnhälfte für "analytische" bzw. "ganzheitliche" oder "analoge" Prozeßverarbeitungen stehen ("zuständig" sind), aber wir beobachten heute, daß gleichwohl die Übernahme von Funktionen scheinbar spezialisierter Zellbereiche möglich und sogar üblich ist, vor allem bei Ausfall von Zellbereichen bzw. Zellen. Zellen scheinen also dank eines Systems der Vernetzung ungemein "lernfähig" zu sein. Das Bewußtsein lebt vom "helfenden" Verbund.

Diese Analogien können "falsch" sein, aber sie bleiben darum nicht wirkungslos: Sie werden zu Realitäten, indem Verweise, wie das "Aufeinander-Angewiesensein" oder das "Aushelfen" Richtungen anzeigen und damit die Kommunikation bzw. das Verhalten erkennbar ändern. Damit "ist" die Kommunikation nicht notwendig ein Netz, gleich dem biologischen Hirnsystem, aber sie ändert sich: Sie spricht anders bzw. handelt anders als zuvor. Sie ermuntert z.B. ein System, nach anderen zu schauen, die mit ähnlichen Aufgaben befaßt sind, oder sie läßt längere Verbindungsketten sehen, fragt z.B. was nach der Arbeit mit Klienten dieser Organisation in anderen geschieht. Sie fragt, fragt nach, erhält Antworten, die die eigene Arbeit verändern usw. usw.

Metaphern stellen Unterscheidungen dar, die an die Stelle anderer, vorheriger Unterscheidungen treten. Sie eröffnen damit die Sicht auf die bisherige Sicht, sie sehen, wie gesehen wurde. Wer von "Netz" spricht, beobachtet, wie er zuvor sprach, also z. B. von "Mitbewerbern", "Einrichtungen aus anderen Wohlfahrtsverbänden", "Gewerblichen Trägern", "Konkurrenten" usw.. Wer sich so beobachtet, bleibt nicht länger der Beobachter, der er zuvor war; denn er fragt sich, warum, ob oder in welcher Weise der andere beispielsweise sein Konkurrent sei, ober er nicht auch Kollege sei. Es wird vielleicht deutlich, in welchen Verbindungen Teile der Organisation oder Mitarbeitergruppen usw. in nicht-konkurrenzhaften, also "vernetzten" Beziehungen stehen, etwa in Gestalt von berufspolitischen Vereinigungen, Arbeitsgemeinschaften, Mitgliedschaft in Parteien usw.

Es gibt also nicht die "richtige" Metapher und die "wahre" Realität. Die Kommunikation, geführt, gelenkt durch eine Metapher, macht Realitäten. Sprache heißt auch Handeln. Das Sprechen über das Netz vernetzt, das Sprechen in "Konkurrenz" konkurriert, das in der Metapher des "Marktes" handelt (händelt) [4].

Aber die Sprache, die Metapher, stellt kein Abbild dar. Sie ist unser Instrument der Beobachtung, ein Instrument, das immer auch durch die latente Gegenseite wirkt, das Nicht-Netz, die Unverbundenheit, das Nebeneinander oder die inszenierte Kooperation zur Imagepflege.

Wenn man die andere Seite des Netzes in Rechnung stellt, wird offenkundig, daß die Netz-Metapher die Vernetzung nicht garantiert.

Die Garantie verwehrt sich auch deshalb, weil der Netzverbund zwar ein System für sich bildet, weil aber der Kontext der je eigenen Systeme im Hintergrund verbleibt [5]. Die Partner bilden eine neue Kommunikation und verstören ihren System-Hintergrund, aber geben sich nicht auf, fallen immer wieder auf sich zurück.

Im Reden verzaubern wir uns selbst. Wir vernetzen uns durch unsere Sprache. Aber Sprache bleibt Sprache. Sie verweist auf ein Netz, aber "ist" nicht das Netz. Die Landkarte ist nicht das Land, sie kann das Bezeichnete nie erreichen. Sie kann "Netz" sagen, aber garantiert damit noch keinen erfolgreichen E-Mail-Versand.

Netze und Kontingenz

Die oben kurz skizzierte Systemlehre sieht das Netz als ein System gegenseitiger Erwartungen, die sich verfestigen, die erwartbar werden. Soziale Systeme haben es mit einer doppelten Kontingenz zu tun: jeder der Mitspieler (Netzpartner) muß sich selbst für oder gegen etwas entscheiden und zugleich überlegen, wie wohl der Andere auf diese seine Entscheidung reagieren wird. Jeder der Partner bleibt für den anderen eine black box. Man muß also zunächst von Indeterminiertheit, Unberechenbarkeit ausgehen, nicht von Berechenbarkeit. Sie wird im Laufe der Interaktionen Strukturen Raum geben, die das Unberechenbare berechenbarer werden lassen, gleichwohl bleibt ein unberechenbarer Rest.

Vertrauen in die Erfüllung vereinbarter Kontrakte spielt darum in solchen offenen, nicht oder nur gering formalisierten Netzstrukturen eine nicht unwesentliche Rolle (s. Luhmann 1985, S. 179 ff.).

Die Ausführungen zur Metapher hoben die Offenheit des Netzes gegenüber anderen Strukturformen hervor, ihren Tauschcharakter, ihr Abwägen und ihr Offenbleiben, ihre vergleichsweise hohe Kontingenz, können wir nun hinzufügen.

Systeme, die, wie die Netzstruktur, eine hohe Komplexität aufweisen, können aber auch ein Mehr an Kontingenz ertragen, zulassen, können sich auf Ungereimtheiten, Ungewißheit, Neuheit einlassen. Netzpartner gehen, anders als die fest verpflichteten Mitglieder einer Organisation, eher neue Netzverbindungen ein, machen unbekannte, unberechenbare Spiele mit, erweitern oder verengen ihr Netz, je nach Gutdünken. Das Netz lebt geradezu von der Unberechenbarkeit und zugleich von immer wieder herzustellenden Berechenbarkeit der Kommunikation.

Im übrigen gilt für solche Netzwerke, daß in ihrem Kalkül die Vorteile nicht in allen Beziehungen untereinander überwiegen müssen, daß es vielmehr ausreicht, wenn der Vorteil bezüglich des Netzes insgesamt gesehen wird. Man muß nicht jeden der Netzpartner, lediglich das Netz als Netz schätzen (Ortmann 1995, 79).

Organisationen bzw. Netz-Organisationen lassen sich als Struktur wie als Prozeß fassen. Struktur betont die Vor-Selektion für weitere Prozesse, Prozesse betonen den Selektionsprozeß von Ereignis zu Ereignis. Das Netz hat größere Affinität zum Prozeß, also zum Ereignischarakter. Strukturen bleiben, aber die Tendenz zur Ereignishaftigkeit gewährt der Neustrukturierung bzw. der Neuselektion größeren Raum als eine Dominanz der Struktur.

Wir wissen aus der Vorurteilsforschung, daß die Angst, Unsicherheit oder das Bedürfnis nach Strukturierung, nach Eindeutigkeit gerade nicht angelegt sind, sich auf Ungewißheiten einzulassen. Das gilt für Klienten wie für die Mitarbeiter von Einrichtungen. Aber es verkürzte unsere Beobachtungen, engte sie ein, wenn wir dabei nur an Personen dächten: Auch Organisationen lassen sich danach unterscheiden, wie sie Neues zulassen oder nicht zulassen, wie ihre Strukturen ein Sich-Einlassen oder Nicht-Einlassen fördern bzw. verhindern (s. z. B. über Genehmigungen von Reisen, über Festschreibung oder Offenlassen von Tätigkeiten in Arbeitsplatzbeschreibungen). Eine "interne" Netzstruktur der am Netz beteiligten Organisation, die eigenständige Kontakte erlaubt oder sogar unterstützt, ist sicher geeigneter, Netzstrukturen im inter-organisatorischen Kontakt zu fördern als herkömmliche lineare, hierarchische Organisationsformen.

Arbeit im Netz bedeutet immer zum einen fremdreferentielles Arbeiten, d.h. Orientierung an einer Aufgabe, einem Projektziel. Die beteiligten Organisationen wie auch das Netz insgesamt sind aber stets auch selbstreferentiell orientiert, können und wollen sich nicht aufgeben. Sie werden allerdings mit laufenden Störungen rechnen müssen, erfahren doch die Mitglieder einer Organisation in der Netzarbeit die Arbeitsweisen anderer Netzmitglieder und hören sie doch, wie ihre Netzpartner ihre jeweilige "Haus-Organisation beschreiben. Sie vergleichen Gehalt, Arbeitsweise, Betriebsklima, Freiheiten, Förderungen etc.. ... und wechseln vielleicht den "Netzpartner". Vorgesetzte entdecken vielleicht geeignete Mitarbeiter, Mitarbeiter entdecken Vorgesetzte. Netze verändern die mitwirkenden Organisationen und ihre Mitarbeiter. Sie "garantieren" hohe Kontingenz für sich selbst wie für die Kommunikation der beteiligten Netzpartner.

Die Zeit des Netzes

Eine wichtige Beobachtungskategorie unserer Kybernetik 2. Ordnung, die in jüngster Vergangenheit in sozialwissenschaftlichen Erörterungen auftaucht, aber in Berichten über Vernetzungen noch selten zu finden ist, stellt die Zeit dar: Hochschullehrern dürfte das Problem geläufig sein, wenn sie Projekte durchführen, weil in diesen Fällen immer die unterschiedlichen Verwendungen der Zeit bei Trägern und bei studentischen Mitarbeitern (in Projekten im Rahmen eines Semesters) auftauchen. Erstere denken in Kategorien mehrerer Jahre, in Kategorien der Projektbewilligungszeit, in Kategorien eines Haushaltsjahres, in Wahlperioden oder Amtszeiten von Würdenträgern, Studenten in Kategorien eines Semesters oder eines zweisemestrigen Projekts, aufgeteilt nach Vorlesungszeit und vorlesungsfreier Zeit.

Familien denken vielleicht in schulischen Zeiten, also z. B. in den Fristen der Vorschulzeit oder Grundschulzeit, Obdachlose in Winter- und Sommerzeit, Träger in Projektbewilligungszeit, Professionelle in langen Zeiten, Klienten häufig in Kategorien des Heute und Morgen. Alte leben von und in ihrer Vergangenheit, junge Projektmitarbeiter ganz im Jetzt und vor allem im Morgen, in der Zukunft.

Das Netz verzweigt sich explosionsartig, in alle Himmelsrichtungen, nicht entlang eines linearen Zeitpfeils. Die lineare Zeitplanung sucht alles noch unter Kontrolle zu halten: erst das eine, dann das andere. Das Netz hingegen geht, wenn es denn nicht unter linearer Kontrolle gehalten wird, dahin, wo es hingeht, eher unberechenbar, spontan, eher zufällig.

Die herkömmliche Organisationsentwicklung war an dieser Linearität orientiert. Sie zerlegte das Ganze in Teile, also z.B. hierarchische oder regionale Teile, gab diesen Teilen die Möglichkeit, ihre Ideen zu planen und ihre Probleme zu lösen. Das Zerschnittene mußte dann aber wieder zusammengefügt werden, Stück für Stück, und zwar nach Maßgabe einer übergeordneten Planung. Die Netz-Arbeit, am deutlichsten in Form der modern gewordenen Großkonferenzen (s. unten), führt hingegen, soweit dies möglich ist, die Beteiligten in einen großen, offenen Raum und ermuntert die Beteiligten im Hier und Jetzt, ihre Ideen vorzutragen und zu sehen, wo sie Anschlüsse an andere finden. Man ordnet sich nicht ein oder zu, man gruppt nicht entlang der hierarchischen Grenzziehungen, sondern schaut, wo es interessante Themen gibt. So kommen Personen und Gruppen zusammen, die zuvor nach allen Regeln der Interventionskunst zur Interaktion instruiert wurden. Die geplante, lineare Sequenz ereignet sich nun im Zeitpunkt.

Es scheint, als ob die prospektive Planung und Organisation die Schwierigkeiten nur noch unnötig verstärkt, während das ungeplante Zusammenführen, gefolgt von der Retrospektion überraschend feststellt, daß man soeben kooperierte, obwohl es gerade zuvor noch so problemhaft erschien.

Bei aller Vernetzung und Angleichung bleibt die Zeit immer Eigenzeit in gesellschaftlichen Gruppierungen und Organisationen. Doch auch hier beginnt man, in Eigenzeiten keinen Hindernisgrund zu sehen, vielmehr einen Anlaß, sich "zeitlich" zu vernetzen, indem die Beteiligten im Interesse des (der) Kunden ihre Zeiten austauschen und sich fragen, wie Zeitstrukturen einander angenähert oder synchronisiert werden können (s. z.B. Zeitkonferenzen in Bremen). Vermutlich wird die Technik wenigstens teilweise das ermöglichen helfen, was die Planung, die interministerielle Abstimmung, die Sozialausschüsse, die trägerübergreifenden Arbeitsgemeinschaften nur schwer zuwege bringen, daß man zu den Zeitpunkten miteinander kommuniziert, wann es notwendig erscheint und mit denen, mit denen man gerne kommunizieren möchte, auch wenn zu beobachten ist, zu beobachten ist, wie die "alte Zeit" wieder durch die Bodendielen emporkriecht. Die zunächst ungezügelte Freiheit des Internets beginnt sich auf Räume und soziale Gruppen, vielleicht neue, abgeschirmte Netze zu spalten. Organisationen führen bereits Zonen ein, die sich einem wilden, ungezügelten E-Mail Bombardement entziehen. Systeme lieben das zeitlich entflochtene, geordnete Nacheinander, lassen sich nicht so gerne ein auf eine punktförmige, chaotische Gleichzeitigkeit.

Der Raum als Öffnung und Begrenzung

Der Raum unserer Orientierung und damit auch der Vernetzung ist weiter, größer geworden. Alte Grenzlinien sind gefallen. Wir sind wiedervereinigt; der Ostblock wird zunehmend zu einem Teil eines Blocks der Mitte, die Europäische Union umfaßt zwischenzeitlich einen großen Staatenbund. Beinahe könnte man meinen, das Denken in Grenzen sei eine altvordere, überkommene, überholte Denkweise, wäre nicht der Kosovo-Krieg.

Die Vokabel der weiten, unbegrenzten Orientierung heißt Globalisierung, und es vergeht ja kein Tag, an dem wir nicht erfahren, daß sich neue, weltweite Netze ergeben. Daimler kooperiert mit Chrysler und beide schauen nun nach Japan. Zwar hatte eine Bewerbung (mit Nissan) nicht den erwünschten Erfolg, aber es stehen weitere aus. Aber auch Banken, Versicherungsgesellschaften, Medienkonzerne und Nahrungsmittelketten fusionieren. Man fragt sich, wozu und mit welchem Zweck.

Der Raum scheint seine Bedeutung zu verändern. War er zuvor der Raum der Konkretheit, der spezifischen Ausprägungen, des Bildhaften, der Raum der Erzählungen und Geschichte(n), der Besetztheit mit Emotion (der bekannte Raum: die "Heimat"), so scheint er sich nun zu einem Raum der abstrakten, unpersonalen, mehr oder weniger zufälligen Zusammenkünfte zu mutieren. Man trifft sich hier, trifft sich da, weil die Anbindung günstig erscheint oder die Fluglinien günstige Tarife anbieten.

Stichweh (1998, 349) spricht von der "Herauslösung von Zusammenhängen mittlerer Reichweite" (er meint vermutlich, weil die Potentialität des konkreten Treffens an einem Ort im Raum hier leichter möglich erscheint) "... aus jeder Anwesenheitsbedingung". Der Raum-Begriff werde zunehmend metaphorisch benutzt, losgelöst von allen physischen Markierungen. Der beständige, eingravierte Raum wird zum "kontingent erfahrenen Resultat von Reisen, Umzügen, Wanderungsbewegungen ..." (Luhmann 1998, 217).

Soziale Arbeit ist sicherlich noch zu weiten Teilen lokal gebundene oder - orientierte Arbeit, aber auch hier ändern sich alte Strukturen. Die europäische Gesetzgebung, vor allem das Wettbewerbsgebot, verlangt nach freien Ausschreibungen, über die Grenzen hinweg [6]. Holländische und französische Anbieter nutzen, gerade im "grenznahen" Raum, die neuen Chancen und beteiligen sich an freien Ausschreibungen ... und gewinnen das Rennen.

Aus diesem Immer-Weiter ein Gesetz der Entgrenzung abzuleiten scheint einem begrenzten Denken zu entspringen; denn wir brauchen ja nur auf die unmittelbar vor unseren Tore ausgetragenen Kämpfe im Kosovo, auf die Schwierigkeiten der Kooperation im vereinten Deutschland, auf die Feindseligkeiten gegen Ausländer zu schauen: Die Grenze das Lokale ist untrennbar mit seinem Gegenpart, dem Globalen verbunden. Unser Differenzkonzept (s. Spencer Brown 1997) sieht im Kontrast, in der Differenz die einzig mögliche Quelle für jedes Erkennen. So erlaubt erst das Fremde die Eigenheiten zu erkennen, die bewußt gewordenen Eigenheiten erst das Fremde.

"Ohne Fremde gibt es keine produktiven Städte. ... Fremdheit ist das Ferment von Urbanität" (Siebel 1998, S. 59). Man müßte der Stadt Köln nur für eine Tag die Türken aus dem Netz nehmen und man sähe schon, was von Köln übrig bliebe.

Aber nur geschlossene, grenzziehende Systeme können sich für eine Umwelt öffnen und je deutlicher ihnen die Grenzziehung als eine gemachte Grenzziehung erscheint, desto freier und vielgestaltiger können sie sich in ihren Strukturen und Prozessen auf die Umwelt einstellen, sie in sich, auf ihre eigene Art und Weise aufnehmen. "Grenzen schaffen Frieden" (von Alemann 1999) oder in der Umgangssprache: "Wer für alles offen ist, ist nicht ganz dicht".

Die Kybernetik 2. Ordnung beobachtet, wie und wo solche Grenzen gezogen werden. Ihre Prämisse heißt, daß Grenzziehungen variabel bezüglich Zeit und Raum bleiben, daß sie enger und weiter gezogen werden können. Sie geht nicht länger von einer oder der Grenze aus, sondern von optionalen Grenzziehungen. Soziale Arbeit in der Lokalität kann sich darin üben das Globale, die Weite und Diffusität der Globalität, die Furcht vor der Weite des Raums zu mindern ... in der Arbeit in variablen Netzen, je nach Bereich, je nach Thema, je nach Zeit. Die Verbindung des Globalem mit dem Lokalem ergibt sich in jedem einzelnen kommunikativen Akt (Stichweh 1998; s. auch Hörz 1998, 34) und kann darum auch jeweils neue Verbindungsformen annehmen, auch wenn unsere alltäglichen Erfahrungen uns dies nur schwer glauben lassen. Der Raum lebt von seiner kontinuierlichen Erfahrung. Die modernen "Open Space-Konferenzen" (s. Petri 1996), ein Teil der Bürger(rechts-)bewegung der USA, zwischenzeitlich in Europa als "Großraum-Veranstaltung" aufgenommen, nutzen die Öffnung des Raums im Hier und Jetzt einer gemeinsamen Veranstaltung. Die Öffnung des Raums lebt davon, daß die Nützlichkeit des großen Raums wider Erwarten hoch sein kann, daß der größer Raum nicht der gefährliche Raum sein muß, daß man überraschend das Vertraute im Unvertrauten erfährt (s. dazu Luhmann 1998, 251).

Der Raum scheint sich zunehmend als "Raum" selbst zu verändern. Es zählt heute weniger der indexikalische bzw. der topologische Raum, sondern eher ein Raum der "Bewegung" oder des kommunikativen Einschlusses, der kommunikativen Erreichbarkeit (Luhmann 1998, 152). Der Raum entdinglicht sich zu einer Variablen der verkraftbaren Weite, Zahl und Aufwand der Beteiligten, des zeitlich bedingten Raum-Rahmens oder der Frage der medialen Voraussetzungen bzw. der Zweckmäßigkeit dieser oder jener medialen Form (z.B. schriftlich vs. mündlich).

Der Raum lebt vom Umgebungsraum, von seiner Umwelt, ist auf sie angewiesen. Und dieser der Eigen-Raum wird vom häufig genug vom Raum der Umwelt gestört. Das Netz der Partner Sozialer Arbeit bleibt einem Funktionssystem verhaftet, der Sozialen Arbeit, einem System, das sich zwar erfolgreich um Raumsprengung bemüht, das dabei ist, die Straße zu erobern, den Bürger anzusprechen, das aber erfahren muß, daß die Protestveranstaltung in der Einkaufspassage vom Platz verwiesen, die ÖTV aus dem Einkaufszentrum gerieben, der Raum im Umkreis der Deutschen Bank dem Zutritt verwehrt wird.

Der geöffnete, erweiterte Raum paßt sich gleichzeitig den Grenzen des Besitzes oder der Besitzlosigkeit, der Schutzbedürftigkeit an, er wird entpolitisiert, indem er für politische Zwecke nicht zugelassen wird. Bei aller Euphorie der Globalität, der Ausweitung der Räume, der neuen Entdeckung des Raumes, des Sich-Öffnens, bleibt die andere Seite der Konkurrenz, des Sich-Abschirmens, des Ausschließens, bleibt der Raum als kommerzieller Raum, als Sicherheits-Raum, als politischer Raum der Blut- und Boden-Ideologie von 1389.

Eine Soziale Arbeit, die dieser notwendigen, aber variablen Grenzziehungen bewußt ist und mit dem Raum zu spielen beginnt, setzt sich von einer Gemeinwesenarbeit ab, die allein die Solidarität, die Gemeinschaft aller, die Offenheit ohne das Abschließen propagiert. Eine "ein-seitige" Beschwörung des ungeteilten Raums vergißt oder verschweigt die abgedunkelte Seite der Differenz, bleibt dem kleinen Raum verhaftet.

Selbstbezüglichkeit und Fremdbezüglichkeit

Soziale Arbeit, auch die Netzarbeit, erweckt häufig den Eindruck, als stünde sie ganz im Dienste ihrer Umwelt, als legitimierte sie sich aus der Arbeit mit ihren Klienten, als sei sie eine "selbst-lose" Arbeit. Aber ohne ein Selbst kann keine Arbeit an Anderen oder mit Anderen entstehen. Aller Fremdbezug lebt vom Selbstbezug oder, noch weitergehend: Die Art des Selbstbezugs hat Einfluß auf den Fremdbezug. Die Art, in der ein Soziales System sich als Netz versteht und wie dieses Netz operiert, gestaltet auch die Vernetzung der Umwelt bzw. seine Vernetzung mit der Umwelt.

Selbstbezug bedeutet, daß sich das System mit allen seinen Erfordernissen und Interessen selbst im Auge hat. Vor allem, daß es sich als System im Kontrast zu anderen begreifen muß - weil es sonst sich selbst nicht sehen kann. Eine "selbst-lose" Arbeit verkommt im Fremdbezug, geht in ihm auf, nimmt Züge der Klientsysteme an, wird selbst zum (Problem-) Fall, fällt anderen anheim, für die es Hilfe sein sollte.

Netzarbeit kann also nur ein System mit seiner Umwelt praktizieren, wenn es diese Form kennt, wenn es auch in der eigenen Organisation der Netzpartner Platz für interne, teil-autonome Subsysteme gewährt, wenn es lediglich Kernprozesse zur normierten Pflichtaufgabe macht, jedoch die Verbindungsarbeit mit den jeweiligen Umwelten der Subsysteme diesen zur eigenverantwortlichen Gestaltung überläßt.

Die Selbstbezüglichkeit betrifft aber ebenso die Organisation der Ressourcen der beteiligten Organisationen. Ihre Personalpolitik, ihre Finanzplanung, ihr Budgetplan, ihre Rücklagenpolitik muß sich zwar immer am fremdbezüglichen Auftrag ausrichten, also beispielsweise bestimmtes Personal für bestimmte Zwecke einsetzen oder verfügbar halten, aber ebenso dem Eigeninteresse nach Kontinuität, wenigstens mittelfristiger Planungssicherheit, z.B. in Form von Rücklagen Zeiten geringerer Auslastung Rechnung tragen (s. KGST-Gutachten zum "Kontraktmanagement", KGST 19 98).

Die "Selbstbezüglichkeit" im Verein mit der "Fremdbezüglichkeit" betrifft aber nicht lediglich das Verhältnis zur Umwelt in Gestalt des Klienten oder Kunden, sondern ebenso den "Mitbewerber" oder "Mitgestalter", den "Konkurrenten" oder den "Kooperationspartner".

Selbstbezüglichkeit und Fremdbezüglichkeit sind aufeinander bezogen und angewiesen, ebenso aber differente Teile eines Netzbetriebs. Die Konkurrenz untereinander be-lebt das Geschäft ebenso wie die Kooperation, und sie behindert zugleich die Netzarbeit, weil sie den Austausch behindert, die Anstrengungen in Grenzen hält und die Anreize für neue Ideen verringert.

Darum erscheint es zweckmäßig, beides zu pflegen. Der seit einiger Zeit gebräuchliche Begriff der "Coopetition" (Competition, Cooperation) will auf die Liäson aufmerksam machen (s. Beck 1998). Solche interorganisatorischen Verbindungen passen nicht mehr zum alten Strukturbegriff, wenigstens nicht für die Prozesse zwischen der Partnern oder Konkurrenten. Solche Koordinationsmuster "spielen" sich in rekursiven Mustern ein, stabilisieren sich kurzfristig, um ein neues Spiel mit neuen Projekten, unter neuen Partnern, mit neuen Zielsetzungen zu initiieren. Das ist das Spiel des Netzwerks, der "Strukturation" wie Giddens (1988) es nennt, ein Spiel von Form und Bewegung!

Inklusion und Exklusion

Die Beschreibung 2. Ordnung lebt von der Sicht "auf die Dinge". Sie erkennt, daß Soziale Arbeit sich der Inklusion der Exklusionen verschreibt: Ohne Exklusion keine Inklusion, aber auch: Keine Inklusion ohne Exklusion. Oder: Alle Inklusion produziert Exklusion und alle Inklusion ruft Inklusion auf der Seite der Exklusion wach, im Beispiel: Die Herausnhame eines Jugendlichen aus der Familie läßt diese Familie zusammenrücken, im Kampf gegen das Jugendamt. Oder: Die aus dem Alltag vielfach exkludierten Behinderten bilden Eigen-Systeme der gegenseitigen Hilfe bzw. der Lebensführung.

Fügt man in diese Beobachtungen die Unterscheidung des Netzes vs. Nicht-Netzes, d.h. der unverbundenen, autonomen Organisationen Sozialer Hilfe ein, wird deutlich, daß eine "fall-orientierte", "person-orientierte", "spezialisierende" oder "arbeitsteilige" Hilfe sich immer der Konfrontation mit ihrer Nicht-Hilfe in Form der exkludierenden Herausnahme des "Klienten" (des identifizierten Patienten), stellen muß. Sie wird ihre exkludierende Inklusion mit dem Hinweis auf den Mißbrauch der Kinder, der Frauen, der unzumutbaren Belastung von Angehörigen oder mit den zerrütteten Verhältnissen legitimieren, aber sie vergibt sich hilfreicher Optionen, wenn sie sich mit solcher Legitimation der einen Sicht verschreibt.

Eine Hereinnahme der Exklusion in die Diskussion der Inklusion mündet in anderen Klient- Konstruktionen, in anders gelagerten "Fällen", anderen Attributionen, Prognosen über soziale Karrieren, mündet in anderen Inklusionen, natürlich auch neuen Exklusionen

Ein System der kleinen, vernetzten Hilfeeinheiten ("task forces") von Professionellen und Nicht-Professionellen, von etablierten Organisationen und Organisationen auf Zeit, sieht sich dabei weniger an selbstbezügliche Schranken gebunden, an Dienstzeiten, Urlaubstage, Arbeitszeiten, Kompetenzen, Urlaubs- und Feiertage, Arbeitsplatzbeschreibungen oder festgeschriebene Leitbilder. Sie richten, weil sie nur "loosely coupled systems" darstellen, im Fall einer unangemessenen Intervention geringeren Schaden an. Der Schaden schreibt sich nicht fort, "ver-aktet" sich nicht, perpetuiert sich nicht als Vorlage für weitere Vorlagen.

Man wird gleichwohl nicht ohne eine Kern-Organisation, ohne eine "Stamm-Manschaft auskommen, weil die Umwelt (u.a. die des Rechts) Berechenbarkeit, Verantwortlichkeiten einfordert, weil das Personal seine Bedürfnisse nicht selbstlos aufzugeben bereit ist, aber auch weil professionelles Arbeiten Kontinuität benötigt.

Man wird beides brauchen, Beständigkeit und den Wechsel, Verläßlichkeit und Unberechenbarkeit, Reduktion der Komplexität und neue Komplexitätszumutungen.

Die Struktur der Kern-Organisation(en) wird vermutlich vom Kontext der Netz-Organisationen (Projekte etc.) kontaminiert. Sie können ihre alte Form nicht in gewohnter Weise fortführen. Sie sollten sich auch der Verstörung aussetzen, sich einüben im Handwerk des heute geläufigen Dienstleistungs-Managements, in der Prozeßoptimierung, den Service-Centern, dem Zero-Budgeting, dem Portfoliomanagement, der Hotline, den Problem-Scouts, kurz: im Netzwerkmanagement; denn nicht zuletzt hängt eine erfolgreiche Inklusionsarbeit davon ab, wie selbst-bezogen Soziale Arbeit sich in den Formen solcher Techniken und Verfahren an das Funktionssystem Wirtschaft ankoppeln kann.


Literatur:

Alemann, U. von,Grenzen schaffen Frieden, in: Die Zeit Nr. 6, vom 4.2. 1999, S. 39.

Beck, Th. C., Coopetition bei der Netzwerkorganisation, in: Zeitschrift für Führung und Organisation, 5/1998, S. 271-276.

Doerner, D, Die Logik des Mißlingens, Hamburg 1989.

Giddens, A., Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung. Frankfurt a. M. 1988.

Foerster, H. von, 1985, Sicht und Einsicht, Braunschweig/Wiesbaden 1985.

Grosser, G., Problem-Projekt-Methode (PPM) in der gemeinwesenorientierten Sozialarbeit, in: Soziale Arbeit, 12/1998, S. 414 - 420.

Hörz, P. F. N., "Bis hierher und nicht weiter!" Die Psychologie der Grenze, in: Psychologie heute, Januar 1998, S. 30-35.

Kähler, H. D., Ressourcen aus dem Sozialen Netzwerk zur Bewältigung von schwierigen Alltagsituatuationen: Ergebnisse aus einer Erkundungsstudie, in: Neue Praxis, 1983, S. 262-272.

Kähler, H. D., Zur Zukunftsorientierung im Empowerment, in: Soziale Arbeit 9/1997, S. 302-307.

Kommunale Gemeinschaftsstelle (KGST), Kontraktmanagement zwischen öffentlichen und freien Trägern, Bericht Nr. 12/1998.

Krippendorff, K., Der verschwundene Bote, in: Medien und Kommunikation, Deutsches Institut für Fernstudien an der Universität Tübingen, Tübingen 1990, S. 16-50.

Luhmann, N., Soziale Systeme, Frankfurt 1985.

Luhmann, N., Die Gesellschaft der Gesellschaft 2 Bde., Frankfurt 1998.

Nassehi, A., Die Zeit der Gesellschaft, Opladen 1993.

Ortmann, G., Formen der Produktion, Opladen 1995.

Petri, K., Let's Meet in Open Space! Die Story von Kaffeepausen, chaotischen Attraktoren und Organisations-Transformation, in Organisationsentwicklung, 15.Jg./1996, S. 56 - 65.

Senge, P., Die fünfte Disziplin, Stuttgart 1996.

Siebel, W., Fremde in der Stadt, in: Die Zeit Nr. 48 vom 19.11.1998, S. 59.

Spencer Brown, G., Gesetze der Form, Lübeck 1997.

Stichweh, R., Raum, Region und Stadt in der Systemtheorie, in Soziale Systeme, 4/1998, S. 341-358.

Vester, F., Leitmotiv vernetztes Denken, München 1989.


Anmerkungen:

[1] Das heißt natürlich nicht: Aus dem Nichts. Sie stehen im Kontext anderer Systeme.

[2] Wir fassen hier zusammen, was auch als Sozialer Konstruktivismus", Wissens-Soziologie, Ethnomethodologie" oder Systemtheorie"bezeichnet wird.

[3] Ein Vorgehen, das heute häufig als Empowerment" bezeichnet wird.

[4] Die Sprache des Netzes" ist ein Spiel unter anderen Spielen, aber eben ein reales Spiel, ein Spiel mit Worten, die zugleich Handlungen bedeuten, ein Spiel ohne Grenzen", aber mit Folgen (s. dazu Wittgenstein 184, Philosophische Untersuchungen. In: Werksausgabe in 8 Bänden. Band 1. Frankfurt 1984, S. 225-580).

[5] Das Beispiel einer Arbeit mit Rußlanddeutschen zeigt, wie sehr die Vernetzung davon lebt, daß die Sprache des einen Systems im anderen auf Resonanz stößt. Die Verbindung kam erst zustande, nachdem diese Gruppe mit Fotos der Heimat und Aufklären der geschichtlichen Verbindungen, mit Erzählungen über den Alltag der Rußlanddeutschen in fremder" Umgebung, mit der Pflege ihres kulturellen Erbes sich darstellen konnten und damit die empörende und verletzende Frage, wieso sie sich denn eigentlich als Deutsche bezeichnen könnten, auf ihre Art beantworten konnten. Ein Zivildienstleistender hatte Verbindungen zur Schule und konnte das Kollegium überzeugen, im Unterricht Mitglieder der Rußlanddeutschen den Kindern etwas aus der Heimat erzählen und zeigen zu lassen. Das machte die Erzähler selbstbewußter, mutiger, sie erzählten an anderen Orten, in den Medien, schlossen sich selbst neue Kontakte auf, u.a. mit anderen Senioren des aufnehmenden Ortes usw. Sie integrierten sich auf ihre Weise, in ihren Worten, in ihrer Geschwindigkeit oder Langsamkeit, über die Knoten, denen sie am ehesten vertrauten ( s. Grosser 1998).

[6] Kürzlich ist ein Papier der Kommission erschienen, in dem den großen, etablierten Trägern, vor allem der Diakonie, der Caritas und dem DRK die Wettbewerbs-Leviten gelesen werden, daß sie den Zugang zum Markt limitieren, daß sie über besondere Konditionen (noch) verfügen (z.B. kostengünstige Zivildienstleistende beschäftigen).


Autor:

Prof. Dr. Hans-Christoph Vogel

  • Professor für Organisations- und Institutionslehre, Planungs- und Entscheidungslehre am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein

eMail: christoph.vogel@hs-niederrhein.de


Veröffentlichungsdatum: 18. Februar 2002


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