Britta Haye

Special (Januar 2002)


zum 60. Geburtstag


Auf zwei Beinen

von Wolfgang Wendlandt (Januar 2002)

Zack, zack, zack, zack.
Zack, zack, zack, zack.

Schnell kommt sie näher. Sie läuft. Nein, sie geht.

Sie geht schnell, sie geht sehr schnell.

Sie steht vor mir.

Nie außer Atem. Aber bereit zum Weiter.

Laufen. Es läuft mit Britta.

Alles läuft gut. Auch wenn sie humpelt. Alles läuft gut. Sie kann auch schnell humpeln. Wie alt bin ich denn, dass ich nicht mithalten kann?

Auf ihre Beine ist Verlass. Denke ich. Denkste, sagt ihre Hüfte. Aber sie stürmt auch die Treppen hinauf. Und hinunter.

Viele Seminare. Viele Stunden. Seit Jahren. Seit Jahren halte ich mit Britta Seminare ab. Sie sind alle gut gelaufen. Egal was war: ob die Stimmung hoch ging oder runter, ob die Gruppe zäh oder bockig war, ob ich müde war oder andere Schwerpunkte setzen wollte als sie, die Zusammenarbeit mit Britta ist immer gut gelaufen. Solange ich zurückdenken kann. Das ist kein Zufall.

Auf Britta ist Verlass.

Ich sitze mit ihr im gleichen Raum, ich lehne mich zurück, die Ruhe kommt, die Sicherheit, "das schaffen wir!".

Britta nimmt an, nimmt wahr, vertieft, geht behutsam voran, hinterfragt, ergänzt. Kein Zack-zack, keine Gestürm.

Ein Lächeln, ein Abwarten. Ich bin entspannt, fühle mich sicher.

Seit Jahrzehnten ist die Zusammenarbeit gut gelaufen. Immer hatte Kreativität Vorrang vor trockenem Dozieren, Lernen als Erfahrungssuche, immer auf beiden Beinen, handfest (fußfest müsste es in diesem Zusammenhang eigentlich heißen), handfest und fundiert, mit Freude am Neuen, Sozialarbeit als praktisch erfahrbare Wissenschaft, voller Lebendigkeit, spielend Methoden vermitteln, kein Humpeln, kein Hadern, kein übereiltes Tempo.

Zeit zum Nachklingen und Spüren, die Treppen, die Veränderungen,
das Weiterwachsen der Studierenden im Auge,
eine Lehrende mit Herzblut,
auf zwei Beinen,
auf die noch lange Verlass sein möge,
in den Fluren unsere Hochschule,
auf Treppen,
im sozialen Miteinander.


Autor: Wolfgang Wendlandt, Diplom-Psychologe, geb. 1944, Promotion zum Doktor der Philosophie 1977. Seit 1979 Professor für Psychologie mit dem Schwerpunkt Beratung und Therapie an der Alice-Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik Berlin. Langjährige Tätigkeit als Psychologischer Psychotherapeut und Supervisor mit Zusatzausbildungen in Gesprächspsychotherapie und Verhaltenstherapie. Seit drei Jahrzehnten Fortbildung von Berufsgruppen, die in der Diagnostik, Beratung, Therapie und Prävention von Menschen mit Störungen des Sprechens und der Sprache arbeiten. Forschungs- und Publikationstätigkeit auf dem Gebiet "Sprache und Kommunikation", "soziale Kompetenz" und "Redeflussstörungen".


Veröffentlichungsdatum: Januar 2002

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